Meckerpost// Veganer Senf im Internet

oder: Wie Falschaussagen und Selbstprofilierung mir den Spaß an veganen Foren vermiesen

Wie die meisten von euch bin ich oft in den sozialen Medien unterwegs- auch, weil ich eben diesen Blog führe. Dabei fallen mir einige Aussagen auf, die in scheinbar jedem Kontext in jeder veganen Gruppe auf Facebook reflexartig wieder behauptet und kommentiert werden, die oftmals schlichtweg falsch, überhaupt nicht zielführend sind und die der veganen Bewegung meines Erachtens nachhaltig schaden.

Daher nehme ich mir in diesem Beitrag die Top 4 der für mich nervigsten Aussagen vor und gebe heute meinen eigenen Senf dazu- hier und da etwas frech, zugegeben- aber da staut sich auch etwas an über die Jahre. Es würde mich wundern, wenn Du hier nicht auch die ein oder andere Aussage liest, bei der du die Augen nicht weit genug in den Hinterkopf drehen kannst.

1 „Eier sind Hühnermenstruation.“

Nein, Eier sind keine Hühnermenstruation! Menstruationsblut besteht aus abgestoßener Gebärmutterschleimhaut, ein (Hühner-)Ei nicht. Es stimmt, dass ein (Hühner-)Ei die Eizelle enthält (befruchtet oder unbefruchtet), aber zu sagen, dass das Legen von Eiern das selbe wie menstruieren ist, ist schlichtweg falsch.

Und abgesehen davon: Es ist doch gar nicht nötig, Eier als Menstruationsprodukt zu bezeichnen um es „eklig“ wirken zu lassen. Mentruationsblut ist nämlich überhaupt nicht eklig, sondern ganz normal. Ob man allerdings etwas essen möchte, das aus dem gleichen Loch kommt, aus dem das Federtier auch kackt (Eier kommen aus der sogenannten Kloake)- das mag jede*r Konsument*in selbst entscheiden. Bäm.

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2 „Ersatzprodukte sind pure Chemie.“

Eine Aussage, wie sie pauschaler kaum sein könnte. Ja, alles im Leben besteht aus Chemie, da gibt es nichts zu leugnen- das ist aber per se überhaupt nichts schlechtes. Man sollte bei Ersatzprodukten ganz deutlich differenzieren, welche Inhaltsstoffe als bedenklich betrachtet werden können. Dies gilt allerdings nicht nur für Ersatzprodukte, sondern für alle Produkte! Wenn man beispielsweise die Inhaltsstoffangabe von veganem Wurstaufschnitt  mit der von tierischem Wustaufschnitt vergleicht fällt auf, dass diese oftmals gleichlang sind und ähnlich fremdartig klingende Begriffe enthalten, die oftmals Bindemittel, Aromen- und Farbstoffe bezeichnen und ggf. auch kaschieren sollen.  Kritik an konkreten Inhaltstoffen ist selbstverständlich gerechtfertigt und kann ein sinnvoller Beitrag im Gespräch sein- allerdings lese ich solch explizite Hinweise eher selten.

Übrigens, Tofu ist kein Ersatzprodukt, wird aber immer wieder gern so bezeichnet. Tofu ist seit Jahrhunderten ein Grundnahrungsmittel im asiatischen Raum.



3 „Produkt XY ist vielleicht lecker, aber viel zu ungesund und überhaupt kann man das viel besser selber machen.“

In jeder Kommentarspalte gibt es unter 50 Kommentaren auf eine Frage nach dem Geschmack oder der Verfügbarkeit eines Produkts einfach immer diese zwei, drei Super-Veganer*innen, die ihren vermeindlich viel gesünderen Senf auf jede- noch so unpassende- Frage streichen müssen. Erfahrungsgemäß interessiert es wirklich niemanden, dass ihr euer Leben perfekt meistert und es selbstverständlich neben 5 geretteten Hunden und zwei Jobs und ’nem Kind und ’ner Beziehung und ’nem Hobby und… noch schafft, all eure zuckerfreien, glutenfreien Aufstriche selbst zu machen. Und nein, natürlich nicht im Thermomix- das wäre aber auch echt nicht öko genug. Ironie aus.

Mensch Leute, reißt euch doch bitte mal ein bisschen zusammen und beantwortet einfach die Frage! Es ist toll, andere Menschen an den eigenen Erfahrungen teilhaben zu lassen und Erprobtes zu teilen- wirklich! Aber nur, wenn auch danach gefragt wurde! Es ist hingegen gar nicht toll, seinen Mitmenschen ständig etwas aufzudrängen, ihnen dadurch das Gefühl zu geben, den veganen Gedanken nicht gut genug umzusetzen, gegen Andere abzustinken und den eigenen Körper durch den Genuss von veganer Torte mit Industriezucker mutwillig zu zerstören.

4 „Impfen ist nicht vegan.“

Mir schwillt ja meistens schon beim Lesen der ersten Kommentare zum Thema -egal um was es im Ausgangspost ging- der Kamm! Ja, die Impfstoffe sind nicht vegan und ja, sie wurden an Tieren getestet und JA, das ist scheiße. Scheiße, da, ich hab’s geschrieben! Aber: sich und seine Kinder deswegen nicht zu impfen und dadurch diese und Millionen anderer Menschen hochansteckenden, unheilbaren Infektionskrankheiten auszusetzen, die schwerwiegende (Spät-)Folgen wie körperliche und geistige Behinderungen und den Tod haben- das kann nun wirklich auch nicht ethisch korrekt (und vegan) genannt werden.

Das Ziel eines ethisch motivierten veganen Lebenstils wäre doch etwa so: Das Leid von Tieren (inkl. Menschen!) verringern, bestenfalls abschaffen. Das das mit einem Leben in dieser Gesellschaft nicht immer und nicht einhundertprozentig geht, das weiß doch jede*r von uns! Abgesehen von den Personen, die wirklich in ihrer Hütte wohnen, ihre Pflanzen ohne Pestizide anbauen, keine Medikamente nehmen, nie Auto und Co fahren, kein Handy, TV oder sonstwas haben (und, und, und… ihr versteht, was ich meine) müssen wir alle damit leben, dass einige unserer Handlungen ethisch nicht einwandfrei sind- das geht in dieser globalisiwerten Welt auch kaum noch! Es geht darum, die bessere Entscheidung zu treffen und auch das im eigenen Tempo.

Es ist wissenschaftlich anhand von Statistiken eindeutig belegt (ja, wirklich!), dass man als nichtgeimpfte Person ein unfassbar hohes Risiko für sich und andere ungeimpfte Personen darstellt und das die Wahrscheinlichkeit einen Impfschaden zu erleiden extrem gering ist. Und ja, es tut mir leid, wenn ihr eine Person in der Familie oder dem Bekanntenkreis habt, die einen Impfschaden erlitten hat. Das ist furchtbar- wirklich!- aber es verändert eben die statistische Wahrheit nicht, dass es für die Person selbst und alle Mitmenschen wesentlich sinnvoller ist, sich impfen zu lassen, als es nicht zu tun. Impfen rettet leben! Auch, bis in Zukunft vegane Impfstoffe entwickelt werden, ist impfen eine vegane (die „veganere“/ ethisch korrektere/ verantwortungsvollere) Handlung.

An alle Hater: Mir ist übrigens absolut bewusst, dass es eine persönliche Entscheidung ist, sich impfen zu lassen. Noch. Bei Kindern verstehe ich persönlich da keinen Spaß- denn die können nichts dafür, dass ihr da nicht gut genug informiert seid. Und nein, ich hab nicht an der Youtube-Universität studiert und bin nicht von der Pharmaindustrie gekauft (haaa haaa- wie lustig.), sondern ich bin Krankenschwester und Heilpraktikerin- ja, echt, kein Scherz.

So, das musste jetzt einfach mal raus! Mir ist klar, dass ich mich damit nicht unbedingt bei allen beliebt mache- aber ich sags trotzdem.

Haltung hat, wer sich nicht bückt und doch geneigt ist.

– Klaus Klages

An alle, die es frohen Mutes und vielleicht etwas schmunzelnd bis hier her geschafft und noch keine Gewaltfantasien entwickelt haben wünsche ich noch einen fabelhaften Tag.

Ich bin dankbar für euch alle, die das Miteinander online schön machen! Vegane Gruppen können auch wundervoll und inspirierend sein.

Lasst es euch gut gehen!

~ Alina



Interview mit den Gründerinnen des Chemnitz Animal Save

Liebe Marlene, liebe Diana, bitte erzählt uns doch ein wenig über euch, damit wir uns ein Bild von euch machen können.

Marlene: Ich bin 22 Jahre alt und lebe seit über 3 Jahren vegan. 2017 bin ich aus Leipzig zum Studieren nach Chemnitz gezogen. Ich mache super gerne morgens Yoga und esse danach Pancakes. 😀

Diana: Ich bin 28 Jahre alt und lebe und arbeite in Chemnitz. Ich lebe seit 4 Jahren vegetarisch und seit 2 Jahren vegan. Ich koche gern und mache auch Yoga.

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Ein Blick sagt mehr als tausend Worte. Für die Aktivist*innen des Animal Save Movements ist es wichtig, dass die Tiere in ihren letzten Minuten Zugewandheit und Respekt erfahren.

Wie seid ihr dazu gekommen, euch aktiv für Tierrechte einzusetzen?

Marlene: Ich habe mal auf einer Kuhfarm gearbeitet und musste dort den ganzen Tag die Kühe melken. Es war erstmal ein großer und immens wichtiger Schritt für mich, die Sinnlosigkeit der Tiernutzung anzuerkennen. Bis ich überhaupt aktiv geworden bin, hat es dann nochmal fast 2 Jahre gedauert.  Vegan sein ist in meinen Augen eine passive Form des Widerstands, dabei ist es umso wichtiger, mehr Menschen die Augen zu öffnen!

Diana: Zunächst habe ich mich auf eine pflanzenbasierte Ernährung umgestellt, weil ich gesünder leben wollte. Dabei waren Youtuber und Blogger eine wichtige Informationsquelle. Dadurch bin ich auch auf das Thema Tierrechte aufmerksam geworden. Wenn man sich mit dem unnötigen Leid der Tiere beschäftigt, kann man schnell verzweifeln und verbittern. Also war es für mich eine logische und notwendige Konsequenz mich für die Tiere einzusetzen.

Ich wünsche mir selbst, dass jemand mich früher über die Tierrechte und darüber wie unkompliziert eine vegane Lebensweise realisierbar ist, aufgeklärt hätte.

Über den Aktivismus habe ich dann Marlene kennengelernt und wir beide wollten gern eine Save-Gruppe gründen.

 

Die Tierschutzgruppe, die ihr beiden mitgegründet habt, ist eine Ortsgruppe des Animal Save Movements. Was sind die Grundsätze dieser Gruppe und warum habt ihr euch für sie als Schirmgruppe entschieden?

Marlene: Unser Aktivismus ist liebebasiert. Das bedeutet, dass unser Aktivismus sich nicht gegen LKW-Fahrer*innen oder Schlachthausmitarbeiter*innen richtet, sondern gegen das gesamte auf Ausbeutung und Unterdrückung aufbauende System.

Es geht darum, das Leid der Tiere zu bezeugen, es durch die sozialen Medien zu verbreiten, sozusagen als „Wake up call“.

Die Gemeinschaft, die sich dadurch bildet, ist sehr stark. Es ist natürlich, bei einer Mahnwache zu weinen – und unbezahlbar, durch die Gemeinschaft aufgefangen zu werden.

Diana: Es geht darum zu zeigen, dass sich sogenannte Nutztiere in ihrem Wesen nicht von unseren Haustieren unterscheiden. Sie zeigen deutliche Anzeichen von Angst und Neugier und sind liebebedürftig wie z.B Hund und Katze. Der Schlachthof ist kein Ort, an dem ich mich gern aufhalte. Aber die direkte Anteilnahme an der auswegslosen Situation der Individuen auf den LKWs, bewegt viel in der eigenen Innenwelt. Das sind oft ein großes Mitgefühl, Trauer und Wut. Wer die traurigen Augen eines Schweines sieht, versteht dass er nicht nur eine Wurst isst, sondern Jemanden.

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In den Transportern stehen die Tiere meistens dicht aneinander.

Hauptbestandteil eures Wirkens sind ja die sogenannten Vigils (zu deutsch: Mahnwachen)- was genau kann ich mir darunter vorstellen?

Marlene: Wir postieren uns entlang der Zufahrtsstraße zum Schlachtbetrieb, wo wir mit Transparenten, Plakaten und Kerzen die LKWs erwarten. Hält ein LKW an, so treten wir an ihn heran und verbringen einige Minuten mit den Tieren oder filmen sie.
Die Mahnwachen kündigen wir vorher auf Facebook an, im Schnitt sind wir so 10-15 Menschen. Bei unserer Weihnachtsmahnwache waren wir allerdings 60 Menschen! Das war der Wahnsinn.

Diana: Wir sind darauf angewiesen, dass die LKW-Fahrer sich 2-3 Minuten Zeit nehmen und für uns anhalten. Auch wenn es manch Einen irritieren mag, dass wir freundlich winken und Peace-Zeichen machen, so gehen wir respektvoll mit allen Fahrern und Mitarbeitern um. Wir haben so die Chance möglichst viele Individuen auf den LKWs zu sehen und wir möchten ein friedliches Zeichen setzen.

Was gibt es bei der Teilnahme an einem eurer Vigils zu beachten?

Marlene: Am wichtigsten ist es, ruhig zu bleiben. Die Tiere befinden sich stundenlang in dem engen Tiertransporter, und wir wollen ihre Nerven nicht noch mehr strapazieren. Vielleicht verspürt man das Bedürfnis, die Hand durch die Luke zu stecken – das ist jedoch unerwünscht, da so ganz leicht Krankheiten übertragen werden können.

Diana: Es gibt zu Beginn jeder Mahnwache ein sogenanntes Briefing, bei dem die wichtigsten Punkte erklärt werden. Wer später dazukommt oder zum ersten Mal bei der Aktion dabei ist, meldet sich am Besten bei den Organisatorinnen. Gern könnt ihr uns auch vor der Mahnwache anschreiben und eure Fragen loswerden. Wir freuen uns immer über neue Teilnehmer*innen.


Tausend Dank für das tolle Interview liebe Diana und Marlene!

Und euch, lieben Leser*innen, die jetzt ganz hibbelig und vor Motivtion beinahe platzend auf dem Stuhl sitzen, kann ich nur die Empfehlung aussprechen, sich bei der nächsten Mahnwache am 22.03.19 in Altenburg gemeinsam mit mir, Diana, Marlene und einigen weiteren Aktivist*innen für Tiere stark zu machen! Kommt vorbei und werdet Teil einer tollen Truppe und einer guten Sache!

Mehr Infos zur nächsten Mahnwache findet ihr in der Veranstaltung auf Facebook.

Außer der Teilnahme an einem Vigil freuen sich die Aktivist*innen vom Animal Save Movements Chemnitz auch über ein Like auf ihrer Facebook-Seite und einem Follow auf Instagram. Spread the love!

Seid gut zu euch!

~ Alina

 

Immer diese verfluchte kognitive Dissonanz beim nachhaltigen Lebensstil! – Entdecke den Dorfdepp in Dir!

Verflucht nochmal! Was soll denn kognitive Dissonanz bedeuten? Immer diese Fremdwörter. Keine Sorge, das wird gleich erklärt. Wenn Du bisher nachhaltig gelebt hast, dann wirst Du Dir voraussichtlich am Ende des Artikels selbst einige neue Fragen stellen. Mir ging es zumindest beim Schreiben schon so. Viel Spaß beim Ergründen Deiner kognitiven Dissonanz.

Was ist kognitive Dissonanz?

Kognitiv ist alles was die eigene Wahrnehmung und das eigene Erkennen betrifft, also wie Du Deine Umwelt und Dich bewertest und siehst. Und wenn etwas in Dissonanz ist, dann passt es nicht zusammen, weil es voneinander abweicht. Am einfachsten kann man sich das damit verbundene Gefühl vorstellen, wenn man sich einer unangenehmen Wahrheit bewusst wird. Beispielsweise, dass man sich als ehrlichen Menschen wahrnimmt, aber dann trotzdem regelmäßig auf die Fragen „Warst Du das?“, „Wie gefällt Dir das?“, „Sehe ich darin dick aus?“ oder „Wie geht es Dir?“ mit einer Lüge antwortet. Wenn man dann merkt, dass man in diesen Situationen eigentlich nicht lügen müsste, es aber trotzdem in einer gedankenlosen Regelmäßigkeit macht, dann nimmt man bei sich kognitive Dissonanz wahr – Denken und Handeln passen nicht zusammen.

Warum ist kognitive Dissonanz bei einem nachhaltigen Lebensstil vollkommen normal?

Wenn es um Nachhaltigkeit geht, dann scheint dieses Auseinanderdriften des eigenen Charakters unumgänglich und somit absolut normal zu sein. Warum?

„Du kannst (aktuell) nicht nachhaltig leben ohne regelmäßigen Selbstbetrug!“

Versorgst Du Dich selbst, stellst Deine Kleidung, Strom, Trinkwasser, Unterhaltung und alles andere komplett autark selber her? Woher kommen die Rohstoffe dafür? Wie kommen sie zu Dir? Wir sind so weit von einem natürlichen Leben der Ureinwohner entfernt, dass wir in globaler Arbeitsteilung leben und global aufeinander angewiesen sind. Ja, es gibt hier und da kleine Kommunen, die möglichst nachhaltig in einer Gruppe leben, aber auch diese Gruppen benötigen für ein „zivilisiertes“ Leben, wie wir es gewohnt sind, Rohstoffe und Arbeitswissen von außen.

Kurz Durchatmen. Jetzt gehen wir den Gedankengang ein wenig weiter. Lässt Du Kinder oder alte Menschen erschießen, sobald eine nachhaltig lebende Kommune nachwachsende Rohstoffe schneller verbraucht als diese (nachhaltig) nachwachsen können? Keine Sorge, darüber musst Du Dir keine Gedanken mehr machen, da wir diesen Punkt vermutlich schon vor mehreren Jahrhunderten bereits überschritten hatten. Sieben Milliarden ist schon ein Wort. Global gesehen dürften wir Menschen sicher aktuell einige Rohstoffe deutlich schneller verbrauchen als diese sich regenerieren können.

 

Angeblich soll es vor etwa 20 Jahren in England eine Partei gegeben haben, deren Ziel der Atomkrieg war, damit die Menschheit deutlich dezimiert wird. Halte ich als Methode für etwas harsch, um es freundlich zu formulieren. Die Partei ist ein Beispiel einer krassen Lösungsvariante, die hoffentlich damals satirisch gemeint war, aber das Kernproblem bombastisch in den Vordergrund rückte.

Bei sieben Milliarden Menschen werden nicht nur viele Ressourcen verbraucht, sondern auch viele Ressourcen umverteilt und transportiert, was ebenfalls eigentlich besser bedacht und gelöst werden müsste. Die meisten Menschen in der westlichen Welt leben ein durchschnittliches Leben, das sie so seit Kindesbeinen an gewohnt sind und oft auch nicht hinterfragen. Stellt man sich aber die Frage bezüglich der kompletten komplexen Verflechtung, dann merkt man, dass man schon einen extrem krassen Wechsel des Lebens- und Arbeitswandels machen müsste, um ohne kognitive Dissonanz ein wahrhaftig nachhaltiges Leben führen zu können.

Auch wenn man sich romantisch (v)erklärt dem komplett nachhaltigen Gesellschaftszustand als kleine urvölkerähnlich lebende Kommune annähert, kommt irgendwann der Punkt an dem die Einwohnerzahl kein nachhaltiges Gleichgewicht mehr ermöglichen würde. Regional ernähren, nachhaltig bauen, energiearm leben, usw. … das sind alles richtige Schritte in die richtige Richtung, aber diese überbrücken nicht den ganzen Weg zur reinen Nachhaltigkeit!

Darum möchte ich dafür werben, dass sich Menschen finden, die eine langfristig nachhaltig funktionierende Lösung finden, die es uns ermöglicht komplett ohne kognitive Dissonanz nachhaltig zu leben.

„Die Menschheit kann aktuell technisch und gesellschaftlich noch nicht perfekt nachhaltig leben!“

Mein persönlicher Favorit wäre die Erfindung des Replikators. Ein Gerät, das Müll in seine atomaren Bestandteile zerlegt und dann Neues aus den Atomen zusammenstellt, wäre die geniale Lösung bei der wir den aktuellen Lebensstandard erhalten und sogar verbessern könnten. Bis zur Erfindung eines ähnlichen Gerätes, müssen wir wohl damit leben, dass wir bei genauer Betrachtung immer nur etwas nachhaltiger als gestern leben können, weil die Menschheit technisch und gesellschaftlich noch nicht perfekt aufgestellt ist.

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Was ist „gut“ und was ist „böse“?

Wer bis jetzt noch nicht innerlich durchgeschüttelt ist, der darf sich auf den kommenden Abschnitt freuen. Bis jetzt ging ich von einem allgemein anerkannten Bild von Nachhaltigkeit aus, was jeder Leser sofort unterschrieben hätte, weil es in Foren und allgemeinen Diskussionen lautstark und von mehreren Leuten vertreten wird. Plastik ist böse, Strohhalme sind böse, Kaffeealukapseln sowieso und Fleisch essen grundsätzlich auch. Gemüse essen ist gut, Jutebeutel und Glasflaschen auch.

Fluch der globalen Vernetzung – Die lustige Dorfdeppenmetapher

Leider kann ich mich nicht mehr erinnern, von wem diese geniale Erklärung stammt, aber ich danke ihm für diese Erkenntnis! Es geht darum, dass damals vor der Zeit des Internets jedes Dorf einen Dorfdeppen hatte, welcher die abstrusesten Ideen und Gedanken verbreitete. Je nachdem wie abstrus und vehement er seine Meinung kund tat, erhielt er die entsprechende „Nordung“ durch die Meinung der Mehrheit.

Heutzutage werden die Dorfdeppen nicht mehr am Pranger mit Tomaten und faulen Eiern beworfen, sondern sie sitzen am Rechner und vernetzen sich. Es bilden sich online quasi Dorfdeppendörfer, die dann ihrerseits die Meinung Andersdenkender als „Dorfdeppenmeinung“ diffamieren und sich als Opfergemeinschaft gegenseitig bestärken, dass die anderen die Dorfdeppen seien und sie nicht!

Und wenn Du Dir jetzt die letzten beiden Absätze aufmerksam durchliest, dann erkennst Du sicher, dass auch DU ein Dorfdepp bist! Lass es kurz sacken. Ja, wir alle sind Dorfdeppen – auch ich bin einer – in unserem kleinen (Internet-)Dorf! Der nächste der Dich und Deine Meinung klasse findet ist nur eine Foren- oder Gruppensuche weit entfernt.

„Es gibt KEINE globale Instanz, die heutzutage mehr „gut“ oder „böse“ definiert.“

Der Umzug zwischen den virtuellen Dörfern ist so einfach und schnell, dass – meines Erachtens – wichtige soziale Fähigkeiten, die mit einem realen physischen Dorf einhergehen, komplett verloren gehen, nämlich die Fähigkeit Diskussionen auszuhalten. Was ist „gut“ und was ist „böse“? Ja, frag doch Deine Dorfgemeinschaft. Mist, die mögen Deine Meinung nicht. Dann sind DIE doch doof und Du ziehst klick klick tipp tipp zum nächsten besseren Dorf um.

 

Was will ich damit sagen? Es gibt KEINE globale Instanz, die heutzutage mehr „gut“ oder „böse“ definiert. Egal wo du hingehst, Du bist immer eine Umweltsau, ein Gutmensch, voll der tolle Vordenker, die vegane Superbraut oder der fleischessende Vernichter des Abendlandes. Unsere Gesellschaft hat es verpasst sich auf eine globale Gesellschaft einzustellen. Religionen waren damals ein Anker an dem sich die Mehrheit festhalten konnte, aber wie sieht es denn aktuell aus? Hast Du den Eindruck, dass sich eine weltweit anerkannte moralische Instanz halten oder entwickeln konnte? Also ich nicht.

Der Segen der globalen Vernetzung

Wir stehen vor der großen Herausforderung diese globalen moralischen Standards – nachträglich – zu etablieren. Und groteskerweise bietet die globale Vernetzung ebenfalls die Lösung für das riesige Problem an.

Alle „Dorfdeppen“ können gemeinsam über ihre Meinungen diskutieren und sich gegenseitig über Anregungen auch positiv weiterentwickeln. Man muss sich lediglich ein wenig selbst verändern und akzeptieren, dass es im Nachbardorf keine Klimaerwärmung oder kein Interesse an den Gefühlen von Tieren gibt. ABER, das wichtige ist, dass das Nachbardorf auch Werte, Ideen und Vorstellungen hat, die sich zu etwas kombinieren lassen, das beide Dörfer gut finden.

Diesen Spagat schafft man aber nur, wenn man eine weltoffene Für-Kultur entwickeln kann. Das ist Deine persönliche Wachstumsaufgabe: mach Dich stark FÜR eine deiner Meinung gute Sache und begeistere das Nachbardorf. Wer Gegen-Kultur lebt, der beleidigt lediglich die „Dorfdeppen“ von nebenan und disqualifiziert sich selbst zum noch größeren „Dorfdeppen“. Wer gegen andere vorgeht, der erntet Abwehr und Gegenangriff. Aber wer auf andere zugeht, der kann auch mal eine Einladung zum Kaffee und Kuchen erhalten, damit man eine gemeinsame Basis findet auf der aufbauend gemeinsame Moralstandards entwickelt werden können.

„Frage Dich immer: Warum macht der andere das so? Ist das vielleicht wirklich besser als meine eigene Vorstellung von „gut“?

Dank der globalen Vernetzung musst Du nicht selbst nach Japan, Australien, Grönland oder Trinidad fliegen um zu erfahren wie man gewisse Dinge bei denen sieht, sondern kannst das bequem von zu Hause aus machen. So einfach wie man auch eine Wollbettdecke bei uns online bestellen kann.^_^

Nachhaltig leben (2)

Was ist denn nun ein nachhaltiger Lebensstil?

Kannst Du die Frage immernoch genauso beantworten wie vor dem Lesen dieses Artikels? Diese Frage musste ich mir beim Schreiben des Textes genau an dieser Stelle ebenfalls stellen. Und wenn ich ehrlich bin, dann bin ich deutlich vorsichtiger mit einer Antwort als vor diesem Artikel und ich glaube, das ist auch absolut gut so. Hoffe ich. Was denkst Du darüber? Hast Du auch einen kleinen „Dorfdeppen“ in Dir entdeckt?

Als ich mit Alina über das Thema eines möglichen Gastartikels sprach, da sagte sie dass sie (als Veganerin) es spannend fände die Sicht eines Mischköstlers der nachhaltig lebt zu lesen. Ich liebe den Begriff „Mischköstler“! Lustigerweise haben sich da zwei „Dorfdeppen“ der Dörfer „Vegan“ und „Grillfleischliebhaber“ getroffen.

„Dorfdeppen“ in dem Sinn, dass es auf keine Kuhhaut geht – lol, man verzeihe mir die Metapher – was ich an Anfeindungen und irritierten Blicken in meinem Dorf ernten musste als ich sagte, dass ich eine (leckere) vegane Tomatensuppe von Alina testen möchte. Einfach so, weil es mich interessiert, ob sowas schmecken kann – ist schließlich vom „feindlichen“ Veganerdorf. Da ich dieses Nahrungsmittelmobbing nun selbst erlebt habe, kann ich mir sehr gut vorstellen wie mies sich so mancher Vegetarier und Veganer im Nachbardorf fühlen muss.

Ich will nicht wissen was sich Alina anhören muss nur weil sie jemanden hier was schreiben lässt, der das Wort Grillfleisch in positivem Kontext erwähnt. Aber sie macht es damit vollkommen richtig, da sie die oben erwähnte Für-Kultur lebt. Sie sagt mir schon was sie gut findet und was sie sich als moralische globale Regel wünscht und ich diskutiere mit ihr darüber und gemeinsam entdeckt man dann auch andere Wege miteinander auf dem selben Planeten möglichst nachhaltig zu leben.

Dieser gemeinsame Aspekt ist meiner Meinung nach der wichtigste! Womit können möglichst viele Menschen leben und was lässt sich einfach umsetzen? Was nützt ein nachhaltigallisches Dorf, wenn die Römer drumherum einfach spinnen und ganze Wälder roden oder neue Plastikinseln im Meer erschaffen? Recht wenig. Man fühlt sich in seinem Dorf zwar sehr gut, dass man das Richtige getan hat, aber das auch nur so lange wie es die anderen einem vergönnen.

Ein nachhaltiger Lebensstil sollte wie Liebe sein, nämlich er sollte mehr werden, wenn man ihn teilt.

Nachhaltigkeit Ernährung

Nachhaltigkeit und Ernährung

Mein Dorf sagt mir, dass es leider nicht ganz so einfach ist sich diesbezüglich eine gefestigte Meinung zu bilden.

Verwirrung um das Thema Ernährung

Es ist wichtig zu verstehen, dass es beim Thema Ernährung viele Beteiligte gibt, die sich wegen wirtschaftlichen Interessen bzw. vermeintlichen Zwängen seltsam verhalten. Klar lügt der eine oder andere, aber ich will hier unterstellen, dass es auch Beteiligte gibt, die es einfach nicht besser wissen und deshalb hinter einer Sache stehen, weil ihnen aktuellere Informationen fehlen. Diese Mischung aus den Bösen, den Unwissenden, den Guten und denen, die halt gerade an einer wissenschaftlichen Meinung eines anderen „Wissenschaftlerdorfes“ hängen, ergibt das aktuelle Bild unserer Ernährungsgurus und Erzeugerprodukten.

Wie komme ich auf so eine Meinung? Werbung aus den 1960ern oder 1970ern. Kaum zu glauben, aber das Superfruit 1965 war Deutsche Markenbutter! Schmiert das Herz, heilt die Nerven und verhindert Gallensteine. Während der Lightproduktewelle ab etwa den 1990ern war Butter dann der Dämon, der einem nicht ermöglichte so zu bleiben wie man will, aber Margarine flüsterte einem ins Ohr, dass man jetzt dürfe. Und 2014 titelte das TIME-Magazine „Eat Butter. Scientists labeled fat the enemy. Why they were wrong.“ Ja, was ist denn jetzt richtig? Tierische Fette besser als pflanzliche? Daumendick Butter damit man leichter abnehmen kann – flutscht ja angeblich alles besser durch?

Wem soll man noch glauben?

Es kommt irgendwann der Punkt an dem man erkennen muss, dass man kein diplomierter Landwirt, Lebensmittelchemiker, Hirnforscher, Internist oder was man sonst noch sein müsste, um ein möglichst wahres Bild der Situation zu bekommen. Der kleine Lebensmittelchemiker bei einem Getränkehersteller sieht ebenfalls nur seinen Ausschnitt des Puzzles bzw. die Glaubenssätze seiner Ausbildungseinrichtungen. Sobald man überhaupt verstanden hat, dass Ernährung ein so extrem komplexes Gebilde ergibt, kann man auf mehrere Weisen darauf reagieren. Zum einen kann man sich ergeben und vorbehaltlos der aktuell vorherrschenden Lehrmeinung glauben, was man als Ignoranz fehlinterpretieren könnte, wenn man möchte dass bspw. alle vegan leben sollen. Alternativ kann man auch aus Prinzip sagen, dass alles aktuell Gelehrte lediglich wirtschaflichen Interessen geschuldet ist und die Fleischindustrie ist so stark, dass man sie als Dämon gut hernehmen kann. Das sind zwei Extreme.

In meinen Augen wird die Wahrheit irgendwo dazwischen liegen. Das ist dann der härteste Weg, nämlich sich Gedanken machen welchen Aussagen man glaubt und welchen nicht. Daraus entsteht dann ein Patchwork aus Einstellungen und Verhaltensweisen, die dann noch mit der eigenen erlernten Wirklichkeit irgendwie in Einklang gebracht werden. Sobald man seinen eigenen moralischen Ernährungskodex zusammengestellt hat, dann wird dieser von allen Seiten mit Informationen, angeblichen Erkenntnissen, wahren Erkenntnissen und Emotionen torpediert und man weiß irgendwann selbst nichtmehr war das krebserregend, ethisch verwerflich, gerade nicht in Ernährungsmode oder erzeugt dieses Verhalten an anderer Stelle einen unvorhergesehenen negativen Effekt.

Der Weg aus dieser Verwirrung

Was vereint uns? Wenn man Fleisch isst, dann hofft man dass es gesund ist, dass das Tier möglichst wenig leiden musste und dass die Fleischproduktion möglichst wenig umweltbezogene Schäden hervorruft. Wenn man vegan isst, dann hofft man dass es gesund ist, dass die Pflanze möglichst wenig leiden musste und dass die Nahrungsproduktion möglichst wenig umweltbezogene Schäden hervorruft.

 

Man erkennt die Parallelen, die Ideen für gemeinsame Schritte geben und verbinden. Wenn Du mir bis hier her ohne Wutausbruch folgen konntest und vielleicht noch meinen Ausführungen zustimmst, dann solltest Du mir auch zustimmen können, dass selbst viele kleine Schritte besser sind als ganz wenige große. Es müssen mehrere Milliarden Menschen in der Lage sein dem nachhaltigen Weg folgen zu können.

Konkret kann man als Mischköstler beispielsweise vegane Gerichte ausprobieren. Oder noch besser: Vegan lebende Menschen könnten Mischkostler zum Essen einladen. Warum? Eine befreundete Vegetarierin hat mir zuliebe sich als Gastgeberin nach einer Übernachtung an Rührei mit Speck und Wurstbrot zum Frühstück probiert. Ich honoriere diese wunderbare liebevolle Geste, aber als jemand, der niemals nichtvegetarisch kocht, war sie mir doch ein wenig zu experimentell. Umgekehrt waren selbst bei Restaurants, also bei ausgebildeten Köchen, zu Beginn der Vegetarierbewegung die vegetarischen Gerichte, die Fleischgerichte nur ohne Fleisch! Ein anderer befreundeter Vegetarier erklärte mir, dass das für ihn sehr ätzend war. Spätzle mit Bratensauce ist laut ihm auch ohne den Rollbraten nicht ganz vegetarisch. Insgesamt sind solche negativen Erfahrungen vorprogrammiert, weil es sich um zwei unterschiedliche Kochstile handelt mit Zutaten mit unterschiedlichen Eigenschaften.

Alinas vegane Pancakes hatten bei mir eine Verlustrate von über 30%, weil Mehl und Ei sich in der Pfanne komplett anders verhält. Die Folge waren rohe Pancakes, schwarze Pancakes, Pancakes, die noch so halb roh waren, aber auch leckere Pancakes. Nur Erfahrung schärft das Auge für den richtigen Garpunkt oder die Anleitung einer Expertin. Hallo Alina!

„Wenn etwas gut schmeckt, dann wird das Label ‚vegan‘ nebensächlich.“

Beim Fleischkonsum gehe ich für mich den Weg „Weniger,Lokal und Besser“. WLB unterstützt nebenbei die letzten verbliebenen Metzger der Region und auch die Kleinbauern im Umkreis. Am Sonntag wird normalerweise der Essensplan für die Woche gemacht und überlegt wann die Tage ohne Fleisch eingebaut werden. Macht man das einfach täglich spontan, dann siegt oft die jahrzehntelang eintrainierte Gewohnheit Dönermann, Pizza, SchniPoSa oder Currywurst, weil es schnell geht und lecker ist. Wenn aber Kartoffeln mit Frühlingsquark oder Pfannkuchen mit Spinat auf dem Plan stehen, dann klappt das besser, eben weil sie auf einem Plan stehen.

Gewohnheiten sind da und werden gepflegt. Sobald zwei fleischlose Tage feste Gewohnheit sind, dann gehen auch drei und irgendwann auch vier. Dann sind diese Gewohnheiten auch resistent gegen solche Sätze wie „Willst Du heute nichts Gescheites essen? Grünzeug macht doch nicht glücklich!“ Nachhaltigkeit ist da wie Gute Vorsätze zu Silvester – erst die regelmäßige Gewohnheit ermöglicht eine langfristige Umsetzung. Und es muss sich gut anfühlen. Also wer gut vegan kochen kann, der kann mir gerne die Tricks und Kniffe beibringen, damit vegan kochen mit weniger Frust und mehr Genuss verbunden ist.

Fazit

Nachhaltiger Lebensstil ist eine innere Einstellung, die den „Dorfdeppen“ in Dir und den Weg der kleinen Schritte akzeptieren kann. Wer mit Maximalforderungen sein nachhaltigallisches Dorf befestigt, der tätschelt zwar sein Ego, wird aber die nötigen gesamtgesellschaftlichen Änderungen eher blockieren als vorantreiben. Gemeinsame kleine Schritte sind nicht nur im Bereich Ernährung wichtig, sondern auch im Gesamtsystem zu betrachten. Diese Lust an der ganzheitlichen Betrachtung und die Toleranz gegenüber „Fehlern“ sind meines Erachtens der Kern eines nachhaltigen Lebensstils. Eine globale Nachhaltigkeit ist aktuell noch eine unerreichbare Utopie, aber jeder Schritt ist möglichst schnell zu vagen und sehr wichtig.

Ich wünsche jedem ein Dorf voller toller nachhaltiger Ideen.

Liebe nachhaltige Grüße von Thorsten von Wollbettdecke.de

 

Dokus zum Thema Tierrecht/Veganismus

Die folgenden Filme habe ich alle selbst gesehen und zu den Besten ihrer Branche erkoren: informative und gut recherchierte Filme, die schon vielen Menschen die Augen geöffnet haben. Viele der aufgelisteten Filme zeigen brutale Gewalt, Misshandlungen, Folter, Vergewaltigung und Mord an Tieren. Wenn du bereits vegan lebst und entsprechend sensibilisiert bist, gibt es für mich keine Veranlassung, dich der Tortur dieser Aufnahmen auszusetzen.

Jedem Menschen, der sich (noch) nicht vegan ernährt und / oder vegan lebt, möchte ich ermutigen, sich die Dokus anzusehen.  Nein, wenn du die Filme nicht gesehen hast und nicht vegan lebst, hast du nicht begriffen… Wenn du tierische Produkte konsumierst, dann stell dich der Realität. Wenn du nach diesen Filmen und allem, was du über die Zustände in der Massentierhaltung, den Welthunger und die Gründe für den Niedergang des Planeten gelernt hast noch immer tierische Produkte konsumierst, dann ist es so. Vermutlich wirst du das aber nicht tun, weil jeder Mensch mit Herz und Verstand blickt, wie seine eigene Verhaltensweise mit diesen Zuständen zusammenhängt.

Denk immer daran: Du als Konsument*in gibst diese Dinge in Auftrag, wenn du entsprechende Produkte kaufst. Dein Einkaufszettel ist ein Stimmzettel, jedes Mal. Zusammen haben wir die Macht, die Welt zu einem Zuhause für alle Lebewesen zu machen.

 

1 Earthlings (deutsch, ganzer Film)

Earthlings hat wohl von allen Filmen zum Thema die meisten Veganer*innen generiert. Dieser Film, im englischen Original gesprochen von Joaquin Phoenix, zeigt die tatsächlichen Zustände in globaler Tierhaltung für Fleisch, Milch und Wolle, informiert über Zoos und Zirkusse, Tierversuche und stellt die Verbindung zwischen all diesen Themen her. Ein wunderbarer, schwer verdaubarer Film, den ich gerne zum Schulabschluss verpflichtend machen würde. Taschentücher bereithalten!

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

2 Cowspiracy (Trailer, deutsche Untertitel)

Investigativer Film über die Auswirkungen der Viehzucht auf unseren Planeten und die starke Fleisch- und Milchlobby, die die unbequemen Wahrheiten unter den Tisch zu kehren versucht.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

3 Gabel statt Skalpell (ganzer Film, deutsch)

Dieser Film zeigt den Zusammenhang von Erkrankungen mit der heutigen Ernährung auf und beleuchtet weit verbreitete Ernährungsmythen.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

4 We Feed The World (ganzer Film, deutsch)

Dieser wunderbare Film zeigt auf, in wie fern der Welthunger mit unserem Ernährungs- und Lebensstil zu tun hat und mit welchen Mitteln Großkonzerne die globalisierte Welt systematisch zu ihren Gunsten untereinander aufteilen und uns dabei für dumm verkaufen.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

5 Food, Inc. (Trailer, deutsch)

In diesem tollen Film wird erklärt, wie Großkonzerne die Lebensmittelindustrie beherrschen und wie Genmanipulation und Hormone in unserem Essen zum Einsatz kommen.

 

 

 

 

 

 

 

6 Hope for All (Trailer, deutsch)

„Hope for All“ ist ein großartiger Film, der den Zuschauern die Doppelmoral des typisch westlichen Lifestyles vor Augen führt und speziell auf die Zusammenhänge von Ernährung und Volkskrankheiten eingeht.

 

 

 

 

 

7 More than Honey (Trailer, englisch)

„More than Honey“ ist ein super produzierter Film, der die Antwort auf die Frage liefert, warum auch Honig nicht vegan ist.

 

 

…soon to come: Dominion

Dominion wird 2018 erscheinen und mit an Sicherheit angrenzende Wahrscheinlichkeit ein hochemotionaler Film werden. Die Aufnahmen im Trailer stammen unter anderem aus Riesenfarmen in Australien, wo Tiere in Mengen fernab unserer vorstellbaren Dimensionen gehalten werden.

 

 

Top Onlinestores für Veganer*innen

Hier findest du meine persönlichen Lieblingsseiten im Netz, wenn es um die großen und kleinen veganen Anliegen und Wünsche geht.

Sei es, dass du unbedingt mal „Seitan fix“ probieren willst, aber es ist in deiner Umgebung nicht erhältlich, du suchst ein neues Parfum oder brauchst ein paar schöne Winterschuhe: hier wirst du ganz bestimmt fündig! Viel Spaß beim Stöbern…

 

Merch: Klamotten, Sticker, Buttons, Flyer… Prepare for protest!

 

Schuhe

 

Kosmetik / Parfum

 

Lebensmittel / Ersatzprodukte

Bei veganen Ersatzprodukten möchte ich anmerken, dass es für mich selbstverständlich ist, Lebensmittel, die ich auch im Einzelhandel kaufen kann, nicht im Internet zu bestellen… Wenn ihr jedoch ländlich lebt (ja, ich weiß, da ist es oft schwer an vegane Ersatzprodukte zu kommen!) oder aus sonstigen Gründen keinen Zugang zu den Produkten habt, finde ich eine Online-Bestellung okay.

 

Vegane Kondome

Vegan zu leben ist eine Entscheidung, die ich aus Liebe treffe… und auch beim Liebe machen möchte ich persönlich definitiv kein Tierleid in Kauf nehmen! Wenn es dir auch so geht : hier bist du genau richtig! Vegane Kondome for everybody!

Vegane Kondome? Sind die nicht alle vegan?

Kondome bestehen aus Naturkautschuk. Wie du sicherlich weißt, sind sie in verschiedensten Größen, Farben, Formen, mit verschiedenen Oberflächenstrukturen und Geschmacksrichtungen erhältlich, so dass wirklich für Alle etwas passendes dabei ist. Wer sich und seine*n Partner*in also verantwortungsvoll vor sexuell übertragbaren Krankheiten und möglicherweise auch vor einer Schwangerschaft schützen möchte, kann aus einer großen Auswahl an Modellen wählen.

Leider wird bei der Herstellung der meisten Kondome Kasein als Bindemittel verwendet, um große Elastizität zu gewährleisten. Kasein ist das ist das Milchprotein, das üblicherweise zu Käse weiterverarbeitet wird. Verrückt oder? Da Kasein also tierischen Ursprungs ist, sind alle mit Hilfe von Kasein hergestellten Kondome nicht vegan: auch Durex und Billy Boy nicht!

Vegane Kondome: Welche Alternativen habe ich?

Wie immer gibt es tolle tierleidfreie Alternativen, von denen ich dir hier drei etwas näher vorstellen möchte, damit du während zweisamer, dreisamer, viersamer… Stunden an Schöneres als traurige Kühe denken kannst!

1 Einhorn

Die Kondome der Berliner Marke „Einhorn“ sind durch toll designte Verpackungen und witzigen Slogans bekannt geworden. Doch nicht nur optisch machen die Pariser eine gute Figur: Das Unternehmen ist um Transparenz hinsichtlich Produktionsbedingungen in Malaysia und Ökobilanz bemüht und legt einen sympathischen Internetauftritt auf Augenhöhe hin. Hergestellt und abgepackt werden die Kondome in Deutschland. Preislich sind sie mit derzeit ca. 1,07€ pro Kondom (Stand November 2017) schon im gehobeneren Bereich, allerdings für vegane Kondome noch im mittleren Preisfeld.

2 Glyde

Das australische Unternehmen Glyde Health Pty. Ltd. stellt bereits seit 2006 vegan zertifizierte Kondome her, die weltweit vertrieben werden. Als Ersatz für Kasein wird bei Glyde ein Distelextrakt verwendet. Mit 0,98€ pro Kondom (Stand November 2017) ist Safer Sex auch hier nicht besonders günstig, allerdings auch kein Weltuntergang. Die Internetpräsenz des Unternehmens ist nicht sehr transparent, über Bedingungen bei der Herstellung des Kautschuks und ökologische Gesichtspunkte wird eher nebensächlich informiert, wobei das Unternehmen im Kleingedruckten durchaus angibt, der Kautschuk werde auf einer nachhaltig angelegten Latexplantage in Malaysia gewonnen, abgepackt und fair gehandelt.

3 Unique Condoms

Die latexfreien Kondome sind durch ihre Materialbeschaffenheit hypoallergen und kommen damit auch für Menschen mit Allergien in Frage. Sie sind mit einem Preis von ca. 1,20€ pro Kondom (Stand November 2017) preislich ziemlich happig, kommen dafür aber auch in einer nur kreditkartengroßen, sehr flachen Verpackung, sodass sie diskret im Portemonnaie verstaut werden können. Zusätzlich ist mit den Kondomen eine sogenannte Kondomkarte erhältlich, die eine Verwendung des Kondoms auf dem Penis erlaubt, selbst wenn dieser noch nicht erigiert ist: Dadurch soll Mann* schon vorbeugen und so die für ihn möglicherweise unangenehme „Kondomüberstreiferei mittendrin“ vermeiden können. Auf jeden Fall eine clevere Idee, auch wenn der Trend meines Wissens nach in Deutschland noch nicht angekommen ist. Hinsichtlich Produktionsbedingungen und Herstellung hält sich das Unternehmen zurück. Schade, da  Transparenz häufig ein Zeichen  Maßnahmen hinsichtlich unzureichendem Arbeiter*innenschutz und einem ökologisch sinnvollen Umgang mit Ressourcen sind.

Keine Zeit zum lange Suchen? Dann fix:

Rossmann Preventivo Sensitiv / Feelings / Mix

Mit gerade mal 0,20€ pro Stück sind die Kondome der Rossmann Eigenmarke die klaren Preissieger! Ganz klar muss hier aber auch berücksichtigt werden, dass die Produktionsbedingungen nicht transparent einsehbar sind und daher vermutlich nicht gut sind.

Viel Spaß!

Sei gut zu dir!

~ Alina

 

Öko-Minimalismus: Basics für ein nachhaltiges Leben!

Auf den gefassten Entschluss „Von jetzt an…“ folgt dann oft auch schnell die erste Ernüchterung. Plötzlich sieht man all diese Dinge, die auf der Welt verkehrt laufen und noch mehr, noch mehr, noch mehr… Wo soll ich da anfangen etwas zu ändern?

Um die ersten Schritte in eine minimalistischere, ökologischere und vor allem auch zufriedenere Zukunft zu gehen, sieh dir doch mal die folgenden Basics an, die ich zusammengetragen habe, um direkt loslegen zu können.

1 Trink Wasser aus der Leitung

Wasser aus unseren Leitungen ist bestens geprüft und enthält alles, was du zur gesunden Hydrierung deines Körpers brauchst. Wasser aus Flaschen geht oft eine lange Logistikkette voraus, die die Umwelt belastet und unnötig Ressourcen verschwendet. Wasser aus Plastikflaschen verursacht zusätzlich eine erhöhte unnötige Plastikproduktion. Ich verwende den Wassersprudler mit Glaskaraffen von Sodastream seit Jahren zu Hause und bin damit total zufrieden.

2 Koch für dich

Schau dir die Lebensmittel an, die du in deinen Körper lässt. Nahrung ist der Sprit deines Körpers und je nachdem, was du ihm anbietest, „läuft“ er auch besser oder schlechter. Etwas selbst gekochtes zu essen, ist außerdem ein tolles Gefühl plus du lernst so viel, es wird dich sicherlich überraschen.

3 Geh raus

Lauf, um des Laufens willen. Fahr Fahrrad, weil es Spaß macht. Es ist ein tolles Gefühl, sich durch die Kraft des eigenen Körpers fortzubewegen. Du hast die Möglichkeit, deinen Körper und deine Umgebung viel bewusster wahrzunehmen.

 

4 Stell die Glotze ab

Und zwar eigentlich nicht nur den Fernseher, der nur sinnbildlich für jegliche Unterhaltungselektronik stehen soll. Wir alle werden täglich bombardiert mit Bildern, Musik und Informationen aller Art. Mach dich freier, schalte bewusst ab. Frage dich, warum du dich nur entspannen kannst, wenn irgendetwas dudelt, und sei es nur im Hintergrund. Nimm dir Zeit für dich, für deine Gedanken. Und vor allem: Lass das Handy mal aus oder gleich zu Hause, wenn du etwas für dich machst!

5 Kaufe bewusst

Um unnötige Käufe zu vermeiden, nimm das Produkt am besten in die Hand und überlege dir, ob du es entweder brauchst (etwa, weil etwas anderes nicht mehr funktioniert) oder ob du es wirklich magst. Ich finde es völlig in Ordnung Dinge zu kaufen und zu besitzen einfach weil man sie mag, jedoch werden die meisten Dinge aus einem ersten Impuls heraus gekauft, werden zu Hause direkt in die nächste Ecke gelegt und vergessen. Nach und nach sammelt sich so ein Friedhof aus praktisch neuwertigen, aber weder gebraucht noch gewolltem Zeug an, dass dann oft zu schade und teuer zum wegwerfen oder verschenken erscheint, sodass es bleibt… Denn wer weiß, vielleicht brauche ich es dann nochmal? Wir alle haben das schon oft gedacht und in den allermeisten Fällen haben wir dann, wenn es so weit war, nicht mehr gewusst, dass wir diese Sache ja besitzen oder sie nicht gefunden. Deswegen: Zweimal Überlegen vor dem Kauf.

6 Konsumiere bedacht

Brauchst du jede Woche Kiwis im Januar? Es geht nicht darum, dir nichts mehr zu gönnen, sondern um ein ressourcenschonendes und respektvolles Konsumverhalten. Sieh dir doch mal an, wann welches Obst und Gemüse Saison hat und informiere dich auf den kleinen Schildchen an Lebensmitteln über ihre Herkunft. Gleiches gilt ebenso über Kleidung, Elektronik… Der Schlüssel ist dein Wissen! Denk immer daran, dass du als Konsument*in eine unheimliche Macht zur Veränderung in dir trägst und jeder deiner Einkaufszettel auch ein Stimmzettel ist. Nutze deine Kraft und sei Teil der Bewegung, die diese Erde einen Ort macht, der für Mensch und Tier lebenswert ist.

Vielleicht hast du Lust, mal meine Tipps für bewusstes Einkaufen im Supermarkt anzusehen?

7 Stell deine Reinigungsmittel um

Es ist so simpel und doch so effektiv! Fast alle handelsüblichen Reinigungsmittel enthalten schlecht oder gar nicht biologisch abbaubare Substanzen. Sie sind aggressiv zu den zu reinigenden Oberflächen und genauso auch zu deiner Haut. Ich putze mit einer Mischung aus Wasser und Essig (ca. 3:1), dazu einen Schuss ätherisches Öl (Orange und Zitronengras sind toll). Einen Orangenreiniger mit Essig kannst du auch ganz leicht aus Küchenabfällen herstellen!

8 Lern etwas Neues

Bestimmt gibt es etwas, was dich eigentlich schon lange in den Fingern juckt, du hast aber noch nie die Muße gehabt, es auch durchzuziehen. Du würdest gern italienisch sprechen? Dann leg los! Besuch einen Kurs, kauf dir ein Buch und mach es! Oder noch besser, fahr gleich hin und lern es vor Ort. Du wolltest immer schon mal Judo machen? Geh doch mal zu einer öffentlichen Probestunde. Wenn du erstmal anfängst dich zu informieren, glaub mir, du wirst fündig werden. In jeder größeren Stadt gibt es zahlreiche Angebote und vieles kann man auch online lernen. Es wird dich wacher machen, dir neuen Input geben und dein Leben reichhaltiger machen. Versprochen!

Sei gut zu dir!

~ Alina

 

Vitamin B12: Mythos oder Mangel?

Mythen ranken sich um das berühmte Vitamin B12. Es gibt wohl keine*n einzige*n Veganer*in, die noch noch nicht mit dem Vorwurf konfrontiert wurde, sie oder er sei mangelernährt – seien es nun die Proteine oder eben Vitamin B12. In diesem Beitrag möchte ich auf diesen Vorwurf etwas näher eingehen und hoffe, damit etwas Licht ins Dunkle zu bringen: Und dir ein paar Fakten, um beim nächsten Veganer-Bullshit-Bingo nicht ganz doof da zu stehen.

Das Vitamin B12 gehört zu den sogenannten Cobalaminen. Es ist für unsere Gesundheit unerlässlich: Es beeinflusst die Blutbildung, ist am Eiweißstoffwechsel beteiligt, wird zur Herstellung von Neurotransmittern und zur Entgiftung gebraucht, schützt die Nerven und wird zur Energiegewinnung benötigt.

Entgegen der geläufigen Ansicht, es komme nur in tierischen Organismen natürlich vor, wird Vitamin B12 von Bakterien gebildet, die einerseits in der Erde, aber auch im Darm von Mensch und Tier vorkommen. Die Menge an B12, die in einer gesunden Darmflora gebildet wird, ist allerdings absolut unzureichend für den Bedarf. Das bedeutet, eine ausreichende Versorgung mit Vitamin B12 kann nur durch eine äußere Zufuhr gewährleistet werden. Tatsächlich gibt es keine Möglichkeit, sich vegan ohne Supplemente mit ausreichend Vitamin B12 zu versorgen! Vitamin B12 wurde bis jetzt in einer Alge namens Chlorella nachgewiesen, auf mehr Infos darf in den nächsten Jahren gehofft werden.

Also: Vitamin B12 wird von den Bakterien in der Erde gebildet. Früher haben die Menschen das B12 durch die etwas schmutzigen und vor allem ungespritzten Früchte und das Gemüse gegessen. Heute sind die Böden durch die intensive Landwirtschaft zerstört, der letzte Rest Erde wird durch die Verarbeitung der Lebensmittel abgewaschen. Kurzum: Heute kann man Vitamin B12 nur ausreichend über den Konsum tierischer Produkte oder eine Supplementierung decken. Vitamin B12 ist übrigens besonders in den Innereien der Tiere angelagert, über die Muskeln bis hin zu Milch nimmt die Konzentration natürlich ab.

Wenn ich als Veganer*in Vitamin B12 supplementiere, dann ist das nicht unnatürlicher, als dem Tier B12 zuzuführen und dann das Tier zu essen. Im Grunde genommen überspringe ich nur einen Schritt.

Da Vitamin B12 extrem wichtig für den Erhalt der Körperfunktionen ist, versucht der Körper so gut er kann, Vitamin B12 zu sparen und legt Depots an. Diese Depots sorgen dafür, dass man zwischen drei und fünf Jahren (manche Studien behaupten bis zu sieben Jahren) auch ohne B12-Supplementierung nicht zwangsläufig Mangelerscheinungen hat. Trotzdem gilt: Sobald ich anfange, mich vegan zu ernähren, sollte ich B12 zuführen.

Einige Veganer*innen rechtfertigen die eigene Nichteinnahme eines B12-Präperates damit, sie würden entsprechende Mengen selbst bilden oder über Nahrungsmittel wie Hefeflocken (denen künstlich B12 zugesetzt ist) den eigenen Bedarf abdecken. Das ist allerdings Quatsch. Bei Vitamin B12, ebenso wie bei vielen anderen Vitaminen, gibt es einen gewaltigen Unterschied zwischen täglichem Bedarf und täglich benötigter Zufuhr! Da Vitamin B12 unterschiedlich gut von verschiedenen Menschen verstoffwechselt werden kann, brauchen alle Menschen auch eine unterschiedlich hohe Zufuhr.

Meine Empfehlung wäre, zu erst mit einer Dosierung von 1000 µg täglich zu beginnen und nach drei Monaten einen ersten Bluttest bei deine*r Ärzt*in machen zu lassen. Die Kosten hierfür musst du in aller Regel selbst tragen, sie betragen etwa zwischen 15 bis 30 Euro pro getestetem Wert. Manchmal können die Ärzt*innen die Untersuchung auch im Rahmen einer Vorsorgeuntersuchung abrechnen, das ist aber nur meine persönliche Erfahrung.

Aber aufgepasst: Der reine B12-Wert ist nicht besonders aufschlussreich, er gibt lediglich an, wieviel B12 momentan in deiner Blutbahn vorliegt. Der sogenannte Holo-TC (Holotranscobalamin) gibt Aufschluss über die Menge von aktivem Vitamin B12. Ist einer dieser Werte erniedrigt, kann zur Abklärug noch Methylmalonsäure oder Homocystein getestet werden, sprich in diesem Falle bitte mit deiner Ärzt*in. Je nach Wert, kannst du deine Zufuhr von B12 dann erhöhen oder verringern.

Ich persönlich nutze für die Supplementierung Jarrows 1000 µg, da in diesen Lutschtabletten Cobalamin in einer für den Körper gut aufzunehmenden Variante vorliegt. Es gibt allerdings auch die Möglichkeit, dein B12-Bedarf über entsprechende Sprays oder Spritzen durch die / den Hausärzt*in abzudecken.

Ich wünsche dir viel Erfolg bei deiner Supplementierung!

Warum vegan?

Die Gründe, sich für eine vegane Ernährung und vielleicht auch einen veganen Lebensstil zu entscheiden sind vielfältig und haben sicherlich alle ihre Berechtigung.

Meine persönliche zentrale Motivation stellt die größtmögliche Vermeidung von Tierleid dar. Vielen Menschen ist nach wie vor nicht bewusst, dass dieses nicht ausschließlich bei der Fleisch“produktion“ entsteht, sondern im gleichen Maße auch bei der Tierhaltung zur Gewinnung von Milch oder Eiern.

„Aber eine Kuh gibt doch sowieso Milch!“

Schon lange hat die Realität in Tierhaltungsbetrieben rund um die Welt nichts mehr mit dem verklärt-idyllischen Bild zu tun, das wir haben, wenn wir an glücklich grasende Kühe auf einer Alm denken, die morgens und abends jeweils per Hand gemolken werden. Tatsächlich muss eine Kuh, ebenso wie ein Mensch, Nachkommen zur Welt gebracht haben, damit sie Milch gibt.

Und da zeigt sich schon die erste Perversion: Der Mensch trinkt die Muttermilch einer anderen Spezies. Die Milch, die für das Kalb alle wichtigen Nährstoffe für ein gesundes Leben bereithält, wird ihm entrissen und stattdessen wird sie getrunken von erwachsenen Lebewesen einer anderen Art. Der Mensch ist das einzige Lebewesen, das ohne zu hinterfragen die Muttermilch einer anderen Spezies trinkt. Viel natürlicher wäre es da doch eigentlich, die Muttermilch einer Frau zu sich zu nehmen, immerhin gibt diese Milch, die optimal auf die Bedürfnisse eines menschlichen Babys ausgerichtet ist.

Nach dem Kalben gibt eine Kuh bis zu 350 Tage lang Milch um ihrem Kalb einen guten Start ins Leben zu ermöglichen. Mit der Zeit wird der Milchfluss allerdings weniger, immerhin ernährt sich das Kalb zunehmend selbstständig. Da dies für die Milchproduzent*innen aus kapitalistischen Gründen nicht hinzunehmen ist, wird die Kuh bereits 3 Monate nach der Geburt des Kalbs erneut künstlich besamt.

Das Kalb selbst wird der Mutter kurz nach der Geburt entrissen und erleidet je nach Geschlecht ein eigenes grausames Schicksal. Ist das Kalb männlich wird es wenige Wochen, in aller Regel in großen Betrieben auf Schlachtgewicht gemästet, getötet und landet als Kalbsfleisch in Supermarktregalen. Auch einem weiblichen Kalb kann dies passieren, wahrscheinlicher ist es allerdings, dass es sobald wie möglich selbst künstlich besamt und dann zur Milchproduktion gezwungen wird, wo es bald schon seine Mutter ersetzt.

Die durch die ständige Befruchtung künstlich beschleunigte Milchproduktion stellt für die Kühe im Bezug auf den Stoffwechsel eine enorme Belastung dar. Jährlich gibt sie immerhin das zehn- bis zwanzigfache ihres eigenen Körpergewichtes an Milch ab. Hinzu kommen die oftmals miserablen Haltungsbedingungen, das Stehen auf Metall, die Bewegungsarmut, überlastete Gelenke durch schwere Euter, Euterinfektionen durch die Sauganlagen und vieles weiteres. All das führt dazu, dass eine Kuh nach drei bis vier Jahren intensiver Milchgabe für die Milchproduzent*innen wirtschaftlich nicht mehr tragbar ist und geschlachtet wird.

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„…Aber Eier legen tut dem Huhn doch nicht weh!“

Damit ein Ei gelegt werden kann, braucht es bekanntermaßen erst die Henne. In modernen Anlagen legen tausende Hennen in engen Käfigen Eier, die auf Förderbändern abtransportiert werden. Zur „Produktion“ neuer Legehennen, werden diese Eier in großen Bebrütungsanlagen vollmaschinell ausgebrütet.

Da man das Geschlecht eines Kükens erst nach der Geburt feststellen kann, werden die frisch geschlüpften Küken auf Förderbändern an Menschen vorbeigefahren, die diese in männlich und weiblich einteilen. Beim sogenannten „Kloakensexen“ wird mit den Fingern Druck auf die Kloake ausgeübt, wodurch der Penis hervortritt. Mit dieser Methode kann ein geübter Mensch bis zu 2000 Küken pro Stunde mit einer sehr geringen Fehlerquote sortieren.

Die aussortierten männlichen Küken werden brutal getötet, finden entweder den Tod in einem Schredder oder werden mittels eines eingeleiteten Gases qualvoll erstickt. Jährlich finden allein in Deutschland 50 Millionen sogenannter „Eintagsküken“ (welch Spott) so ihr leidvolles Ende und zwar unabhängig davon, ob es sich um einen Bio-Betrieb handelt oder nicht. Die weiblichen Küken werden so schnell wie möglich selbst zur Eierproduktion genutzt, wo sie ihr kurzes Leben in Massentierhaltung verbringen, stehend auf Gittern, krank, ohne Sonne.

Ein Huhn wird unter natürlichen Bedingungen circa 9 Jahre alt – eine Legehenne nur etwa 15 Monate. Wusstest du schon, dass Hühner schon während ihr Nachwuchs noch im Ei ist, über Pieplaute Kontakt zu diesem aufnehmen? Die sensiblen Tiere schützen ihre Jungen verantwortungsvoll vor Gefahren und bringen ihnen alles für ein selbstständiges Leben bei. Bei Legehennen wird selbst der Bruttrieb genetisch manipuliert, sodass die Hühner ihre Eier unbebrütet liegen lassen. Mittels dieses Vorgehens kann eine einzige Legehenne bis zu 300 Eier jährlich legen, welches eine massive Belastung darstellt.

Hühner, die für die „Fleischproduktion“ gehalten werden, sind ebenfalls genetisch manipulierte Hybridhühner. Sie werden in Mastanlagen innerhalb weniger Wochen auf Schlachtgewicht gemästet, wodurch sie so schwer werden, dass ihre eigenen Füße sie oft nicht mehr tragen können. Durch ihre genetische Manipulation sind sie immer hungrig und setzen schnell Fett an. Ihr kurzes und trauriges Leben endet in einer vollautomatischen Tötungsanlage, in der die Tiere meistens mittels Elektroschock betäubt werden, einer Methode, die oft nicht funktioniert. Danach werden den Tieren, ebenfalls vollautomatisch, die Federn und der Kopf entfernt

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„Interessiert kein Schwein!“

Wie weitestgehend bekannt ergeht es Tieren, vornehmlich Schweinen, Rindern und Geflügel, welche zur Schlachtung gehalten werden, nicht besser als Legehennen oder Milchkühen. Die Tiere werden in Hallen ohne Tageslicht gehalten, stehen eng aneinander ohne ausreichend Bewegung oder sinnvolle Beschäftigung.

Intelligente Tiere, wie etwa das Schwein, sind in dieser Einöde absolut unterfordert und können ihren Gewohnheiten nicht nachgehen. In Freiheit sind Schweine sehr reinliche Tiere, sie würden niemals ihr Geschäft an dem gleichen Ort verrichten, an dem sie auch essen. Sie kümmern sich liebevoll um ihren Nachwuchs und haben ein reges Sozialleben. In der Intensivtierhaltung, wie es förmlich umschrieben wird, leben Sauen oftmals in Kastenständen. Die Tiere sind aufgrund der Langeweile aggressiv und legen aufgrund der miserablen Haltungsbedingungen und psychischem Stress sogar kannibalistisches Verhalten an den Tag. Damit die Schweine sich nicht gegenseitig decken, werden sie unbetäubt kastriert und zur Vermeidung von gegenseitigem Verletzen, werden ihnen Zähne gezogen und Schwänze abgeschnitten. Bei Kühen ist es ähnlich, es werden hier Hörner entfernt.

In Deutschland allein werden jedes Jahr 60 Millionen Schweine geschlachtet. Gleichzeitig landen jährlich 346 Millionen Kg Fleisch auf dem Müll! Das entspricht 45 Millionen Hühnern, 4 Millionen Schweinen und 200 000 Rindern.

„Na, wenns nur das ist!“

Außer den bisher aufgeführten katastrophalen Folgen des Konsums tierischer Produkte für die betroffenen Lebewesen, sprechen auch zahlreiche andere Gründe für einen Verzicht auf Lebensmittel mit tierischen Inhaltsstoffen. Tierhaltung im großen Stil ist maßgeblich beteiligt an der weltweiten Verschmutzung des Trinkwassers mit Nitraten und fördert den Welthunger durch den Verbrauch irrsinnig vieler kostbarer Ressourcen für die Fütterung der Tiere. Je nach Quelle werden zwischen 95-98% der weltweiten Soja-Ernte für die Massentierhaltung verwendet. Diese Menge an wertvollen Kalorien könnte einen großen Beitrag zur Beendigung des Welthungers beitragen.

Internationale Studien haben zudem den großen gesundheitlichen Nutzen einer pflanzlich basierten Ernährung gezeigt: Sie hilft beispielsweise Volkskrankheiten wie Diabetes vorzubeugen, führt aber auch zu einer geringeren Aufnahme von Antibiotikarückständen in der Nahrung und damit zu einer geringeren Ausbildung von Resistenzen.

Es gibt unzählige Gründe, auf den Konsum tierischer Lebensmittel zu verzichten!

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