Tiertransporte: Billiges Fleisch hat seinen Preis

Ein Beitrag über das Grauen Tiertransporte von Kai, der dazu für seine Bachelorarbeit recherchiert hat und sich seit vielen Jahren aktiv für Tierrechte einsetzt.

„Moin, Moin!“ grunzt das lachende Schwein mit der Sonnenbrille. Daneben eine Kuh, die entspannt auf der Sonnenliege ein Glas Milch schlürft.

Solche zynischen Aufdrucke findet man häufig auf den Rückseiten von Tiertransporten. Die Realität ein paar Meter weiter vorne, sieht jedoch ganz anders aus: traurige, verängstigte und hoffnungslose Individuen, die nie Liebe oder eine Wiese gespürt haben.

Schaut man durch die Luken, ist man wie in einer anderen Welt.

Alle anderen Probleme scheinen auf einmal so klein.

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Kai dokumentiert gemeinsam mit weiteren Aktivist*innen der Gruppe Leipzig / Halle Animal Save den Zustand der Tiere nach ihren oft Stunden dauernden Transporten bis zum Schlachthof und schenkt ihnen einen kurzen Moment Respekt und Mitgefühl vor dem, was sie im Inneren des Schlachthofs erwartet.

Die Thematik Tiertransporte sogenannter „Nutztiere“ sollte mich dann durch meine Bachelorarbeit beschäftigen, was sie auch noch lange Zeit nach meiner Bearbeitung tat. Ich hatte ein wenig Sorge, dass es mir durch die vielen aufgesuchten Mahnwachen mit The Save Movement schwer fallen würde, objektiv zu bleiben. Das fiel mir jedoch überraschend leicht. Ich dachte mir nur noch ab einem Zeitpunkt, wie ich es schaffen könnte, diese ganzen nicht zufriedenstellenden gesetzlichen Regelungen so zu erläutern, damit auch der*die letzte Leser*in selber erkennen würde, dass die nicht genug sind.

Zu Beginn fiel mir sofort auf, dass es ein sehr literaturarmes Gebiet ist. Zum Straßenverkehr in Deutschland gibt es fast zu jeden erdenklichen Themenfeld Unmengen an Literatur. Bei dem einzigen Themenfeld, in dem nichtmenschliche Lebewesen transportiert werden, jedoch vergleichsweise sehr wenig. Vielleicht liegt es daran, dass es zu Beginn ein sehr unübersichtliches Thema ist. Die Transporte werden oft unterschieden. Viele nationale als auch eine europäische Verordnung spielen eine Rolle. Des Weiteren gibt es, wie bei fast jedem deutschen Gesetz, Unmengen an Ausnahmen.

Nachdem ich mich mit den gesetzlichen Vorgaben beschäftigt hatte, stellte sich mir immer öfter die Frage, inwiefern das jetzt die Tiere schützen soll, wie es der Name der Tierschutztransportverordnung (TierSchTrV) oder der europäische Verordnung zum Schutz von Tieren bei Transporten (EU (VO) Nr. 1/2005) eigentlich erahnen lassen soll. Viele Tiere erkranken und sterben gerade durch und während des Transports. Vor allem die sogenannten Langstreckentransporte erhöhen die Mortalitätsrate. Millionen von Tieren werden bei den Langstreckentransporten außerhalb der EU transportiert, hauptsächlich in die Türkei und Nordafrika. Dort werden die Tiere von keinem Gesetz geschützt. Kontrollen sind daher nicht mehr möglich. Insgesamt fiel mir auf, dass viele Regelungen sehr schwammig sind.

Die Verordnungen geben vor, dass verletzte Tiere als transportunfähig gelten. Für leicht verletzte und leicht kranke Tiere gilt das jedoch nicht.

Des Weiteren sind in den Verordnungen keine exakten Flächenvorgaben pro Tier angegeben. Die Angaben beziehen sich stattdessen auf die Fläche pro Gewichtskategorie. Sogenannte „Geflügeltiere“ müssen in Transportbehältnissen transportiert werden, die man sich wie große, meist gelbliche, Plastikboxen vorstellen kann. Diese werden dann solange neben- und übereinander gestapelt, bis der Transporter voll ist. Die Boxen sind gesetzlich festgelegt sehr niedrig, so dass die Luft nicht zirkulieren kann. Weiterhin können die Tiere darin nur gebeugt hocken und nicht aufrecht stehen. Die ausgestoßenen Exkremente fließen von den oberen auf die unteren Tiere.

Es gibt in allen Bereichen viele Kritikpunkte, von denen ich einige in Kurzform erwähnen möchte. Während des Transports erfordern die Fahrbewegungen für die Tiere einen ständigen Kraftaufwand, um das Gleichgewicht zu halten. Mast- und Schlachttiere aus der Intensivtierhaltung verfügen nicht über eine ausreichende Muskelmasse, solche Anstrengungen überhaupt auszuhalten. Diese Tiere sind daher schnell erschöpft.

Ein weiterer Kritikpunkt ist der erlaubte Einsatz von Stromstößen beim Be- und Entladen. Grundsätzlich soll der Einsatz von Stromstößen vermieden werden. Wenn ausgewachsene Tiere jedoch die Fortbewegung verweigern, dürfen Stromstößen für maximal eine Sekunde an der Muskelpartie des Hinterviertels verabreicht werden. Das lässt sich in der Praxis nicht oder schwer kontrollieren und erhöht nur noch unnötig den schon zu hohen Stress der Tiere.

Lange Wege, langes Leiden.

Der wohl bekannteste Kritikpunkt ist die erlaubte Transportzeit.

Eine höchstzulässige Gesamttransportdauer ist gesetzlich nicht vorgesehen, so dass bei Einhaltung der Ruhezeiten ein Transport praktisch ohne zeitliche Begrenzung erfolgen kann.

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Kai demonstriert mit Aktivist*innen des Leipzig / Halle Animal Save für ein Ende der kommerziellen Tierausbeutung, hier vor dem Schlachthof in Weißenfels.

Stell dir am besten deine längste Autofahrt vor. Tausche den Sitzplatz mit einem festen metallartigen Stoff aus, darauf noch Exkremente. Der Grund und die Länge der Fahrt ist dir unbekannt. Neben dir befinden sich weitere Menschen, von denen du die meisten noch nie gesehen hast. Einige von denen greifen dich ständig an und verletzten dich. Es gibt keinen Sicherheitsgurt und du rutschst dauerhaft zwischen den Sitzen hin und her. Essen gibt es ebenfalls nicht. Die Fenster im Auto sind dauerhaft geöffnet, egal welche Witterung. Du kannst nicht sehen, was vor dir kommt und welche Fahrbewegung der Fahrer als nächstes durchführt. Neben dir übergeben sich die Menschen, ein paar liegen sogar im Sterben. Das musst du jetzt für eine unbegrenzte Zeit aushalten. Ich glaube jeder kann sich gut vorstellen, was das für eine Höllenfahrt ist.

Natürlich könne gesagt werden, dass noch kein Gesetz perfekt entstanden ist und daran über Jahre gearbeitet werden muss. Jedoch scheint die Umsetzung des jetzigen Gesetztes nicht einmal eine große Rolle zu spielen.

Gerade einmal 1 % der Tiertransporte in Deutschland werden überhaupt kontrolliert.

Die Transporte, die einer Kontrolle unterzogen werden, weisen in der Regel enorme Beanstandungen auf. Kommt es zu strengen Kontrollen, umfahren viele Transportunternehmen gezielt bestimmte Regionen. Die Strafe und die Dauer der Kontrolle schaden dem Unternehmen mehr, als die zusätzlichen Spritkosten.

Positiv betont werden kann aber eine Nichtregierungsorganisation, die ich durch die Bachelorarbeit erst kennengelernt habe. Die NGO Animals Angels setzt ihren Schwerpunkt komplett auf Tiertransporte. Sie führen, falls möglich, eigenständige Kontrolle durch und dokumentieren Missstände und bringen diese zur Anzeige. Bei Bedarf schult Animals Angels die Polizei oder andere Behörden. Dieses Konzept läuft zur Zeit in mehreren Ländern auf der ganzen Welt und stellt einen guten Schritt in die richtige Richtung dar, ersetzt aber keinesfalls häufigere ganzheitliche Kontrollen und strengere gesetzliche Regelungen.

Die oben genannten Vorschriften resultieren ursprünglich aus dem Grundgedanken, das „Tierwohl“ durch bestimmte Festlegungen zu verbessern.

Die Vorgaben sind jedoch nur darauf ausgelegt, die Tiere möglichst lebend am Zielort anzubringen, um sie dort dann schließlich zu töten oder auszubeuten.

Ein gewisser „Verlust“ durch die Transporte wird dabei von den Unternehmen hingenommen. Deutlich wird das, weil die Unternehmen Mortalitätsraten bei Geflügeltieren und Schweinen im unteren zweistelligen Bereich bereits vorher einkalkulieren.

Doch was kannst du tun? Auch wenn die meisten Verstöße „nur“ Ordnungswidrigkeiten sind, die nach pflichtgemäßen Ermessen verfolgt werden können, solltet ihr immer, wenn ihr einen Tiertransporter entdeckt, der augenscheinlich starke Unregelmäßigkeiten aufweist, die Polizei oder, zu Öffnungszeiten, das zuständige Veterinäramt kontaktieren. Um dieses System gar nicht erst zu unterstützen, solltest du vegan leben.


Bock mitzumachen?

Du möchtest selbst an einer Aktion des Animal Save Movement teilnehmen um auf die Zustände in Tiertransportern aufzuklären und dir ein eigenes Bild vom Zustand der Tiere zu verschaffen? Per Suchmaschine findest du mit den Begriffen „Animal Save Movement“ + deinem Wohnort (falls ländlich: größere Stadt in der Nähe) sicherlich ein passendes Chapter.

Aus eigener Erfahrung empfehlen kann ich dir die Animal Save Movement Chapter Leipzig / Halle, Chemnitz und Dresden. Hier kannst du mich, Kai und viele weitere nette Aktivist*innen regelmäßig treffen!

Auch wenn du nicht teilnehmen kannst freuen sich die Orgas über ein Facebook-Like, um die eigene Reichweite zu erhöhen. Tausend Dank!

 

Interview mit den Gründerinnen des Chemnitz Animal Save

Liebe Marlene, liebe Diana, bitte erzählt uns doch ein wenig über euch, damit wir uns ein Bild von euch machen können.

Marlene: Ich bin 22 Jahre alt und lebe seit über 3 Jahren vegan. 2017 bin ich aus Leipzig zum Studieren nach Chemnitz gezogen. Ich mache super gerne morgens Yoga und esse danach Pancakes. 😀

Diana: Ich bin 28 Jahre alt und lebe und arbeite in Chemnitz. Ich lebe seit 4 Jahren vegetarisch und seit 2 Jahren vegan. Ich koche gern und mache auch Yoga.

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Ein Blick sagt mehr als tausend Worte. Für die Aktivist*innen des Animal Save Movements ist es wichtig, dass die Tiere in ihren letzten Minuten Zugewandheit und Respekt erfahren.

Wie seid ihr dazu gekommen, euch aktiv für Tierrechte einzusetzen?

Marlene: Ich habe mal auf einer Kuhfarm gearbeitet und musste dort den ganzen Tag die Kühe melken. Es war erstmal ein großer und immens wichtiger Schritt für mich, die Sinnlosigkeit der Tiernutzung anzuerkennen. Bis ich überhaupt aktiv geworden bin, hat es dann nochmal fast 2 Jahre gedauert.  Vegan sein ist in meinen Augen eine passive Form des Widerstands, dabei ist es umso wichtiger, mehr Menschen die Augen zu öffnen!

Diana: Zunächst habe ich mich auf eine pflanzenbasierte Ernährung umgestellt, weil ich gesünder leben wollte. Dabei waren Youtuber und Blogger eine wichtige Informationsquelle. Dadurch bin ich auch auf das Thema Tierrechte aufmerksam geworden. Wenn man sich mit dem unnötigen Leid der Tiere beschäftigt, kann man schnell verzweifeln und verbittern. Also war es für mich eine logische und notwendige Konsequenz mich für die Tiere einzusetzen.

Ich wünsche mir selbst, dass jemand mich früher über die Tierrechte und darüber wie unkompliziert eine vegane Lebensweise realisierbar ist, aufgeklärt hätte.

Über den Aktivismus habe ich dann Marlene kennengelernt und wir beide wollten gern eine Save-Gruppe gründen.

 

Die Tierschutzgruppe, die ihr beiden mitgegründet habt, ist eine Ortsgruppe des Animal Save Movements. Was sind die Grundsätze dieser Gruppe und warum habt ihr euch für sie als Schirmgruppe entschieden?

Marlene: Unser Aktivismus ist liebebasiert. Das bedeutet, dass unser Aktivismus sich nicht gegen LKW-Fahrer*innen oder Schlachthausmitarbeiter*innen richtet, sondern gegen das gesamte auf Ausbeutung und Unterdrückung aufbauende System.

Es geht darum, das Leid der Tiere zu bezeugen, es durch die sozialen Medien zu verbreiten, sozusagen als „Wake up call“.

Die Gemeinschaft, die sich dadurch bildet, ist sehr stark. Es ist natürlich, bei einer Mahnwache zu weinen – und unbezahlbar, durch die Gemeinschaft aufgefangen zu werden.

Diana: Es geht darum zu zeigen, dass sich sogenannte Nutztiere in ihrem Wesen nicht von unseren Haustieren unterscheiden. Sie zeigen deutliche Anzeichen von Angst und Neugier und sind liebebedürftig wie z.B Hund und Katze. Der Schlachthof ist kein Ort, an dem ich mich gern aufhalte. Aber die direkte Anteilnahme an der auswegslosen Situation der Individuen auf den LKWs, bewegt viel in der eigenen Innenwelt. Das sind oft ein großes Mitgefühl, Trauer und Wut. Wer die traurigen Augen eines Schweines sieht, versteht dass er nicht nur eine Wurst isst, sondern Jemanden.

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In den Transportern stehen die Tiere meistens dicht aneinander.

Hauptbestandteil eures Wirkens sind ja die sogenannten Vigils (zu deutsch: Mahnwachen)- was genau kann ich mir darunter vorstellen?

Marlene: Wir postieren uns entlang der Zufahrtsstraße zum Schlachtbetrieb, wo wir mit Transparenten, Plakaten und Kerzen die LKWs erwarten. Hält ein LKW an, so treten wir an ihn heran und verbringen einige Minuten mit den Tieren oder filmen sie.
Die Mahnwachen kündigen wir vorher auf Facebook an, im Schnitt sind wir so 10-15 Menschen. Bei unserer Weihnachtsmahnwache waren wir allerdings 60 Menschen! Das war der Wahnsinn.

Diana: Wir sind darauf angewiesen, dass die LKW-Fahrer sich 2-3 Minuten Zeit nehmen und für uns anhalten. Auch wenn es manch Einen irritieren mag, dass wir freundlich winken und Peace-Zeichen machen, so gehen wir respektvoll mit allen Fahrern und Mitarbeitern um. Wir haben so die Chance möglichst viele Individuen auf den LKWs zu sehen und wir möchten ein friedliches Zeichen setzen.

Was gibt es bei der Teilnahme an einem eurer Vigils zu beachten?

Marlene: Am wichtigsten ist es, ruhig zu bleiben. Die Tiere befinden sich stundenlang in dem engen Tiertransporter, und wir wollen ihre Nerven nicht noch mehr strapazieren. Vielleicht verspürt man das Bedürfnis, die Hand durch die Luke zu stecken – das ist jedoch unerwünscht, da so ganz leicht Krankheiten übertragen werden können.

Diana: Es gibt zu Beginn jeder Mahnwache ein sogenanntes Briefing, bei dem die wichtigsten Punkte erklärt werden. Wer später dazukommt oder zum ersten Mal bei der Aktion dabei ist, meldet sich am Besten bei den Organisatorinnen. Gern könnt ihr uns auch vor der Mahnwache anschreiben und eure Fragen loswerden. Wir freuen uns immer über neue Teilnehmer*innen.


Tausend Dank für das tolle Interview liebe Diana und Marlene!

Und euch, lieben Leser*innen, die jetzt ganz hibbelig und vor Motivtion beinahe platzend auf dem Stuhl sitzen, kann ich nur die Empfehlung aussprechen, sich bei der nächsten Mahnwache am 22.03.19 in Altenburg gemeinsam mit mir, Diana, Marlene und einigen weiteren Aktivist*innen für Tiere stark zu machen! Kommt vorbei und werdet Teil einer tollen Truppe und einer guten Sache!

Mehr Infos zur nächsten Mahnwache findet ihr in der Veranstaltung auf Facebook.

Außer der Teilnahme an einem Vigil freuen sich die Aktivist*innen vom Animal Save Movements Chemnitz auch über ein Like auf ihrer Facebook-Seite und einem Follow auf Instagram. Spread the love!

Seid gut zu euch!

~ Alina

 

Tierrechtsaktivismus – Kämpfen für die Rechte der Ungehörten

Wer vegan lebt, tut dies in aller Regel primär um die massenhafte Tierausbeutung auf allen Ebenen zu unterbrechen. Oftmals stellt sich nach kurzer Zeit trotz aller Bemühungen, sich ohne Tierprodukte zu ernähren, kleiden und pflegen, ein Gefühl der Ohnmacht gegenüber dem Leid ein, welches tausenden Lebewesen, allein in Deutschland, täglich widerfährt. In diesem Interview steht mir Justin von vegan-utopia.de Rede und Antwort: er macht sich mit Tierrechtsaktivismus seit vielen Jahren stark für unsere tierischen Mitgeschöpfe und erzählt uns hier mehr über sich und seine Arbeit im Tierrechtsaktivismus.

Hallo Justin! Vielen dank, dass du dir die Zeit für dieses Interview nimmst. Es wäre toll, wenn du dich erst einmal kurz vorstellen könntest.

Als allererstes möchte ich eine kleine Korrektur wagen. Ich sehe mich nicht als reiner Tierrechtsaktivist. Tierrechtsaktivist sein können viele; auch die Leute, die nicht vegan leben, können sich trotzdem für Tiere einsetzen.

Viel mehr sehe ich mich als Utopist. Klar liebe ich auch Tiere. Für mich ist die vegane Lebensweise viel mehr als reiner Tierrechtsaktivismus. Ich finde Veganismus ist auch eine alternative Gesellschaftsform.

In meiner Utopie einer idealen Gesellschaft finde ich Menschen, die den Planeten und ihre Mitgeschöpfe mit großer Sorgfalt behandeln und selbst nur das verbrauchen, was sie auch wirklich benötigen. Das heißt ich bin alles in einem: Vegan, Tierrechtsaktivist, Minimalist, Sozialist, Antirassist. Kurz gesagt: Utopist.

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Justin bei einem „Cube of Truth“ von Anonymous for the Voiceless

Wie bist du das erste Mal mit Tierrechtsaktivismus in Kontakt gekommen? Wann war für dich klar, dass du dich daran beteiligen möchtest?

Mit Tierrechtsaktivismus bin ich zum ersten Mal 2009 in Kontakt gekommen, als ich politisch in der Linksjugend aktiv gewesen bin. Ich hab mich zwar vorher schon entschieden vegan zu leben, aber so richtig Kontakt hat ich erst in der Linksjugend. Ab November 2017 war mir dann klar, dass mir eine vegane Ernährung einfach nicht reicht: ich konnte zwar Fortschritte in Hinsicht der Ausbreitung der veganen Lebensweise feststellen, aber sah ich auch ein, dass ich mich insgesamt zu wenig daran beteiligt habe. Deswegen entschied ich mich dann selbst aktiv zu werden und an verschiedenen Tierrechtsaktionen teilzunehmen. Auch sah ich es als Gelegenheit Kontakte zu anderen Veganern zu finden und damit mein veganes Netzwerk auszuweiten.

 

An was für Aktionen im Rahmen des Tierrechtsaktivismus beteiligst du dich konkret?

Bisher konnte ich an verschiedenen Tierrechtsaktionen teilnehmen. Darunter waren ein Cube von Anonymous for the voiceless, eine Kundgebung und eine Anti-Zirkus Aktion von ARIWA und auch verschiedene lokale Kundgebungen. Unter anderem das Werben für Veganismus im Karnevalsumzug und eine weitere Anti-Zirkus Aktion organisiert von einer lokalen Tierrechtsvernetzungsgruppe. Ich bin jederzeit offen dafür, mich an weiteren Aktionen zu beteiligen. Gerne auch quer durch Deutschland (ich schaue dann, wie ich dort hin finde). Auch an der Großdemonstration gegen das Schweinehochaus am 22. April in Maasdorf werde ich definitiv dabei sein.

Ich war übrigens auch an anderen Aktionen beteiligt, zum Beispiel habe ich mehrfach gegen Nazis demonstriert, war damals regelmäßig bei den Anti-AKW Demos dabei und habe mich auch am Bildungsstreik aktiv beteiligt.

Gäbe es für dich eine Form des Tierrechtsaktivismus oder generellem Aktivismus, zu der du persönlich nicht bereit wärst?

Zu Körperverletzung an andere Menschen bin ich nicht bereit. Ich finde die Frage nach der Bereitschaft ist auch eine Frage des Ermessens. Es gibt Dinge, die einen richtig wütend machen, wo man dann auch darüber nachdenkt eine Straftat zu begehen. Aber man sollte sich immer vor Augen halten, dass auf der anderen Seite auch nur Menschen stehen.

Aber wenn es zum Beispiel um Hausfriedensbruch geht, in einer Einrichtung, wo Tiere gequält werden, solche Aktionen kann ich nur befürworten und für mich ist es auch unverständlich, dass die aktuelle Koalition dies nun generell unter Strafe stellen will, auch wenn es sich um einen Notstand handelt.

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Quelle: ARIWA Braunschweig

Wie war es für dich, als du das erste Mal zu einer solchen, öffentlichen Veranstaltung gegangen bist? Hattest du davor Hemmungen oder sogar Sorgen?

Meine ersten Demonstrationserfahrungen sammelte ich damals im Bildungsstreik. Massive Stundenausfälle, Ausfall ganzer Unterrichtsfächer sorgten dafür, dass ich mich am Bildungsstreik aktiv beteiligen wollte. Leider war die erste Demo auch für mich ein Desaster.

Ich wurde direkt nach dem Durchmarsch durch ein Einkaufszentrum eingekesselt und verhaftet. Wir hatten damals unwissend eine Ordnungswidrigkeit begangen indem wir durch ein Einkaufszentrum marschiert sind. Aber dies sorgte auch dafür, dass ich mein Glauben an das System verloren habe.

Diese Verhaftung an meiner ersten Demonstration hat mich dazu ermutigt sämtliche weitere Aktionen aktiv mitzumachen. Klar hatte ich damals Hemmungen an einer Demonstration überhaupt teilzunehmen. Und als ich verhaftet wurde hatte ich sogar richtig Angst, aber als das alles vorbei war, war ich ehrlich gesagt wütend. Mehr dazu kann man übrigens HIER nachlesen.

Auf Aktionen von Tierrechtler*innen gibt es, gerade im öffentlichen Raum, nicht nur positive Reaktionen. Hast du damit Erfahrungen gemacht?

Es ist ehrlich gesagt unschön welche negativen Reaktionen manchmal kommen. Mir gegenüber ist jemand auch gewalttätig geworden: Es hat ihn gestört, dass ich mit dem Banner auf dem Bürgersteig stand also meinte er sich das Recht herausnehmen zu können, mich weg zu schubsen. Auch wurden Tierrechtlerinnen und Tierrechtler verbal angegriffen oder mit hirnrissigen Argumenten zu Tode diskutiert. Aber ich denke, dass es alles in allem im Vergleich zu anderen Aktionen doch sehr friedlich abläuft.

Bestimmt gibt es aber auch schöne Erfahrungen, oder?

Sicher, man lernt neue Menschen dabei kennen, man hat Spaß an der Sache. (Na gut manchmal muss man auch -20°C Kälte aushalten.) Aber man kann sich dabei unterhalten, man kann sich wirklich für etwas einsetzen, dass einem am Herzen liegt und man wird immer wieder in Unterhaltungen auch von Neugierigen verwickelt. Aktionismus ist für mich Pflicht und Hobby zugleich. Pflicht deswegen, weil ich es für notwendig halte. Hobby, weil es mir Spaß macht.

Wenn jetzt eine*r meiner Leser*innen auch richtig Lust bekommen hat, sich aktiv an solchen Verantstaltungen zu beteiligen, was wäre dein Rat zum genauen Vorgehen?

Es kann manchmal ziemlich beängstigend sein allein auf eine Veranstaltung zu gehen, am besten geht man das erste Mal mit jemand Bekannten zusammen, der die gleichen Interessen teilt. Aber auch allein sollte man trotzdem sofort hingehen. Du wirst schnell Leute finden, die dich praktisch „in die Familie“ aufnehmen, mit denen du dich unterhalten kannst und mit denen auch demonstrieren Spaß macht.

Einmal hab ich in einer Aktion den letzten Zug verpasst und hab dann bei den, den ich gerade erst bei der Demonstration kennengelernt habe dann mit in seinem Haus übernachtet.

Es sind einfach tolle Menschen. Du kannst deine Interessen vertreten und lernst gleichzeitig interessante Menschen kennen. Also kurz gesagt: Geh hin!

Vielen Dank für das ausführliche Interview und dein Engangement im Tierrechtsaktivismus, lieber Justin!

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Quelle: ARIWA Braunschweig

Gehst auch du auf Demos oder setzt dich anderweitig für die Rechte unserer Mitgeschöpfe ein?

Sei gut zu dir!

~ Alina

 

Tierrecht: Bilder

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