Meckerpost// Veganer Senf im Internet

oder: Wie Falschaussagen und Selbstprofilierung mir den Spaß an veganen Foren vermiesen

Wie die meisten von euch bin ich oft in den sozialen Medien unterwegs- auch, weil ich eben diesen Blog führe. Dabei fallen mir einige Aussagen auf, die in scheinbar jedem Kontext in jeder veganen Gruppe auf Facebook reflexartig wieder behauptet und kommentiert werden, die oftmals schlichtweg falsch, überhaupt nicht zielführend sind und die der veganen Bewegung meines Erachtens nachhaltig schaden.

Daher nehme ich mir in diesem Beitrag die Top 4 der für mich nervigsten Aussagen vor und gebe heute meinen eigenen Senf dazu- hier und da etwas frech, zugegeben- aber da staut sich auch etwas an über die Jahre. Es würde mich wundern, wenn Du hier nicht auch die ein oder andere Aussage liest, bei der du die Augen nicht weit genug in den Hinterkopf drehen kannst.

1 „Eier sind Hühnermenstruation.“

Nein, Eier sind keine Hühnermenstruation! Menstruationsblut besteht aus abgestoßener Gebärmutterschleimhaut, ein (Hühner-)Ei nicht. Es stimmt, dass ein (Hühner-)Ei die Eizelle enthält (befruchtet oder unbefruchtet), aber zu sagen, dass das Legen von Eiern das selbe wie menstruieren ist, ist schlichtweg falsch.

Und abgesehen davon: Es ist doch gar nicht nötig, Eier als Menstruationsprodukt zu bezeichnen um es „eklig“ wirken zu lassen. Mentruationsblut ist nämlich überhaupt nicht eklig, sondern ganz normal. Ob man allerdings etwas essen möchte, das aus dem gleichen Loch kommt, aus dem das Federtier auch kackt (Eier kommen aus der sogenannten Kloake)- das mag jede*r Konsument*in selbst entscheiden. Bäm.

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2 „Ersatzprodukte sind pure Chemie.“

Eine Aussage, wie sie pauschaler kaum sein könnte. Ja, alles im Leben besteht aus Chemie, da gibt es nichts zu leugnen- das ist aber per se überhaupt nichts schlechtes. Man sollte bei Ersatzprodukten ganz deutlich differenzieren, welche Inhaltsstoffe als bedenklich betrachtet werden können. Dies gilt allerdings nicht nur für Ersatzprodukte, sondern für alle Produkte! Wenn man beispielsweise die Inhaltsstoffangabe von veganem Wurstaufschnitt  mit der von tierischem Wustaufschnitt vergleicht fällt auf, dass diese oftmals gleichlang sind und ähnlich fremdartig klingende Begriffe enthalten, die oftmals Bindemittel, Aromen- und Farbstoffe bezeichnen und ggf. auch kaschieren sollen.  Kritik an konkreten Inhaltstoffen ist selbstverständlich gerechtfertigt und kann ein sinnvoller Beitrag im Gespräch sein- allerdings lese ich solch explizite Hinweise eher selten.

Übrigens, Tofu ist kein Ersatzprodukt, wird aber immer wieder gern so bezeichnet. Tofu ist seit Jahrhunderten ein Grundnahrungsmittel im asiatischen Raum.



3 „Produkt XY ist vielleicht lecker, aber viel zu ungesund und überhaupt kann man das viel besser selber machen.“

In jeder Kommentarspalte gibt es unter 50 Kommentaren auf eine Frage nach dem Geschmack oder der Verfügbarkeit eines Produkts einfach immer diese zwei, drei Super-Veganer*innen, die ihren vermeindlich viel gesünderen Senf auf jede- noch so unpassende- Frage streichen müssen. Erfahrungsgemäß interessiert es wirklich niemanden, dass ihr euer Leben perfekt meistert und es selbstverständlich neben 5 geretteten Hunden und zwei Jobs und ’nem Kind und ’ner Beziehung und ’nem Hobby und… noch schafft, all eure zuckerfreien, glutenfreien Aufstriche selbst zu machen. Und nein, natürlich nicht im Thermomix- das wäre aber auch echt nicht öko genug. Ironie aus.

Mensch Leute, reißt euch doch bitte mal ein bisschen zusammen und beantwortet einfach die Frage! Es ist toll, andere Menschen an den eigenen Erfahrungen teilhaben zu lassen und Erprobtes zu teilen- wirklich! Aber nur, wenn auch danach gefragt wurde! Es ist hingegen gar nicht toll, seinen Mitmenschen ständig etwas aufzudrängen, ihnen dadurch das Gefühl zu geben, den veganen Gedanken nicht gut genug umzusetzen, gegen Andere abzustinken und den eigenen Körper durch den Genuss von veganer Torte mit Industriezucker mutwillig zu zerstören.

4 „Impfen ist nicht vegan.“

Mir schwillt ja meistens schon beim Lesen der ersten Kommentare zum Thema -egal um was es im Ausgangspost ging- der Kamm! Ja, die Impfstoffe sind nicht vegan und ja, sie wurden an Tieren getestet und JA, das ist scheiße. Scheiße, da, ich hab’s geschrieben! Aber: sich und seine Kinder deswegen nicht zu impfen und dadurch diese und Millionen anderer Menschen hochansteckenden, unheilbaren Infektionskrankheiten auszusetzen, die schwerwiegende (Spät-)Folgen wie körperliche und geistige Behinderungen und den Tod haben- das kann nun wirklich auch nicht ethisch korrekt (und vegan) genannt werden.

Das Ziel eines ethisch motivierten veganen Lebenstils wäre doch etwa so: Das Leid von Tieren (inkl. Menschen!) verringern, bestenfalls abschaffen. Das das mit einem Leben in dieser Gesellschaft nicht immer und nicht einhundertprozentig geht, das weiß doch jede*r von uns! Abgesehen von den Personen, die wirklich in ihrer Hütte wohnen, ihre Pflanzen ohne Pestizide anbauen, keine Medikamente nehmen, nie Auto und Co fahren, kein Handy, TV oder sonstwas haben (und, und, und… ihr versteht, was ich meine) müssen wir alle damit leben, dass einige unserer Handlungen ethisch nicht einwandfrei sind- das geht in dieser globalisiwerten Welt auch kaum noch! Es geht darum, die bessere Entscheidung zu treffen und auch das im eigenen Tempo.

Es ist wissenschaftlich anhand von Statistiken eindeutig belegt (ja, wirklich!), dass man als nichtgeimpfte Person ein unfassbar hohes Risiko für sich und andere ungeimpfte Personen darstellt und das die Wahrscheinlichkeit einen Impfschaden zu erleiden extrem gering ist. Und ja, es tut mir leid, wenn ihr eine Person in der Familie oder dem Bekanntenkreis habt, die einen Impfschaden erlitten hat. Das ist furchtbar- wirklich!- aber es verändert eben die statistische Wahrheit nicht, dass es für die Person selbst und alle Mitmenschen wesentlich sinnvoller ist, sich impfen zu lassen, als es nicht zu tun. Impfen rettet leben! Auch, bis in Zukunft vegane Impfstoffe entwickelt werden, ist impfen eine vegane (die „veganere“/ ethisch korrektere/ verantwortungsvollere) Handlung.

An alle Hater: Mir ist übrigens absolut bewusst, dass es eine persönliche Entscheidung ist, sich impfen zu lassen. Noch. Bei Kindern verstehe ich persönlich da keinen Spaß- denn die können nichts dafür, dass ihr da nicht gut genug informiert seid. Und nein, ich hab nicht an der Youtube-Universität studiert und bin nicht von der Pharmaindustrie gekauft (haaa haaa- wie lustig.), sondern ich bin Krankenschwester und Heilpraktikerin- ja, echt, kein Scherz.

So, das musste jetzt einfach mal raus! Mir ist klar, dass ich mich damit nicht unbedingt bei allen beliebt mache- aber ich sags trotzdem.

Haltung hat, wer sich nicht bückt und doch geneigt ist.

– Klaus Klages

An alle, die es frohen Mutes und vielleicht etwas schmunzelnd bis hier her geschafft und noch keine Gewaltfantasien entwickelt haben wünsche ich noch einen fabelhaften Tag.

Ich bin dankbar für euch alle, die das Miteinander online schön machen! Vegane Gruppen können auch wundervoll und inspirierend sein.

Lasst es euch gut gehen!

~ Alina



Menstruationstassen – eine nachhaltige, vegane Alternative

Für die Meisten klingt „Menstruationstasse“ erstmal befremdlich und vielleicht abschreckend, so ging es mir auch beim ersten Mal. Da ich mittlerweile allerdings Feuer und Flamme bin und dafür gute Gründe hab, möchte ich dir die minimalistische, umweltfreundliche und geldbeutelschonende Menstruationstasse in diesem Beitrag einmal vorstellen und etwas näher bringen.

Was sind Menstruationstassen überhaupt?

Menstruationstassen werden als Mittel der Monatshygiene genutzt, das heißt, sie können Tampons oder Binden ersetzen. Dabei saugen sie das Menstruationsblut allerdings nicht auf, sondern fangen je nach Modell bis zu 50 ml Flüssigkeit auf.

Nach dem Gebrauch wird die Tasse gespült und kann dann sofort wieder verwendet werden. Typischerweise bestehen die Menstruationstassen aus Silikon, sie sind allerdings auch aus Latex oder PTE-Kunststoff erhältlich. Je nach Anbieter sind die Tassen in verschiedenen Größen erhältlich, oftmals von S – L.

Wie funktionieren Menstruationstassen?

Die Menstruationstasse wird mit den Fingern vaginal eingeführt, praktisch an die gleiche Stelle, an die sonst ein Tampon kommen würde. Um die Menstruationstasse einführen zu können, muss sie mithilfe einer einfachen Falttechnik eingeknickt und dadurch verkleinert werden. Das Falten ist schnell gelernt, im Endeffekt wird eine Seite der Tasse mit dem Zeigefinger eingedrückt und dann beide entstehenden Ecken hochgefaltet. Wenn die Tasse eine handliche Größe hat, kann sie eingeführt werden. Wird sie losgelassen, entfaltet sie sich und fängt dadurch in den nächsten Stunden das ablaufende Menstruationsblut auf.

Je nach Fassungsvermögen und Stärke der Monatsblutung kann die Menstruationstasse bis zu 8h im Körper verbleiben und ist während dieser Zeit absolut dicht. Zum Herausnehmen der Tasse gibt es am unteren Rand der Tasse eine Erhebung, an der man die Tasse einfach greifen und herausziehen kann. Es entsteht ein leichter Unterdruck, der die Tasse dicht abschließen lässt, möglichweise spürst du beim Herausziehen also einen kleinen „Plopp“, der aber nicht schmerzhaft ist. Die Tasse kann nun im Waschbecken oder dem WC entleert und dann gespült werden, am Besten mit warmem Wasser.

Was sind die Vorteile einer Menstruationstasse?

Der Hauptvorteil liegt auf der Hand: Die Menstruationstasse ist wieder verwendbar. Dadurch kann man nicht nur jeden Monat viel Geld sparen, welches man sonst für Binden oder Tampons ausgegeben hätte, sondern vor allem auch Unmengen an Müll. Ist dir schon mal aufgefallen, dass jedes Tampon einzeln in Plastik verpackt ist? Durch die Verwendung einer Menstruationstasse trägst du also einen großen Beitrag zum Schutz der Umwelt bei. Als praktischen Nebeneffekt musst du dich nicht länger um die Entsorgung von Binden oder Tampons sorgen, v.a. an Orten ohne kleinen Badmülleimer. Die Menstruationstassen enthalten keinerlei körpergefährdenden Stoffe wie etwa Bleichmittel in Tampons oder Binden. Im Gegensatz zu diesen trocknet die Menstruationstasse die Scheidenschleimhaut nicht aus, welches zu einer längerfristig angenehmeren Tragegefühl beiträgt und die Häufigkeit von Infektionen (v.a. mit Pilzen) verringern kann.

Last but not least: Die Menstruationstasse gibt der menstruierenden Person die Möglichkeit das Menstruationsblut, genauer gesagt das Menstruationssektret, hinsichtlich Veränderungen zu beurteilen.

Gibt es auch Nachteile?

Hinsichtlich der Nutzung der Menstruationstasse gibt es keinerlei Nachteile gegenüber üblichen Monatshygieneprodukten.

In seltenen Situationen kann es dir, gerade zu Beginn, allerdings unangenehm sein die Tasse an öffentlichen Orten auszuwaschen, etwa an deiner Arbeitsstelle, sollte es ein geteiltes Bad geben. Für solche speziellen Gegebenheiten musst du dir dann einen Plan überlegen, viele Personen entleeren die Tasse einfach auf Toilette und spülen mit Wasser aus einer Flasche dann die Menstruationstasse aus.

Natürlich steht es dir auch frei, während deiner Arbeitszeit auf Tampons oder Binden zurückzugreifen, um dich an diese spezielle Situation heranzutasten und nicht über die eigenen Grenzen zu gehen.

Woher kriege ich meine Menstruationstasse?

Die Menstruationstasse kannst du entweder online, als auch im Einzelhandel kaufen. Tatsächlich habe ich in Deutschland die Marke „MeLuna“ bei DM und Müller gesehen, jedoch ist sie nicht in jeder Filiale und nicht in jeder Größe erhältlich. Online findest du alle Hersteller in den großen Versandhäusern wie Amazon oder eBay.

Bekannte Anbieter wären z.B. MeLuna, Lunette, Moon Cup, Ruby Cup, Cozy Cup

Wie kann ich mich zwischen all den Anbietern entscheiden?

Die Auswahl ist tatsächlich groß und die Menstruationstassen haben unterschiedliche Vor- und Nachteile. Vielleicht können dir folgende Kriterien ein wenig helfen, die Auswahl einzugrenzen:

  • Größe / Fassungsvermögen
  • Material (Silikon, Latex, PTE)
  • Beschaffenheit
    → harte Menstruationstassen sind eher für Menschen ab ca. 30 Jahren, für Personen mit trainierter Beckenbodenmuskulatur / Sportler*innen geeignet
    → weiche Menstruationstassen eignen sich generell eher für junge Menschen unter 30 Jahren mit untrainierter Beckenbodenmuskulatur oder nach der Geburt eines Kindes
  • Länge des Herausziehstücks (bei manchen Tassen manuell kürzbar)
  • Preis (ab ca. 15-20 € sind gute Modelle erhältlich, Preis ist nach oben offen)
  • ggf. Projekte des Anbieter (z.B. Ruby Cup)

Eventuell brauchst du zwei Modelle / Größen für starke und schwache Tage der Periode, ebenso haben die Geburt eines Kindes und steigendes Alter Einfluss auf die Beckenbodenmuskulatur und vermutlich wird eine andere Menstruationstasse für dich irgendwann sinnvoller werden.

Im Endeffekt gilt: Ausprobieren! Auf den Herstellerseiten sowie auch auf den Packungen gibt es Hinweise, die dir helfen können, die richtige Größe für dich zu finden.

Ich wünsche dir viel Erfolg beim Ausprobieren!

Sei gut zu dir!

~ Alina

 

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