Allgemein, Minimalismus
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Gedanken zur Fast Fashion

Warum ein Beitrag über Fast Fashion?

Momentan lebe ich aus meinem Rucksack. Das ist gar nicht schlimm, sondern ich genieße diese Reduziertheit sehr. Trotzdem war es letzte Woche einige Male so, dass ich unterwegs fror und so entschied ich, es würde jetzt Zeit für ein oder zwei neue warme Pullover. Da ich ohnehin gerade Leipzig durchquerte, landete ich bequem in einem Laden der größten Bekleidungskette Deutschlands.

Nach ewigem Hin und Her hatte ich mich für einen Pullover entschieden, bezahlt, gleich angezogen und war mit dem auch ziemlich zufrieden. Am nächsten Tag bin ich auf dem Weg zum Zug wieder am gleichen Laden vorbeigekommen und entschied mich spontan dazu, noch einen dieser Pullover zu erstehen, der mir optisch gut entsprach: schlicht, funktional, lang. Also, ab zur Kasse mit dem nächsten. Während des Anstehens wartete ich neben einem dieser flachen Tische, auf denen Kleidung präsentiert wird. Auf diesem lagen jedenfalls mehrere T-Shirts mit ähnlichen Designs aus: „Be the Change“, „Girl Power“, „Do it!“.

Mir wurde regelrecht schlecht.

Fast Fashion

Fast Fashion hat Konsequenzen

Was ist das für eine Welt, in der Näher*innen und ihre Kinder auf der anderen Seite der Erdkugel in riesigen, einsturz- und brandgefährdeten Hallen sitzen um für einen Hungerlohn 10 Stunden täglich oder mehr T-Shirts wie diese für einen ausbeuterischen Großkonzern zu nähen, der sich einen Scheiß um Menschenrechte kümmert. Und wer bezahlts? Ich!

„Girl Power“: Was hat sich der Mensch wohl gedacht, der das zusammenschustern musste? Vielleicht, wie schön es wäre, wenn die eigene Tochter zur Schule gehen könnte, statt hier arbeiten zu müssen?

Eigentlich muss ich diesem Laden dankbar sein, denn ich werde genau das beherzigen: Be the Change. Ich werde diese Läden fortan nicht mehr mit meinem Geld unterstützen.

Bereits mehrfach habe ich in den letzten Jahren darüber nachgedacht, wie bescheuert ich es finde, Billigmode zu kaufen. Trotzdem habe ich mich bei meinen seltenen Einkäufen immer wieder verleiten lassen, doch schön bequem ein einfaches Top für 4,90€ mitzunehmen. Damit ist jetzt Schluss!

Wusstest du, dass die Produktion einer einzigen Jeans rund 7000 Liter Wasser verbraucht? Ich nicht! Durchschnittlich besitzt jede Person in Deutschland 95 Kleidungsstücke (ohne Unterwäsche und Socken), dabei liegt jedes 5. Teil ungetragen im Schrank. (Quelle: Greenpeace)

Es gibt zahlreiche Möglichkeiten, sich in Läden oder eben online mit fairer, veganer Kleidung einzudecken. Das Argument, man könne sich das nicht leisten, ist hinfällig, wenn man einfach seltener und langlebiger kauft. Ganz im Sinne des Minimalismus eben: Ressourcen schonen, Menschenrechte schützen.

Ich bin sehr froh, dass ich mich in diesem Bereich für mehr Konsequenz entschieden habe und bin schon gespannt, was ich alles noch für tolle Möglichkeiten entdecke, noch solidarischer mit meiner Umwelt, meinen Mitmenschen und anderen Mitgeschöpfen umzugehen.

Lass es uns anpacken!

 

11 Kommentare

  1. Justin Jagieniak sagt

    Ja, der Wasserverbrauch von Kleidung ist ein großes Problem. Gerade auch bei veganer Kleidung im kommerziellen Anbau von Baumwolle. Es steht außer Frage, dass man sich auf jeden Fall Fairtrade Kleidung kaufen sollte. Allerdings frage ich mich, ob es besser ist möglichst wenig Kleidung zu kaufen und länger zu tragen (=> Minimalismus) oder ob es besser ist, wenn Menschen einfach mehr Faitrade kaufen, da für sogenannte Näherfamilien in ärmeren Ländern ihre Existenz davon abhängig ist. Ich denke, da muss jeder für sich ein Mittelmaß finden. Aber kommerzielle Kleidung kaufen ist immer Scheiße! 😉

  2. Hey,
    Ja, ich stimme dir natürlich grundsätzlich zu. Ich glaube, dass es die Kombination aus Beidem ist, das du vorschlägst: Weniger und dafür fair. Die Abhängigkeit der Näher*innen in den betreffenden Ländern, in denen produziert wird, besteht ja primär, weil die Großkonzerne dort die lokale Wirtschaft zerstören. Gäbe es die nicht, gäbe es auch die Abhängigkeit in dieser Form nicht. Wenn man so argumentiert, kommen wir glaube ich nicht aus dem System der „Unterstützung“ von wirtschaftlich global schwächer aufgestellteren Ländern durch wirschaftsstarke Länder, heraus. Aber ganz klar: Ab jetzt mehr darauf achten!

  3. Im Sinne des Minimalismus UND der billigen Tops und T-Shirts empfehle ich dir den regelmäßigen Besuch von Second-Hand-Läden. Man kann da wunderbar stöbern, es gibt häufig dieselben Basics wie bei H&M und Co., nur dass sie hier noch 0,50€ bis 3€ kosten.

    Ich kaufe mittlerweile Bekleidung (bis auf Unterwäsche, das ist mir da nix) nur noch in solchen Läden und muss mich mittlerweile ab und an selbst dabei fragen: Brauche ich das? Hält mein Schrank das noch aus?, weil ich so viele coole Sachen finde. (Dort kaufte ich sogar schon Lederschuhe; die moralische Last übernimmt dann der Erstkäufer. Ich weiß, das ist Schummeln, aber die halten auch bereits über 5 Jahre! 😉 )

    Ich weiß nicht, wo du wohnst, und natürlich ist in kleinen Städten die Auswahl in der Hinsicht sehr gering. Aber auch beim Großstadtbummel im Urlaub lohnt es sich, danach Ausschau zu halten. Verschiedene Städte haben oft sehr verschiedene Second-Hand-Mode.

    Liebe Grüße
    kolumnalpolitik

    • Hallo Kolumnalpolitik,
      Danke für den tollen Kommentar! Ja, ich gehe auch gern in Second Hand Läden. Ich habe eine eher seltene Kleidungsgröße, weil ich ausgeprochen groß bin- daher finde ich in Second Hand Läden höchstens Tops oder T-Shirts und kurze Hosen. Lange Hosen, Schuhe und langärmlige Pullover kann ich dort leider nicht kaufen (oder es wird eben ein riesen Sack :D).
      Ich geh auch gern mal auf eine Kleidertauschparty oder Fohmärkte zum Stöbern – werde also in Zukunft gezielt nach meiner Größe suchen, wenn ich Bedarf habe.
      Ganz lieben Gruß, Alina

  4. da bin ich absolut d´accord. Ich habe auch vor etwa einem Jahr entschieden, die größte Klamottenkette Deutschlands ab jetzt durch Nichtkaufen der Sachen zu „boykottieren“ 🙂 Ich weiß, dass es bei anderen Ketten nicht unbedingt besser ist, doch es ist ein Anfang und ich bin mir sicher, dass sich fair fashion in ein paar Jahren so stark etabliert hat, dass sie bekannter ist und es gleichzeitig normal wird, dort einzukaufen. Ich bewege mich jedenfalls Schritt für Schritt dorthin und dein Beitrag hat mich nur bestärkt, in diesem Punkt verstärkt auf mein Kaufverhalten zu achten!

    • Wow, cool! Das freut mich total! Ich habe mir auch immer eingeredet, wenn ich immerhin nichts zu Pri**** gehe, dann wird es schon okay sein. Neee… gar nicht. Das ist im Endeffekt genau das gleiche Zeug aus den gleichen Fabriken wie bei H** oder New****** oder irgend einem anderen Verein. Total cool, dass wir dann schon zu zweit sind! Woohoo!

  5. Pingback: Nachhaltig angezogen: Ethical Fashion, Eco Fashion, Fair Fashion

  6. Julia sagt

    Hey 🙂 ich finde deine Sichtweisen sehr inspirieren! Den Gedanke, dass man nachhaltig denken (und natürlich handeln) kann und sich trotzdem ab und an etwas gönnen darf, finde ich klasse! Genau darum geht es ja eigentlich, sich nicht komplett einzuschränken, sondern Alternativen finden und vor allem ein Maß!
    Super, deine Seite! Sie hilft mir, mich noch mehr mit diesen Themen auseinanderzusetzen.
    Ich werde weiterstöbern 🙂

    • Alina sagt

      Hallo liebe Julia!
      Tausend dank für deinen Kommentar! Es freut mich unheimlich, dass dir meine Seite gefällt und sie dir weiterhilft – das ist genau das, was sie soll! <3
      Lass es dir ganz gut gehen und nochmal danke für das tolle Kompliment! ~ Alina

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