Interview mit den Gründerinnen des Chemnitz Animal Save

Liebe Marlene, liebe Diana, bitte erzählt uns doch ein wenig über euch, damit wir uns ein Bild von euch machen können.

Marlene: Ich bin 22 Jahre alt und lebe seit über 3 Jahren vegan. 2017 bin ich aus Leipzig zum Studieren nach Chemnitz gezogen. Ich mache super gerne morgens Yoga und esse danach Pancakes. 😀

Diana: Ich bin 28 Jahre alt und lebe und arbeite in Chemnitz. Ich lebe seit 4 Jahren vegetarisch und seit 2 Jahren vegan. Ich koche gern und mache auch Yoga.

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Ein Blick sagt mehr als tausend Worte. Für die Aktivist*innen des Animal Save Movements ist es wichtig, dass die Tiere in ihren letzten Minuten Zugewandheit und Respekt erfahren.

Wie seid ihr dazu gekommen, euch aktiv für Tierrechte einzusetzen?

Marlene: Ich habe mal auf einer Kuhfarm gearbeitet und musste dort den ganzen Tag die Kühe melken. Es war erstmal ein großer und immens wichtiger Schritt für mich, die Sinnlosigkeit der Tiernutzung anzuerkennen. Bis ich überhaupt aktiv geworden bin, hat es dann nochmal fast 2 Jahre gedauert.  Vegan sein ist in meinen Augen eine passive Form des Widerstands, dabei ist es umso wichtiger, mehr Menschen die Augen zu öffnen!

Diana: Zunächst habe ich mich auf eine pflanzenbasierte Ernährung umgestellt, weil ich gesünder leben wollte. Dabei waren Youtuber und Blogger eine wichtige Informationsquelle. Dadurch bin ich auch auf das Thema Tierrechte aufmerksam geworden. Wenn man sich mit dem unnötigen Leid der Tiere beschäftigt, kann man schnell verzweifeln und verbittern. Also war es für mich eine logische und notwendige Konsequenz mich für die Tiere einzusetzen.

Ich wünsche mir selbst, dass jemand mich früher über die Tierrechte und darüber wie unkompliziert eine vegane Lebensweise realisierbar ist, aufgeklärt hätte.

Über den Aktivismus habe ich dann Marlene kennengelernt und wir beide wollten gern eine Save-Gruppe gründen.

 

Die Tierschutzgruppe, die ihr beiden mitgegründet habt, ist eine Ortsgruppe des Animal Save Movements. Was sind die Grundsätze dieser Gruppe und warum habt ihr euch für sie als Schirmgruppe entschieden?

Marlene: Unser Aktivismus ist liebebasiert. Das bedeutet, dass unser Aktivismus sich nicht gegen LKW-Fahrer*innen oder Schlachthausmitarbeiter*innen richtet, sondern gegen das gesamte auf Ausbeutung und Unterdrückung aufbauende System.

Es geht darum, das Leid der Tiere zu bezeugen, es durch die sozialen Medien zu verbreiten, sozusagen als „Wake up call“.

Die Gemeinschaft, die sich dadurch bildet, ist sehr stark. Es ist natürlich, bei einer Mahnwache zu weinen – und unbezahlbar, durch die Gemeinschaft aufgefangen zu werden.

Diana: Es geht darum zu zeigen, dass sich sogenannte Nutztiere in ihrem Wesen nicht von unseren Haustieren unterscheiden. Sie zeigen deutliche Anzeichen von Angst und Neugier und sind liebebedürftig wie z.B Hund und Katze. Der Schlachthof ist kein Ort, an dem ich mich gern aufhalte. Aber die direkte Anteilnahme an der auswegslosen Situation der Individuen auf den LKWs, bewegt viel in der eigenen Innenwelt. Das sind oft ein großes Mitgefühl, Trauer und Wut. Wer die traurigen Augen eines Schweines sieht, versteht dass er nicht nur eine Wurst isst, sondern Jemanden.

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In den Transportern stehen die Tiere meistens dicht aneinander.

Hauptbestandteil eures Wirkens sind ja die sogenannten Vigils (zu deutsch: Mahnwachen)- was genau kann ich mir darunter vorstellen?

Marlene: Wir postieren uns entlang der Zufahrtsstraße zum Schlachtbetrieb, wo wir mit Transparenten, Plakaten und Kerzen die LKWs erwarten. Hält ein LKW an, so treten wir an ihn heran und verbringen einige Minuten mit den Tieren oder filmen sie.
Die Mahnwachen kündigen wir vorher auf Facebook an, im Schnitt sind wir so 10-15 Menschen. Bei unserer Weihnachtsmahnwache waren wir allerdings 60 Menschen! Das war der Wahnsinn.

Diana: Wir sind darauf angewiesen, dass die LKW-Fahrer sich 2-3 Minuten Zeit nehmen und für uns anhalten. Auch wenn es manch Einen irritieren mag, dass wir freundlich winken und Peace-Zeichen machen, so gehen wir respektvoll mit allen Fahrern und Mitarbeitern um. Wir haben so die Chance möglichst viele Individuen auf den LKWs zu sehen und wir möchten ein friedliches Zeichen setzen.

Was gibt es bei der Teilnahme an einem eurer Vigils zu beachten?

Marlene: Am wichtigsten ist es, ruhig zu bleiben. Die Tiere befinden sich stundenlang in dem engen Tiertransporter, und wir wollen ihre Nerven nicht noch mehr strapazieren. Vielleicht verspürt man das Bedürfnis, die Hand durch die Luke zu stecken – das ist jedoch unerwünscht, da so ganz leicht Krankheiten übertragen werden können.

Diana: Es gibt zu Beginn jeder Mahnwache ein sogenanntes Briefing, bei dem die wichtigsten Punkte erklärt werden. Wer später dazukommt oder zum ersten Mal bei der Aktion dabei ist, meldet sich am Besten bei den Organisatorinnen. Gern könnt ihr uns auch vor der Mahnwache anschreiben und eure Fragen loswerden. Wir freuen uns immer über neue Teilnehmer*innen.


Tausend Dank für das tolle Interview liebe Diana und Marlene!

Und euch, lieben Leser*innen, die jetzt ganz hibbelig und vor Motivtion beinahe platzend auf dem Stuhl sitzen, kann ich nur die Empfehlung aussprechen, sich bei der nächsten Mahnwache am 22.03.19 in Altenburg gemeinsam mit mir, Diana, Marlene und einigen weiteren Aktivist*innen für Tiere stark zu machen! Kommt vorbei und werdet Teil einer tollen Truppe und einer guten Sache!

Mehr Infos zur nächsten Mahnwache findet ihr in der Veranstaltung auf Facebook.

Außer der Teilnahme an einem Vigil freuen sich die Aktivist*innen vom Animal Save Movements Chemnitz auch über ein Like auf ihrer Facebook-Seite und einem Follow auf Instagram. Spread the love!

Seid gut zu euch!

~ Alina

 

Lenas Veg

>> Dieses Interview ist Teil des Projekts Mein Veg

554DEDAD-068C-4F11-9269-58D8B0CBF0C1Lena – 21 Jahre, aus Plochingen, seit 2 Jahren Veganerin, absolviert gerade ein freiwilliges ökologisches Jahr in einer solidarischen Landwirtschaft auf einem Bioland-Betrieb im Obst- und Gemüseanbau

 

Warum hast du dich für ein veganes Leben entschieden?

Wahrscheinlich wie die meisten – die Tiere standen (oder besser, stehen immer noch) im Vordergrund. Ich wollte nicht, dass ein anderes Lebewesen für mich leidet und/oder stirbt.

 

Gab es einen Auslöser?

Einige, die zum großen Ganzen geführt haben.

Zum einen diese (schrecklichen) Peta-Videos, den Film Earthlings; Cowspiracy habe ich später gesehen, als ich schon vegan war. Einmal ein Erlebnis im Urlaub, bei dem auf dem Nachbarhof Kälber in Kälberiglus standen. Ich bin hin und habe angefangen, die zuerst total verängstigten Kälbchen zu streicheln, schließlich fingen sie an, an meinen Händen zu nuckeln. Abends lag ich dann im Bett und mich überkam große Trauer bei dem Gedanken, dass sie bald auf dem Teller liegen würden und Entsetzen darüber, wie jemand unschuldige Babys essen kann.

 

Warst du vor der Umstellung auf eine vegane Ernährung Vegetarierin?

Ja. Mit 14 habe ich angefangen, war dann 6 Jahre lang Vegetarier, bevor ich vor etwa zwei Jahren den Schritt zum Veganismus gegangen bin. Ich habe schon als Kind gewusst, dass es schlimm und falsch ist, was da passiert, aber ich konnte nie den Schritt gehen. In der Schule sahen wir dann irgendwann den Film ‚We feed the World‘ in dem unter anderem gezeigt wurde, wie Hühner geschlachtet wurden. Danach fing ich an, Stück für Stück Vegetarier zu werden.

 

Auf welche Probleme bist du zu Beginn besonders gestoßen?

Dass ich Gelüste nach Dingen hatte, die nicht vegan waren. Ich hatte, bevor ich wirklich mit meiner Schwester zusammen anfing, vegan zu leben, eine zweimonatige Phase, in der das Problem war, dass eben niemand anderes vegan war außer ich. Da stand dann zum Beispiel im Kühlschrank ein Kuhmilchjoghurt und ich hatte Lust darauf… so hatte ich es leider vorerst wieder aufgegeben, Bevor meine Schwester mit mir wieder anfing. Dadurch, dass ich meine Schwester an meiner Seite hatte, war es viel einfacher zuhause. Unsere Mutter kocht inzwischen überwiegend vegan, obwohl sie Omni ist.

 

Wie kommt dein Umfeld mit deiner Entscheidung vegan zu leben zurecht?

Vegan war kein Schock mehr, nachdem ich Jahre davor schon vegetarisch für mich durchgesetzt hatte.

Anfangs wurde man mal ein bisschen geärgert deswegen, aber mit der Zeit akzeptieren es alle. Vor allem meine Freunde, Vegetarier und Omnis, stehen trotzdem dahinter und essen auch sehr gern, was ich koche.

Vom Fremden oder bekannten kommen hin und wieder Diskussionsversuche, aus denen entweder ein aufklärendes Gespräch, oder aber ein Streit hervorgehen.

 

Das stört dich daran Veganerin zu sein?

Oh, einiges stört mich. Dass man immer und überall das Leid sieht, selbst wenn nur irgendwo jemand ein Wurstbrot isst.

Dass Produkte, die eine vegane Rezeptur hatten, plötzlich nicht mehr vegan sind, man es aber erst bemerkt, nachdem man sie gegessen beziehungsweise benutzt hat.

Dass immer wieder Menschen mit den dümmsten Kommentaren und Sprüchen ankommen, aber wenn ich dann kontere oder nicht darüber lache und es lustig finde, fertig gemacht zu werden dafür, dass ich Veganerin bin, als extrem abgestempelt zu werden.

In einer Bäckerei nach der Zutatenliste fragen zu müssen und dann dumm angeschaut zu werden, wenn man sagt, dass man vegan ist.

Wenn es in einem Restaurant oder einer Gaststätte als einzige vegane Option Pommes gibt (ich liebe ja Pommes, aber trotzdem…).

 

Hat sich etwas für dich verändert, seit du vegan lebst?

Ich fühle mich freier und besser. Ich lerne, sachlich zu diskutieren und lerne Tiere nochmal auf einer ganz neuen und anderen Ebene kennen.

 

Engagierst du dich über deine Lebensweise hinaus z.B. in Projekten oder Vereinen?

Nicht direkt. Ich tue es eher privat, wobei ich momentan dabei bin, mal auf Demos, Aktionen und Cubes zu gehen.

Meine allererste Aktion macht mich dennoch sehr stolz: Ich habe zwei Schafböckchen freigekauft, damit sie nicht zum Schlachter gehen. Die beiden leben nun auf einem Lebenshof.

 

Was sind deine besten Tipps für vegane Neulinge?

Durchhalten. Anfangs ist es immer schwer, aber wenn die Gewöhnung sich einstellt, ist alles toll. Wenn euch doch mal das Gelüste packt, lasst es zu, und ärgert euch nicht über Fehler, die passieren selbst mir noch ab und zu. Und lasst euch nicht von Möchtegern-Besserwissern unterkriegen. Denn ihr tut das Richtige, und das tut ihr super!
Legt euch ein dickes Fell (sprichwörtlich, nicht wortwörtlich!) zu, denn der Gegenwind wird kommen.

 

Möchtest du zum Abschluss noch etwas sagen?

Wolken sind schön.

 


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