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Pelz: Grausamkeit im Trend

Viele Menschen erachten das Thema Tierschutz als wichtig. Trotzdem sind die Fußgängerzonen wieder voll von Pelz. Warum ist das so und woher kommt dieser Pelz überhaupt?

In diesem Beitrag nehme ich das Thema Pelz einmal genauer unter die Lupe und habe dafür viel recherchiert, um die Grausamkeiten der internationalen Pelzindustrie realistisch und nachdrücklich widergeben zu können und Unklarheiten zu beseitigen.

Als Einstimmung auf das Thema habe ich mir mehrere Dokumentationen angesehen und verschiedene Datenbanken und Artikel durchstöbert. Besonders gut und einfach verständlich wird die Problematik in der Dokumentation „Die Wahrheit über Pelz“, falls ihr auch Lust habt, euch die Inhalte in Bildform anzuschauen.

Warum das Thema Pelz? Es gibt doch Tierschutzgesetze!

Pelz war für viele Jahrzehnte ein Tabuthema; in den letzten Jahren ist aber wieder deutlich mehr davon auf der Straße zu sehen. Ob als Bommel auf der Mütze, Kragenbesatz oder Fellweste: Jede*r Zweite trägt gefühlt in der kalten Jahreszeit mindestens ein flauschiges Accessoir an der Kleidung. Ob es sich um Kunst- oder Echtpelz handelt, ist für die meisten Verbraucher*innen dabei offensichtlich zweitrangig.

Innerhalb der Jahre 2000 bis 2012 ist die Pelzproduktion weltweit um knapp 70% angestiegen. Obwohl die Mehrheit der Deutschen Echtpelz laut Befragungen nach wie vor ablehnt, hat die Textilbranche über den Einsatz von Pelzbesatz einen Weg gefunden, Pelz wieder salonfähig zu machen, ohne bei der tragenden Person ein mulmiges Gefühl zu generieren. „Echtpelzmantel? Niemals! Aber das bisschen Besatz….“. Pelz wird wieder Statussymbol für die Masse, das gute Gewissen durch vermeindliches Kunstfell aufrechterhalten. Auch Echtpelz wird durch eine neue Werbestrategie wieder erfolgreich verkauft, in dem es mit Begriffen wie natürlich und ursprünglich neu und positiv besetzt wird.

In China werden Tierschutzbestimmungen für Pelztiere grundsätzlich nicht kontrolliert, in Europa gibt es lediglich „Empfehlungen“ und in Deutschland gibt es die sogenannte Pelztierhaltungsverordnung, die allerdings nicht befolgt wird. Ohnehin enthält sie lediglich die absolut minimalsten Anforderungen, damit Tiere zur Produktgewinnung in Deutschland gehalten oder ihre Produkte vertrieben werden dürfen. Nach wie vor besteht allerdings der Mythos, die Tiere würden bei der Gewinnung von Echtpelz für Deutschland „artgerecht“ behandelt. Kennzeichnungspflicht in der EU? Völlig haltlos: es müssen nicht einmal klare Angaben zu Tier oder Herkunft gemacht werden, mit dem kleinen Vermerk „Enthält nicht-textile Teile tierischen Ursprungs“ ist die Kennzeichnungspflicht der EU-Verordnung von 2012 erfüllt. Aktuelle Studien ergeben, dass ca. 51 % des Echtpelzes auch hierzulande fehlerhaft und unzureichend gekennzeichnet sind, obwohl ja ohnehin kaum Kennzeichnungspflicht besteht!



Schon gewusst? Viele Echtpelz-Träger*innen gehen davon aus, dass es sich bei ihrem Fell um das eines Waschbären handelt, stattdessen ist es allerdings häufig das eines Marderhundes. Die Pelzindustrie bedient sich hierbei der missverständlichen Ähnlichkeit der beiden Tiernamen im englischen, racoon (Waschbär) und racoon dog (Marderhund).

Woher kommt der Pelz?

85%China dominiert den int. Fellmarkt und ist auch für europäische Fellproduzent*innen der  wichtigste Abnehmer. Für Fellprodukte sterben jährlich mehr als 100 Millionen Tiere, dabei stammen 85 % des gehandelten Fells aus der Pelzzucht, ist also kein Abfallprodukt, kein „Beiprodukt“ der Fleischindustrie, wie oft von Verteidiger*innen der Pelzmode argumentiert wid.

Generell stammt der Pelz von Tieren entweder aus der industriellen Massentierhaltung in Pelzfarmen oder von wildlebenden Tieren, die aber die Minderheit darstellen. Von der Massentierhaltung, zur Gewinnung jeglicher tierischen Produkte, haben viele Menschen ohnehin ein schlechtes Bild und eventuell Vorstellungen über mögliche Grausamkeiten, die sie vereinzelt in Nachrichten aufschnappen. Auch, wenn sich ihr Konsumverhalten daraufhin nicht ändert, so können sie mit dem Begriff Massentierhaltung in Verbindung mit Begriffen wie Tierquälerei und ökologischem Disaster etwas anfangen.

Da liegt es doch nahe zu etwas „natürlicherem“ zu greifen: Warum also kein Pelz aus Wildfang? Wildlebende Tiere werden durch den Einsatz von Schlingen oder Tellereisen gefangen, müssen oft schwerverletzt mehrere Tage auf den erlösenden Schuss durch die Fallensteller*innen warten oder werden dann brutal erschlagen. Gerechtfertigt wird die Tötung dieser Tiere mit dem Vorwand, die Tiere würden sich zu stark vermehren, daher sei die Tötung für Pelz zuträglich für die Eindämmung der Population (gleiche haltlose Argumentation wie bei der Wildschwein-Jagd in Deutschland). Fakt ist aber, dass sich das Rudel ohne Leittier umso schneller vermehrt, das heißt im Klartext: Die Tötung dieser Tiere fördert deren Populationsanstieg!

Um welche Tiere handelt es sich und wie werden sie gehalten?

Für Pelz werden hauptsächlich Füchse, Nerze, Hunde, Marderhunde, Katzen, Waschbären, Bieber, Chinchillas und Kaninchen gehalten. Hunde und Katzen sind uns Europäer*innen als typische Begleittiere ans Herz gewachsen. Über die anderen aufgeführten Tiere wissen wir, da schließe ich mich ein, insgesamt wohl herzlich wenig. Marderhunde z.B. leben monogam, das bedeutet, sie bleiben mit ihrer / ihrem Partner*in das ganze Leben zusammen. Außerdem sind sie nachtaktiv und sehr scheu.

Auf Pelzfarmen werden die Tiere in winzige Drahtkäfige gesteckt, das ist platzsparend und der Draht verhindert, dass die Tiere sich ständig an den eigenen Fäkalien infizieren. Unter diesen Bedingungen können sie keinerlei natürliches Verhalten ausleben, zeigen oftmals psychisch kranke Verhaltensweisen, rennen im Kreis und verletzen sich selbst. Als billiges Futter wird den Tieren häufig ihre bereits getöteten Mitgefangenen als Paste auf den Käfig geschmiert, den die Tiere dann ablecken müssen. In letzter Zeit sind vermehrt Bilder von diesen Pelzfarmen an das Licht der Öffentlichkeit gekommen, die zeigen, wie z.B. Polarfüchse extrem überzüchtet und fett gemästet werden, damit sie eine größere Hautoberfläche haben und dadurch mehr Fell.

Wie werden die Tiere ihrer Pelze beraubt?

Die Tötung der Tiere für Pelz wird spottend als „Ernte“ bezeichnet. Um den Pelz zu gewinnen, werden die Tiere gehäutet und zuvor werden sie auf unterschiedlichste Arten getötet oder vemeindlich betäubt. Eins der gängigsten Verfahren ist die Tötung mittels Elektroschock. Hierbei wird den Tieren ein metallener Bolzen in den Mund und After eingeführt und dann Strom eingeleitet. Der Tod ist qualvoll und tritt in aller Regel nicht beim ersten Versuch ein. Weitere Tötungsmechanismen sind Ersticken, Erschlagen und Tötung in kochendem Wasser. Um die Haut abzuziehen werden die Tiere aufgehängt und der Pelz von der Haut abgezogen. Nicht selten werden Tiere auch gänzlich unbetäubt gehäutet und leben dann noch mehrere Minuten unter größtmöglichen Schmerzen ohne ihr Fell. Wer diese Bilder einmal gesehen hat, der vergisst sie nie wieder. Bei Interesse könnt ihr entsprechende Suchbegriffe bei einer Internet-Suchmaschine eurer Wahl eingeben und bekommt unzählige Treffer.

Die Felle sind natürlich so noch nicht für die weitere Verarbeitung geeignet, sondern werden zu umliegenden Gerbereien transportriert, in denen das an der Innenseite des Pelzes haftenede organische Gewebe, wie etwa Fett des Tieres, abgeschabt wird und dann mit scharfen Chemikalien behandelt wird. Nach einer Trocknung werden die Pelze dann in weiteren Fabriken gekämmt und zurechtgeschnitten.



Welche Folgen hat die Pelzproduktion?

Abgesehen von der Folge, dass für die Produktion von Pelz Millionen Tiere leiden und sterben, gibt es auch ökologische und gesundheitliche Auswirkungen. Viele der Pelzfarmen und auch Gerbereien leiten ihr Abwasser unsachgemäß ab, wodurch Chemikalien und Exkremente der Tiere ins Grundwasser geraten und dieses verschmutzen. Die Arbeiter*innen in den Gerbereien und Pelzverarbeitungsfabriken arbeiten oftmals in unbeheitzten Hallen, atmen dabei kleinste Härchen ein, die aus dem Fell gekämmt werden und sind weiteren gesundheitlichen Risiken durch die veschiedensten Chemikalien ausgetzt. Durch diese unterschiedlichen Chemikalien kann auch das sogenannte Chrom 6 entstehen, welches auch in den importierten Pelzstücken noch nachweisbar ist und das in Deutschland für die Entstehung der meisten Kontaktallergien verantwortlich ist.

 

Aber es gibt doch Pelzlabel!?

1.(1)Stimmt! Die Fellbranche hat sich gleich zwei Label ausgedacht, die der / dem Verbraucher*in ein gutes Gewissen beim Pelzkauf bescheren soll. Das sogenannte OA-Label wird dabei unterteilt in „Origin Assured Farmed Fur“ und „Origin Assured Wild Fur“ (zu dt.: „Herkunft gesichert/bestätigt von einer Pelzfarm oder aus Wildfang“). Man soll sich gut fühlen beim Kauf, hier wird ein kontrolliertes Produkt verkauft, es geht mit „rechten Dingen zu“. Pustekuchen! Das selbst auferlegte Label soll Vetrauen schaffen und Transparenz. Tatsächlich gibt es aber auch hier keine unabhängigen Kontrollen, das heißt, es gibt für die Pelzfarmer*innen oder Trapper*innen auch keinerlei negative Konsequenzen beim Verstoß.

„In China ist es eh am Schlimmsten mit der Tierhaltung.“

Selbstverständlich sollte diese Tatsache nicht auf eine rassistischen Argumentation hinauslaufen, die ich regelmäßig und vor allem in Verbindung mit Pelz höre und lese. Klar, die Gesetzeslage in anderen Ländern ist sogar noch schlechter als hierzulande, aber vergesst niemals die dunklen Hallen, in denen auch hier vermeindliche „Nutztiere“ ihr trauriges Dasein fristen! Auch bei Pelz: guckt euch nur mal um auf der Straße! „Wir“ geben diese Grausamkeiten durch den Überflusskonsum ja in Auftrag, dann mit dem Zeigefinger alle Schuld von sich zu weisen ist sicherlich nicht der richtige Ansatz.

Was kann ich tun?

Mach dich stark für die Lebewesen, die für diese Grausamkeiten leiden und sterben. Ganz wichtig und vorrangig: Kauf keinen Echtpelz, auch keinen Besatz. Es liegt nahe, von nun an einfach auf Kunstfell zurückzugreifen, aber bedenke: dadurch hälst du den Trend „Pelz als Modestück“ weiter aufrecht und da andere Menschen deinen Kragen nicht von einem echten Fellkragen unterscheiden können, werden sie sich ihrer Entscheidung Pelz zu tragen, durch dich bestärkt fühlen.

Natürlich kannst du außerdem Freund*innen und Familie über dieses Thema informieren und dich auf Demos stark machen. Unterm Strich geht es ja vor allem um Bewusstsein über die schrecklichen Bedingungen in der Pelzindustrie und die Gewissheit, dass tierleidfreier Pelz nicht existiert!

>> Wie siehst du das Thema Fell / Pelz?

 

14 Kommentare

  1. portapatetcormagis sagt

    Vielen Dank für den toll recherchierten Beitrag.
    Ich verstehe tatsächlich nicht, was alle an Pelz finden. Man sollte glauben, dass inzwischen jeder weiß, was da dahinter steckt.

    • Vielen lieben Dank! Ja, das sollte man meinen… Aber solange das Tier „artgerecht“ gehalten wird – und die meisten Menschen gehen nach wie vor davon aus, das ALLES tierische, was in Deutschland gekauft werden kann untr guten Bedingungen gelebt hat – solange passt es für die meisten Menschen auch.. Traurig, aber wahr.

      • portapatetcormagis sagt

        Das halte ich für sehr naiv. Man braucht sich doch nur mal die verschiedenen Fleischskandale der letzten Jahr anzuschauen.
        Das muss man doch schon bewusst verdrängen.

      • portapatetcormagis sagt

        Naja, ich nehm mich da selber nicht aus – für andere Bereiche

      • 🙂 Klar, das geht mir auch so. Ist immer Arbeit an sich selbst – aber das ist ja auch toll und wichtig!

  2. Pingback: Pelz: Grausamkeit im Trend — minimal-vegan.com | Schickes und Schönes

      • It did, but google translate doesn’t add grammar, verb, etc, it only translates word by word so it was pretty funny actually!

      • Haha ^^ Okay…! I have an english blog as well.. but I don’t have as much content on it. I thought about translating the whole thing but I am so busy with keeping this one updated… I just can’t handle two ;D I am happy you liked it! Thank you again and have a great day!

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