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Feng Shui: Karen Kingston, du hast mein Chaos ruiniert!

Karen Kingston, du hast mein Chaos ruiniert oder wie mich Feng Shui inspiriert hat, mein Leben aufzuräumen.

Feng Shui? Alles von vorne…!

Eine der wichtigsten Lektionen meines Lebens habe ich mit 15 im Matheunterricht erhalten. Der Mathelehrer sah eine ganze Weile zu, wie ich hektisch mein Ringbuchchaos nach meinem Arbeitsblatt vom letzten Mal durchwühlte. Ich fand es nicht. Er zeigte auf die Loseblattsammlung und sagte: „Und ich glaube, genau so sieht es auch in deinem Kopf aus“. Damals kamen seine Worte nicht wirklich bei mir an, in meinem Kopf sah es nämlich tatsächlich genau so aus, und Platz war nur für Musik und irgendwelche Jungs, aber heute höre ich ihn das immer noch sagen, wenn sich in irgendeinem Bereich meines Lebens Unordnung manifestiert. Aber es sollte noch etwas dauern, bis ich zwischen der Unordnung in meinen Wohnräumen und den Baustellen in meinem Leben einen Zusammenhang sehen würde.

Eines Tages erzählte mir eine Kollegin, als wir nach dem Service hinten im Flugzeug herumsaßen und auf die Landung warteten, von einem Buch, das sie gerade gelesen hatte. „Dieses Buch hat mein Leben verändert“, schwärmte sie. „Nicht nur, was Aufräumen betrifft, sondern alle möglichen Lebensbereiche.“ Das Buch war „Feng Shui gegen das Gerümpel des Alltags“ von Karen Kingston und ein paar Tage sprang mir genau das Buch auf dem Flohmarkt ins Auge. Ich kaufte es für 50 Cent. Den Rest des Nachmittags verschlang ich die 200 Seiten. Das Chaos von Teenagern sei normalerweise ihr inneres Durcheinander, das auf dieser Ebene sichtbar wird, las ich unter anderem darin. Ich war mit Ende Zwanzig noch Teenager und langsam an dem Punkt, wo es mir selber auf die Nerven ging. Wir seien durch energetische Fäden mit unseren Sachen verbunden und wenn unsere Sachen durcheinander geraten, verheddern sich diese Fäden und bringen Stress und Verwirrung in unser Leben, erklärt Karen Kingston. Ich wollte jetzt aber endlich Ordnung und Klarheit. Ich fing also Zimmer für Zimmer an, meine Wohnung und mein Leben aufzuräumen.

Was bedeutet Feng Shui denn jetzt eigentlich?

Übersetzt bedeutet Feng Shui Wind und Wasser, und es handelt sich um eine jahrtausendealte chinesische Wissenschaft, die in Ostasien sehr verbreitet ist und auch in westlichen Ländern immer mehr Freunde findet.

Es geht darum, Wohnräume so zu gestalten, dass das Chi, eine Art Fluss positiver Energien, gestärkt, und die hemmenden Energien eingeschränkt werden, und auf diese Weise Glück, Erfolg, Gesundheit und Wohlstand ins Leben einzuladen.

Wenn man einen klassischen Feng Shui Experten zu Rate zieht, kommt dieser mit einem komplizierten Kompass. Das passiert vor allem, wenn Häuser geplant, gebaut, gekauft und eingerichtet werden. In Singapur ist das selbstverständlich. Auch bei uns gibt es inzwischen diese Möglichkeit, und sollte ich jemals eine neue Wohnung in Betracht ziehen, werde ich einen Feng Shui Experten mitnehmen. Aber man kann auch mit etwas Grundwissen und einfachen Maßnahmen selbst viel ausrichten, auch in einer kleinen Mietwohnung, mit Hilfe eines Bagua.



Das Feng Shui Bagua

Das ist eine Art Energielandkarte, mit der der Grundriss der Wohnräume in Bereiche unterteilt wird, die für die jeweiligen Lebensbereiche stehen: Wohlstand, Ruhm, Beziehungen, Familie, Gesundheit, Kreativität/Kinder, Wissen, Karriere und Hilfreiche Freunde. Wenn es in einem Lebensbereich nicht läuft, sollte man sich die zugehörigen Bereich sowohl in der ganzen Wohnung, als auch in den Räumen ansehen, in denen man viel Zeit verbringt.

Für das klassische Feng Shui braucht man einen Kompass, um diese zu bestimmen. Es gibt aber auch eine westliche Variante, die ist sehr einfach anzuwenden. Hier spielt nur eine Rolle, wo sich die Eingangstür befindet. Da wird das Bagua angelegt:

Bagua Feng Shui.png

Also angenommen, ich bin schon lange Single und hätte gerne einen Partner. Wie sehen die Beziehungsbereiche in den wichtigsten Zimmern und in der ganzen Wohnung aus – also hinten rechts von der Tür aus betrachtet – und was steht dort? Welche vielleicht unerwünschte Symbolik könnten die Dinge haben? Ein kaputter Spiegel? Eine tote Pflanze? Bilder mit negativen Motiven? Ein Bett oder eine Sitzgelegenheit für nur eine Person? Was steht im Schlafzimmer? Staubiger Heimtrainer, auf dem sich Klamotten türmen, Schreibtisch mit Papierchaos? Kisten, von denen man gar nicht genau weiß, was drin ist? Was sagt das über meine Bereitschaft aus, mich auf eine Partnerschaft einzulassen? Auch Farben und Elemente spielen eine Rolle, wenn man den Energiefluss in dem jeweiligen Bereich verstärken will.

Eines der größten Feng Shui Probleme ist aber Gerümpel. Es blockiert die Energien, sorgt für Chaos und Stillstand im Leben. Ihr habt hier auf Alinas Blog sicher schon den Leitfaden zum Minimalisieren entdeckt und hochmotiviert ausgemistet und aufgeräumt oder seid zumindest wild dazu entschlossen. Ich kann mich nur anschließen: weg mit dem Krempel: verkaufen, verschenken, entsorgen! Ihr werdet ihn nicht vermissen. Ihr werdet euch freuen über den Platz und die neuen Sachen, die dafür in euer Leben treten.
Oh, und was steht eigentlich im Keller? Laut dem Buch symbolisiert er Vergangenheit und Unterbewusstsein. Den sollte man sich vielleicht auch mal vorknöpfen.

So setze ich Feng Shui um

Als ich angefangen habe, mich mit dem Thema zu beschäftigen, hatte ich nicht mal ein Schlafzimmer. Ich hatte das Bett ins Wohnzimmer gestellt, weil das kleine Zimmer an der Hauptstraße zu laut war. Nicht, dass es bei mir extrem unordentlich oder schmutzig war, aber ich war etwas wischiwaschi und handwerklich nicht sehr geschickt, und was kaputt ging, war dann halt kaputt. Das Wohnzimmer sah ganz gemütlich aus, aber das kleine Zimmer stand voller Zeugs, inklusive altem kaputtem Fernseher, und der Wäscheständer immer mittendrin, voller Klamotten, die ich auch nie wegräumte, sondern irgendwann anzog. Sah ja keiner. In dem Bereich, der laut Bagua nicht nur der Beziehungsbereich des Zimmers, sondern auch der der ganzen Wohnung war, standen meine Koffer! Autsch. Dass meine Beziehungen nirgendwo hinführten, wundert jetzt wahrscheinlich niemanden, und ich fing endlich an, mich mit dieser Baustelle auseinanderzusetzen.

Schritt für Schritt ließ ich Lärmschutzfenster einbauen, einen schönen Boden verlegen, strich die Wände in einem beruhigenden hellgrau, kaufte einen schönen Teppich und Verdunkelungsvorhänge und stellte mein Bett in den Beziehungsbereich, mit zwei Kissen, guter Bettwäsche, schöner Tagesdecke, zwei Nachtschränkchen und zwei Lampen. Und ich mistete natürlich richtig aus und brachte endlich den kaputten Fernseher und eine Menge anderes Gerümpel zum Recyclinghof. Ausserdem kaufte ich mir einen riesigen Kleiderschrank, in dem jetzt alles seinen Platz hat. Für ein Ordnungssystem im Schrank empfehle ich übrigens die japanische Aufräumexpertin Marie Kondo. Sie hat auch einen Youtube-Kanal.

Nach und nach wurde meine ganze Wohnung „fengshuit“. Allein schon, dass ich so viel Zeit, Energie und Geld investierte, um ein schönes Zuhause zu erschaffen, führte mir vor Augen, dass ich wirklich keine Lust mehr hatte, ein chaotischer Teenager zu sein und andere chaotische Teenager zu daten. Zaubert ein einladendes Zuhause jetzt plötzlich einen passenden Partner herbei? Naja, die Augen aufsperren muss man schon noch selber. Aber die Chancen, diesem zu begegnen, steigen um einiges, wenn man ausstrahlt, dass man Platz für ihn hat, dass ein eigenes Kissen in einem schönen Zuhause auf ihn wartet. Bei mir hat es funktioniert.

Und was ist mit dem vielgelobten kreativen Chaos? Kreative Leute können auch im Chaos kreativ sein, aber ich bin in einer aufgeräumten Umgebung und mit einer abgehakten To-Do-Liste noch wesentlich kreativer, vor allem kann ich strukturierter denken und bin dadurch produktiver.

Heutzutage bin ich regelmäßig am aufräumen, ausmisten und putzen. Was kaputt geht, wird sofort repariert oder erneuert. Es ist mittlerweile eine sehr überschaubare Aufgabe, sogar eine Art Meditation. Und Bewegung hat man auch gleich noch. Putzen bringt gute Energie, sagte ein Freund, der in Indonesien aufgewachsen ist, neulich ganz selbstverständlich zu mir. Dort weiß das jeder.

Space Clearing befreit- auch, wenn ich mich dabei erst komisch fühle

Tatsächlich mache ich manchmal sogar ein Space Clearing nach der Anleitung in dem Buch von Karen Kingston, wenn ich mich in meinen Wohnräumen über irgendetwas aufgeregt habe, um die schlechte Energie zu vertreiben. Ich komme mir durchaus etwas komisch vor, überall zu klatschen, Glöckchen zu läuten, Blumen aufzustellen, Wasser zu sprenkeln und Schutzschilder aufzuziehen usw. aber wenn ich das nächste Mal in meine Wohnung komme, kann man hier plötzlich so tief durchatmen. Und alles wirkt irgendwie neu. Einigen ist das jetzt vielleicht jetzt zu abgehoben, aber mir gefällt das.

In meiner Wohnung und meinem Leben fühle ich mich jetzt sehr wohl. Ich weiß genau, was ich alles habe und wo die Sachen sind, und vor allem habe ich nur noch Sachen, die ich wirklich haben will. Was nicht mehr zu mir passt, kommt weg. Und genau so fühlt sich jetzt auch mein Kopf an: Aufgeräumt und mit Platz für Neues. Ein sehr gutes Gefühl.

Ich habe mich zwar viel mit dem Thema beschäftigt, bin aber keine ausgebildete Feng Shui Expertin. Wer sich dafür interessiert und tiefer in die Materie eintaucht, dem wird sich ein Riesenpanorama öffnen. Es gibt natürlich unzählige Bücher über das Thema, die teilweise sehr unterschiedliche Strömungen vertreten, aber ich persönlich empfehle Karen Kingstons Buch „Feng Shui gegen das Gerümpel des Alltags“ als guten Einstieg.


Nina- ich bin begeistert von diesem wunderbaren Artikel und dem Einblick, den du mir und meinen Leser*innen in Feng Shui gewährt hast. Von Feng Shui wusste ich bislang wirklich absolut nichts!

Wenn ihr, liebe Leser*innen, genauso wild auf Ninas Blog fly me to the vegan buffet seid, wie ich, dann schaut da unbedingt vorbei und lasst euch von ihrer veganen Kochkunst und ihren Reisetipps verzaubern! Kennengelernt habe ich Ninas Arbeit übrigens auf ihrem Instagramprofil, auf dem sie regelmäßig ihre neusten Kreationen präsentiert. Wenn ihr eher auf Facebook unterwegs seid; kein Problem- auch dort ist Nina mit ihrem Blog vetreten!

Nina hat bereits am Projekt: „Mein Veg- darum lebe ich vegan!“ teilgenommen, dort erzählt sie, warum und seit wann sie vegan lebt und was ihre allerbesten Tipps für vegane Neulinge sind!

Noch einmal vielen Dank, liebe Nina!

Seid gut zu euch!

~ Alina



2 Kommentare

  1. Ein Super-Blogbeitrag, Alina.
    Ja, die Chinesen bzw. überhaupt die Asiaten sind uns in einigen Dingen wohl weit voraus.
    Achtsamkeit, Mediation, TCM, Feng Shui uvm. … wir Europäer können von der asiatischen Lebensphilosophie wirklich einiges lernen.
    Ich merke mittlerweile auch, dass loslassen und ein Wechsel Richtung Minimalismus gar nicht so einfach ist.
    Sehr viel kann man auch von und in der wunderschönen Natur lernen.
    Danke für den Buch-Tipp.
    Genial finde ich diese Weisheit: „Putzen bringt gute Energie“.

    • Alina sagt

      Vielen Dank für die lieben Worte! 🙂
      Ich finde auch, der Gastbeitrag ist unheimlich schön geworden und ich bin sicher, Nina freut sich sehr über deine Rückmeldung! Für mich war das auch der erste Kontakt mit Feng Shui!
      Du hast absolut recht; die Natur ist Vorbild von allem! <3 Die gibt einfach SO viel Power!
      Liebste Grüße,
      Alina

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