Tiertransporte: Billiges Fleisch hat seinen Preis

Ein Beitrag über das Grauen Tiertransporte von Kai, der dazu für seine Bachelorarbeit recherchiert hat und sich seit vielen Jahren aktiv für Tierrechte einsetzt.

„Moin, Moin!“ grunzt das lachende Schwein mit der Sonnenbrille. Daneben eine Kuh, die entspannt auf der Sonnenliege ein Glas Milch schlürft.

Solche zynischen Aufdrucke findet man häufig auf den Rückseiten von Tiertransporten. Die Realität ein paar Meter weiter vorne, sieht jedoch ganz anders aus: traurige, verängstigte und hoffnungslose Individuen, die nie Liebe oder eine Wiese gespürt haben.

Schaut man durch die Luken, ist man wie in einer anderen Welt.

Alle anderen Probleme scheinen auf einmal so klein.

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Kai dokumentiert gemeinsam mit weiteren Aktivist*innen der Gruppe Leipzig / Halle Animal Save den Zustand der Tiere nach ihren oft Stunden dauernden Transporten bis zum Schlachthof und schenkt ihnen einen kurzen Moment Respekt und Mitgefühl vor dem, was sie im Inneren des Schlachthofs erwartet.

Die Thematik Tiertransporte sogenannter „Nutztiere“ sollte mich dann durch meine Bachelorarbeit beschäftigen, was sie auch noch lange Zeit nach meiner Bearbeitung tat. Ich hatte ein wenig Sorge, dass es mir durch die vielen aufgesuchten Mahnwachen mit The Save Movement schwer fallen würde, objektiv zu bleiben. Das fiel mir jedoch überraschend leicht. Ich dachte mir nur noch ab einem Zeitpunkt, wie ich es schaffen könnte, diese ganzen nicht zufriedenstellenden gesetzlichen Regelungen so zu erläutern, damit auch der*die letzte Leser*in selber erkennen würde, dass die nicht genug sind.

Zu Beginn fiel mir sofort auf, dass es ein sehr literaturarmes Gebiet ist. Zum Straßenverkehr in Deutschland gibt es fast zu jeden erdenklichen Themenfeld Unmengen an Literatur. Bei dem einzigen Themenfeld, in dem nichtmenschliche Lebewesen transportiert werden, jedoch vergleichsweise sehr wenig. Vielleicht liegt es daran, dass es zu Beginn ein sehr unübersichtliches Thema ist. Die Transporte werden oft unterschieden. Viele nationale als auch eine europäische Verordnung spielen eine Rolle. Des Weiteren gibt es, wie bei fast jedem deutschen Gesetz, Unmengen an Ausnahmen.

Nachdem ich mich mit den gesetzlichen Vorgaben beschäftigt hatte, stellte sich mir immer öfter die Frage, inwiefern das jetzt die Tiere schützen soll, wie es der Name der Tierschutztransportverordnung (TierSchTrV) oder der europäische Verordnung zum Schutz von Tieren bei Transporten (EU (VO) Nr. 1/2005) eigentlich erahnen lassen soll. Viele Tiere erkranken und sterben gerade durch und während des Transports. Vor allem die sogenannten Langstreckentransporte erhöhen die Mortalitätsrate. Millionen von Tieren werden bei den Langstreckentransporten außerhalb der EU transportiert, hauptsächlich in die Türkei und Nordafrika. Dort werden die Tiere von keinem Gesetz geschützt. Kontrollen sind daher nicht mehr möglich. Insgesamt fiel mir auf, dass viele Regelungen sehr schwammig sind.

Die Verordnungen geben vor, dass verletzte Tiere als transportunfähig gelten. Für leicht verletzte und leicht kranke Tiere gilt das jedoch nicht.

Des Weiteren sind in den Verordnungen keine exakten Flächenvorgaben pro Tier angegeben. Die Angaben beziehen sich stattdessen auf die Fläche pro Gewichtskategorie. Sogenannte „Geflügeltiere“ müssen in Transportbehältnissen transportiert werden, die man sich wie große, meist gelbliche, Plastikboxen vorstellen kann. Diese werden dann solange neben- und übereinander gestapelt, bis der Transporter voll ist. Die Boxen sind gesetzlich festgelegt sehr niedrig, so dass die Luft nicht zirkulieren kann. Weiterhin können die Tiere darin nur gebeugt hocken und nicht aufrecht stehen. Die ausgestoßenen Exkremente fließen von den oberen auf die unteren Tiere.

Es gibt in allen Bereichen viele Kritikpunkte, von denen ich einige in Kurzform erwähnen möchte. Während des Transports erfordern die Fahrbewegungen für die Tiere einen ständigen Kraftaufwand, um das Gleichgewicht zu halten. Mast- und Schlachttiere aus der Intensivtierhaltung verfügen nicht über eine ausreichende Muskelmasse, solche Anstrengungen überhaupt auszuhalten. Diese Tiere sind daher schnell erschöpft.

Ein weiterer Kritikpunkt ist der erlaubte Einsatz von Stromstößen beim Be- und Entladen. Grundsätzlich soll der Einsatz von Stromstößen vermieden werden. Wenn ausgewachsene Tiere jedoch die Fortbewegung verweigern, dürfen Stromstößen für maximal eine Sekunde an der Muskelpartie des Hinterviertels verabreicht werden. Das lässt sich in der Praxis nicht oder schwer kontrollieren und erhöht nur noch unnötig den schon zu hohen Stress der Tiere.

Lange Wege, langes Leiden.

Der wohl bekannteste Kritikpunkt ist die erlaubte Transportzeit.

Eine höchstzulässige Gesamttransportdauer ist gesetzlich nicht vorgesehen, so dass bei Einhaltung der Ruhezeiten ein Transport praktisch ohne zeitliche Begrenzung erfolgen kann.

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Kai demonstriert mit Aktivist*innen des Leipzig / Halle Animal Save für ein Ende der kommerziellen Tierausbeutung, hier vor dem Schlachthof in Weißenfels.

Stell dir am besten deine längste Autofahrt vor. Tausche den Sitzplatz mit einem festen metallartigen Stoff aus, darauf noch Exkremente. Der Grund und die Länge der Fahrt ist dir unbekannt. Neben dir befinden sich weitere Menschen, von denen du die meisten noch nie gesehen hast. Einige von denen greifen dich ständig an und verletzten dich. Es gibt keinen Sicherheitsgurt und du rutschst dauerhaft zwischen den Sitzen hin und her. Essen gibt es ebenfalls nicht. Die Fenster im Auto sind dauerhaft geöffnet, egal welche Witterung. Du kannst nicht sehen, was vor dir kommt und welche Fahrbewegung der Fahrer als nächstes durchführt. Neben dir übergeben sich die Menschen, ein paar liegen sogar im Sterben. Das musst du jetzt für eine unbegrenzte Zeit aushalten. Ich glaube jeder kann sich gut vorstellen, was das für eine Höllenfahrt ist.

Natürlich könne gesagt werden, dass noch kein Gesetz perfekt entstanden ist und daran über Jahre gearbeitet werden muss. Jedoch scheint die Umsetzung des jetzigen Gesetztes nicht einmal eine große Rolle zu spielen.

Gerade einmal 1 % der Tiertransporte in Deutschland werden überhaupt kontrolliert.

Die Transporte, die einer Kontrolle unterzogen werden, weisen in der Regel enorme Beanstandungen auf. Kommt es zu strengen Kontrollen, umfahren viele Transportunternehmen gezielt bestimmte Regionen. Die Strafe und die Dauer der Kontrolle schaden dem Unternehmen mehr, als die zusätzlichen Spritkosten.

Positiv betont werden kann aber eine Nichtregierungsorganisation, die ich durch die Bachelorarbeit erst kennengelernt habe. Die NGO Animals Angels setzt ihren Schwerpunkt komplett auf Tiertransporte. Sie führen, falls möglich, eigenständige Kontrolle durch und dokumentieren Missstände und bringen diese zur Anzeige. Bei Bedarf schult Animals Angels die Polizei oder andere Behörden. Dieses Konzept läuft zur Zeit in mehreren Ländern auf der ganzen Welt und stellt einen guten Schritt in die richtige Richtung dar, ersetzt aber keinesfalls häufigere ganzheitliche Kontrollen und strengere gesetzliche Regelungen.

Die oben genannten Vorschriften resultieren ursprünglich aus dem Grundgedanken, das „Tierwohl“ durch bestimmte Festlegungen zu verbessern.

Die Vorgaben sind jedoch nur darauf ausgelegt, die Tiere möglichst lebend am Zielort anzubringen, um sie dort dann schließlich zu töten oder auszubeuten.

Ein gewisser „Verlust“ durch die Transporte wird dabei von den Unternehmen hingenommen. Deutlich wird das, weil die Unternehmen Mortalitätsraten bei Geflügeltieren und Schweinen im unteren zweistelligen Bereich bereits vorher einkalkulieren.

Doch was kannst du tun? Auch wenn die meisten Verstöße „nur“ Ordnungswidrigkeiten sind, die nach pflichtgemäßen Ermessen verfolgt werden können, solltet ihr immer, wenn ihr einen Tiertransporter entdeckt, der augenscheinlich starke Unregelmäßigkeiten aufweist, die Polizei oder, zu Öffnungszeiten, das zuständige Veterinäramt kontaktieren. Um dieses System gar nicht erst zu unterstützen, solltest du vegan leben.


Bock mitzumachen?

Du möchtest selbst an einer Aktion des Animal Save Movement teilnehmen um auf die Zustände in Tiertransportern aufzuklären und dir ein eigenes Bild vom Zustand der Tiere zu verschaffen? Per Suchmaschine findest du mit den Begriffen „Animal Save Movement“ + deinem Wohnort (falls ländlich: größere Stadt in der Nähe) sicherlich ein passendes Chapter.

Aus eigener Erfahrung empfehlen kann ich dir die Animal Save Movement Chapter Leipzig / Halle, Chemnitz und Dresden. Hier kannst du mich, Kai und viele weitere nette Aktivist*innen regelmäßig treffen!

Auch wenn du nicht teilnehmen kannst freuen sich die Orgas über ein Facebook-Like, um die eigene Reichweite zu erhöhen. Tausend Dank!

 

Interview mit den Gründerinnen des Chemnitz Animal Save

Liebe Marlene, liebe Diana, bitte erzählt uns doch ein wenig über euch, damit wir uns ein Bild von euch machen können.

Marlene: Ich bin 22 Jahre alt und lebe seit über 3 Jahren vegan. 2017 bin ich aus Leipzig zum Studieren nach Chemnitz gezogen. Ich mache super gerne morgens Yoga und esse danach Pancakes. 😀

Diana: Ich bin 28 Jahre alt und lebe und arbeite in Chemnitz. Ich lebe seit 4 Jahren vegetarisch und seit 2 Jahren vegan. Ich koche gern und mache auch Yoga.

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Ein Blick sagt mehr als tausend Worte. Für die Aktivist*innen des Animal Save Movements ist es wichtig, dass die Tiere in ihren letzten Minuten Zugewandheit und Respekt erfahren.

Wie seid ihr dazu gekommen, euch aktiv für Tierrechte einzusetzen?

Marlene: Ich habe mal auf einer Kuhfarm gearbeitet und musste dort den ganzen Tag die Kühe melken. Es war erstmal ein großer und immens wichtiger Schritt für mich, die Sinnlosigkeit der Tiernutzung anzuerkennen. Bis ich überhaupt aktiv geworden bin, hat es dann nochmal fast 2 Jahre gedauert.  Vegan sein ist in meinen Augen eine passive Form des Widerstands, dabei ist es umso wichtiger, mehr Menschen die Augen zu öffnen!

Diana: Zunächst habe ich mich auf eine pflanzenbasierte Ernährung umgestellt, weil ich gesünder leben wollte. Dabei waren Youtuber und Blogger eine wichtige Informationsquelle. Dadurch bin ich auch auf das Thema Tierrechte aufmerksam geworden. Wenn man sich mit dem unnötigen Leid der Tiere beschäftigt, kann man schnell verzweifeln und verbittern. Also war es für mich eine logische und notwendige Konsequenz mich für die Tiere einzusetzen.

Ich wünsche mir selbst, dass jemand mich früher über die Tierrechte und darüber wie unkompliziert eine vegane Lebensweise realisierbar ist, aufgeklärt hätte.

Über den Aktivismus habe ich dann Marlene kennengelernt und wir beide wollten gern eine Save-Gruppe gründen.

 

Die Tierschutzgruppe, die ihr beiden mitgegründet habt, ist eine Ortsgruppe des Animal Save Movements. Was sind die Grundsätze dieser Gruppe und warum habt ihr euch für sie als Schirmgruppe entschieden?

Marlene: Unser Aktivismus ist liebebasiert. Das bedeutet, dass unser Aktivismus sich nicht gegen LKW-Fahrer*innen oder Schlachthausmitarbeiter*innen richtet, sondern gegen das gesamte auf Ausbeutung und Unterdrückung aufbauende System.

Es geht darum, das Leid der Tiere zu bezeugen, es durch die sozialen Medien zu verbreiten, sozusagen als „Wake up call“.

Die Gemeinschaft, die sich dadurch bildet, ist sehr stark. Es ist natürlich, bei einer Mahnwache zu weinen – und unbezahlbar, durch die Gemeinschaft aufgefangen zu werden.

Diana: Es geht darum zu zeigen, dass sich sogenannte Nutztiere in ihrem Wesen nicht von unseren Haustieren unterscheiden. Sie zeigen deutliche Anzeichen von Angst und Neugier und sind liebebedürftig wie z.B Hund und Katze. Der Schlachthof ist kein Ort, an dem ich mich gern aufhalte. Aber die direkte Anteilnahme an der auswegslosen Situation der Individuen auf den LKWs, bewegt viel in der eigenen Innenwelt. Das sind oft ein großes Mitgefühl, Trauer und Wut. Wer die traurigen Augen eines Schweines sieht, versteht dass er nicht nur eine Wurst isst, sondern Jemanden.

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In den Transportern stehen die Tiere meistens dicht aneinander.

Hauptbestandteil eures Wirkens sind ja die sogenannten Vigils (zu deutsch: Mahnwachen)- was genau kann ich mir darunter vorstellen?

Marlene: Wir postieren uns entlang der Zufahrtsstraße zum Schlachtbetrieb, wo wir mit Transparenten, Plakaten und Kerzen die LKWs erwarten. Hält ein LKW an, so treten wir an ihn heran und verbringen einige Minuten mit den Tieren oder filmen sie.
Die Mahnwachen kündigen wir vorher auf Facebook an, im Schnitt sind wir so 10-15 Menschen. Bei unserer Weihnachtsmahnwache waren wir allerdings 60 Menschen! Das war der Wahnsinn.

Diana: Wir sind darauf angewiesen, dass die LKW-Fahrer sich 2-3 Minuten Zeit nehmen und für uns anhalten. Auch wenn es manch Einen irritieren mag, dass wir freundlich winken und Peace-Zeichen machen, so gehen wir respektvoll mit allen Fahrern und Mitarbeitern um. Wir haben so die Chance möglichst viele Individuen auf den LKWs zu sehen und wir möchten ein friedliches Zeichen setzen.

Was gibt es bei der Teilnahme an einem eurer Vigils zu beachten?

Marlene: Am wichtigsten ist es, ruhig zu bleiben. Die Tiere befinden sich stundenlang in dem engen Tiertransporter, und wir wollen ihre Nerven nicht noch mehr strapazieren. Vielleicht verspürt man das Bedürfnis, die Hand durch die Luke zu stecken – das ist jedoch unerwünscht, da so ganz leicht Krankheiten übertragen werden können.

Diana: Es gibt zu Beginn jeder Mahnwache ein sogenanntes Briefing, bei dem die wichtigsten Punkte erklärt werden. Wer später dazukommt oder zum ersten Mal bei der Aktion dabei ist, meldet sich am Besten bei den Organisatorinnen. Gern könnt ihr uns auch vor der Mahnwache anschreiben und eure Fragen loswerden. Wir freuen uns immer über neue Teilnehmer*innen.


Tausend Dank für das tolle Interview liebe Diana und Marlene!

Und euch, lieben Leser*innen, die jetzt ganz hibbelig und vor Motivtion beinahe platzend auf dem Stuhl sitzen, kann ich nur die Empfehlung aussprechen, sich bei der nächsten Mahnwache am 22.03.19 in Altenburg gemeinsam mit mir, Diana, Marlene und einigen weiteren Aktivist*innen für Tiere stark zu machen! Kommt vorbei und werdet Teil einer tollen Truppe und einer guten Sache!

Mehr Infos zur nächsten Mahnwache findet ihr in der Veranstaltung auf Facebook.

Außer der Teilnahme an einem Vigil freuen sich die Aktivist*innen vom Animal Save Movements Chemnitz auch über ein Like auf ihrer Facebook-Seite und einem Follow auf Instagram. Spread the love!

Seid gut zu euch!

~ Alina

 

Wie schaffe ich es, das Gedankenkarussell anzuhalten?

Heute habe ich ein ganz besonderes Schmankerl für euch: einen Beitrag zum Thema „Aussteigen aus dem Gedankenkarussell“ von Lutz Friedrich. Er ist Master-Psychologe und Strukturexperte und unterstützt bereits seit über acht Jahren Menschen in verschiedenen Veränderungsprozessen. Doch genug der langen Vorstellung, lasst euch von Lutz Worten inspirieren und besucht ihn für mehr Infos zu seiner Person und Arbeit einfach auf seiner Website www.lutzfriedrich.com.

Lutz Friedrich
(c) Lutz Friedrich

Was ist ein Gedankenkarussell überhaupt?

Ich glaube, dass kennen wir alle… Das Gedankenkarussell dreht und dreht sich… Je mehr wir zu tun haben, je mehr Stress wir verspüren, desto schnellen fängt es an zu kreiseln. All die kleinen und großen Verpflichtungen, Ideen, Termine, Ängste etc. kommen immer wieder in unseren Kopf. Dutzende sogenannte „lose Enden“, welche um Aufmerksamkeit konkurrieren und alle lieber heute als morgen erledigt werden wollen. Wie bei einem großen, köchelnden Suppentopf sprudeln dabei immer mal andere Sachen an die Oberfläche und oft ahnen wir schon, dass in den Tiefen unseres Geistes noch eine ganze Menge mehr zu finden wäre. Mit anderen Worten: Unser Kopf fühlt sich voll an, und das Gedankenkarussell ist der große Suppenlöffel, der fleißig darin rührt.

Diese ständige unproduktive Beschäftigung mit all dem „anfallenden Zeug“, sei sie nun bewusst oder unbewusst, ist ein sehr großer Zeit- und Energieräuber. Neben dieser dauerhaften Zusatz-Belastung verhindert das Gedankenkarussell oft auch gleichzeitig die effektive Bearbeitung all unserer Themen. Es gibt keinen Platz mehr für das Finden von sinnvollen Lösungsstrategien, kein Platz mehr für Kreativität und erst recht kein Platz für Ausgleich und Leichtigkeit. Um mit diesem Problem fertigzuwerden, gibt es eine Vielzahl von Ansätzen, jeweils mit sehr unterschiedlichen Erfolgsaussichten. In den folgenden Zeilen werde ich kurz 4 Methoden beschreiben. (Spoiler! Die letzte ist mein Favorit!)

Gedankenkarussell
Erstellt mit Hilfe von https://wordart.com

Beliebte Methoden, die aber nicht helfen das Gedankenkarussell anzuhalten

Besonders verbreitet ist der Ansatz, einfach nix zu tun, sich quasi in das Karussell zu setzen und zu hoffen, dass einem nicht schwindelig wird! Die ganzen Dinge bleiben im Kopf, wir versuchen, uns alles irgendwie zu merken, schreiben vielleicht hier und da mal eine kleine To-do Liste, um den absoluten „Super Gau“ und Nervenzusammenbruch zu verhindern. Diese erste Methode von „es alles irgendwie im eigenen Kopf managen“ ist besonders beliebt bei Menschen, die in diesem Gebiet (kognitiv) sehr leistungsfähig sind.

Dabei gibt es nur ein Problem: Das Leben ist in unserer heutigen Zeit eindeutig zu komplex!

Es sind einfach zu viele anfallende Themen, von sachlich bis emotional. Zu verstrickt, zu kompliziert, oft unterbewusst und von unserem Geist ganzheitlich nicht optimal zu erfassen, geschweige denn zu erledigen. Es entstehen unweigerlich Anspannung, Unzufriedenheit und Schwere. Obwohl diese Methode sehr verbreitet scheint, ist sie nicht wirklich zu empfehlen.

Methode 2, auch sehr beliebt, ist leider auch nicht viel besser. Um dem Gedankenkarussell zu entkommen können wir auch einfach den Kopf in den Sand stecken. Die gute alte Vogel-Strauß Methode lässt uns einfach das Problem verdrängen und zumindest für einen kurzen Moment vergessen. Alkohol, Drogen, lange Partys, Musik, Tanz, Beziehungen usw. sind alles wunderbare Ablenkungsmanöver. Das Problem – danach sind alle Themen und Gedanken immer noch da, wenn nicht sogar stärker als zuvor. Dann doch vielleicht lieber Methode 1.

 

Welche Möglichkeiten, das Gedankenkarussell anzuhalten, hast du stattdessen?

Zum Glück gibt es auch andere Wege, sich diesem Thema zu widmen. Die von mir jetzt beschriebenen Methoden 3 und 4 wirken dabei besonders gut, wenn sie gemeinsam Anwendung finden, da sie zwei wichtige, wenn auch völlig unterschiedliche Aspekte abdecken. Methode 3 ist dabei mit großen Stichworten wie ANNEHMEN oder LOSLASSEN gut zu umschreiben. Das Erlernen und Üben von Meditationstechniken, Qi Gong, Autogenes Training usw. können eine große Unterstützung darin sein, die psychische Belastung des Alltags und die oft entstehende Selbst-Verurteilung zu verringern. Damit werden die Dinge zwar nicht schneller erledigt, aber der resultierende Stress wird zumindest stark abgeschwächt.

Das ist ja schön und gut, werdet ihr jetzt denken, aber was ist denn, wenn ich die Dinge tatsächlich mal effizient abhaken möchte bzw. ich nicht den „Erleuchtungsgrad“ erreiche, bei welchem ich einfach in meinem Gedankenkarussell sitze, mich meines Lebens erfreue und mich das alles irgendwie „nichts mehr angeht“.

Das bringt uns (endlich) zu Methode 4. Und wer jetzt eine spontan-umwerfende, aufregende sowie einfache Lösung erwartet hat, liegt zwar nicht völlig falsch, wird aber vielleicht etwas enttäuscht.

Die Antwort auf dein Gedankenkarussell ist eine auf die Person optimierte sowie individualisierte Organisation und Struktur. Und damit meine ich keine herumfliegenden To-do Listen oder diffuse Eintragungen im Terminkalender bzw. wahllos abgehefteter Papierkram.

Stattdessen rede ich von einem durchdachten, ganzheitlichen System, welchem man vertraut. Es sollte einfach anwendbar sein und sich problemlos der aktuellen Lebenssituation anpassen können.

Wie findest du dein eigenes System?

Die Frage lautet: Hast du jemals WIRKLICH darüber nachgedacht, wie du deine Organisation, Struktur und deine Abläufe optimieren kannst? In dieser Frage und in deren Umsetzung schlummert bei fast jedem Menschen ungeheures Potenzial. Eine Verbesserung oder Optimierung der eigenen Struktur ist ein riesiger Hebel für Glück, Entspannung und Erfolg im Leben, welcher fast nie wirklich effektiv angeschaut und genutzt wird.

Veränderungen in diesem Bereich haben aber immer weitreichende positive Auswirkungen auf dein Leben.

Es ist quasi die Grundvoraussetzung für wirkliche Entwicklung und bereitet den Nährboden, worauf Erfolg UND Entspannung gedeihen können.

Ich stelle somit die These auf: Stress, Ängste, Überforderung etc. … sind immer zu einen hohen Anteil durch eine nicht optimierte Struktur und Organisation im Leben bedingt.

Ich erlebe immer wieder, wie kleinste strukturelle Verbesserungen sofort große Erleichterungen im Alltag schaffen. Der sich kumulierende Effekt über die Zeit ist natürlich sogar noch weitaus größer!

Jeder Mensch bräuchte ein verlässliches und logisch strukturiertes Ablagesystem für wirklich ALLE anfallenden Dinge im Leben. Das fängt in der äußeren Struktur der Wohnung oder dem eigenen Ordnersystem an und geht weiter über alle Ideen, Informationen oder emotional sowie soziale verknüpfte Themen aus dem Kopf. Nachdem das System erstellt ist, werden neu auftauchende „Dinge“ einfach mühelos und leicht an den dafür vorgesehen Ort abgelegt oder aufgeschrieben.

ACHTUNG, hör ich euch jetzt rufen: „Das hört sich für mich alles viel zu sehr nach Kontrolle, Druck oder Leistungsdenken an“ … Diesen Impuls kann ich durchaus nachvollziehen, er ist allerdings sehr weit von dem entfernt, was ich hier eigentlich beschreiben möchte. Das Ergebnis lässt sich viel mehr mit wirklicher (Wahl-) Freiheit und Leichtigkeit zusammenfassen. Entlastet man den Kopf, z.B. durch ein funktionierendes System, werden sagenhafte Kapazitäten frei.

Leichtigkeit und Kreativität können wieder fließen und wir sind nicht mehr blockiert und überfordert.

Dadurch bekommen wir überhaupt erst einmal die Wahl, ob wir uns viel aufladen möchten … oder eben auch nicht. Wir bekommen den Überblick und können entscheiden. Das Gedankenkarussell und die dadurch entstehende Energieverschwendung hören mit der Zeit auf. Diese Entlastung des Kopfes ist für mich einer der schönsten Effekte und diese Aussage kann ich mit gutem Gewissen auch verallgemeinern, denn das höre ich bei meiner Arbeit und von meinen Klienten wieder und wieder.

Natürlich sind der dahin führende Weg und das Ergebnis bei jeder Person individuell unterschiedlich und das ist auch gut so! Trotz dieser individuellen Unterschiede gibt es allerdings eine Reihe von Gemeinsamkeiten, welche immer wieder auftreten. Das ist allerdings ein eigenes, wichtiges Thema, würde hier den Rahmen endgültig sprengen und verdient somit einen Beitrag an anderer Stelle…

Lutz Friedrich

Master-Psychologe, Struktur-Experte, Personell Consultant, Coach

Besucht Lutz auf www.lutzfriedrich.com oder schreibt ihm direkt eine Mail an mail@lutzfriedrich.com!

 

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