Feng Shui: Karen Kingston, du hast mein Chaos ruiniert!

Karen Kingston, du hast mein Chaos ruiniert oder wie mich Feng Shui inspiriert hat, mein Leben aufzuräumen.

Feng Shui? Alles von vorne…!

Eine der wichtigsten Lektionen meines Lebens habe ich mit 15 im Matheunterricht erhalten. Der Mathelehrer sah eine ganze Weile zu, wie ich hektisch mein Ringbuchchaos nach meinem Arbeitsblatt vom letzten Mal durchwühlte. Ich fand es nicht. Er zeigte auf die Loseblattsammlung und sagte: „Und ich glaube, genau so sieht es auch in deinem Kopf aus“. Damals kamen seine Worte nicht wirklich bei mir an, in meinem Kopf sah es nämlich tatsächlich genau so aus, und Platz war nur für Musik und irgendwelche Jungs, aber heute höre ich ihn das immer noch sagen, wenn sich in irgendeinem Bereich meines Lebens Unordnung manifestiert. Aber es sollte noch etwas dauern, bis ich zwischen der Unordnung in meinen Wohnräumen und den Baustellen in meinem Leben einen Zusammenhang sehen würde.

Eines Tages erzählte mir eine Kollegin, als wir nach dem Service hinten im Flugzeug herumsaßen und auf die Landung warteten, von einem Buch, das sie gerade gelesen hatte. „Dieses Buch hat mein Leben verändert“, schwärmte sie. „Nicht nur, was Aufräumen betrifft, sondern alle möglichen Lebensbereiche.“ Das Buch war „Feng Shui gegen das Gerümpel des Alltags“ von Karen Kingston und ein paar Tage sprang mir genau das Buch auf dem Flohmarkt ins Auge. Ich kaufte es für 50 Cent. Den Rest des Nachmittags verschlang ich die 200 Seiten. Das Chaos von Teenagern sei normalerweise ihr inneres Durcheinander, das auf dieser Ebene sichtbar wird, las ich unter anderem darin. Ich war mit Ende Zwanzig noch Teenager und langsam an dem Punkt, wo es mir selber auf die Nerven ging. Wir seien durch energetische Fäden mit unseren Sachen verbunden und wenn unsere Sachen durcheinander geraten, verheddern sich diese Fäden und bringen Stress und Verwirrung in unser Leben, erklärt Karen Kingston. Ich wollte jetzt aber endlich Ordnung und Klarheit. Ich fing also Zimmer für Zimmer an, meine Wohnung und mein Leben aufzuräumen.

Was bedeutet Feng Shui denn jetzt eigentlich?

Übersetzt bedeutet Feng Shui Wind und Wasser, und es handelt sich um eine jahrtausendealte chinesische Wissenschaft, die in Ostasien sehr verbreitet ist und auch in westlichen Ländern immer mehr Freunde findet.

Es geht darum, Wohnräume so zu gestalten, dass das Chi, eine Art Fluss positiver Energien, gestärkt, und die hemmenden Energien eingeschränkt werden, und auf diese Weise Glück, Erfolg, Gesundheit und Wohlstand ins Leben einzuladen.

Wenn man einen klassischen Feng Shui Experten zu Rate zieht, kommt dieser mit einem komplizierten Kompass. Das passiert vor allem, wenn Häuser geplant, gebaut, gekauft und eingerichtet werden. In Singapur ist das selbstverständlich. Auch bei uns gibt es inzwischen diese Möglichkeit, und sollte ich jemals eine neue Wohnung in Betracht ziehen, werde ich einen Feng Shui Experten mitnehmen. Aber man kann auch mit etwas Grundwissen und einfachen Maßnahmen selbst viel ausrichten, auch in einer kleinen Mietwohnung, mit Hilfe eines Bagua.



Das Feng Shui Bagua

Das ist eine Art Energielandkarte, mit der der Grundriss der Wohnräume in Bereiche unterteilt wird, die für die jeweiligen Lebensbereiche stehen: Wohlstand, Ruhm, Beziehungen, Familie, Gesundheit, Kreativität/Kinder, Wissen, Karriere und Hilfreiche Freunde. Wenn es in einem Lebensbereich nicht läuft, sollte man sich die zugehörigen Bereich sowohl in der ganzen Wohnung, als auch in den Räumen ansehen, in denen man viel Zeit verbringt.

Für das klassische Feng Shui braucht man einen Kompass, um diese zu bestimmen. Es gibt aber auch eine westliche Variante, die ist sehr einfach anzuwenden. Hier spielt nur eine Rolle, wo sich die Eingangstür befindet. Da wird das Bagua angelegt:

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Also angenommen, ich bin schon lange Single und hätte gerne einen Partner. Wie sehen die Beziehungsbereiche in den wichtigsten Zimmern und in der ganzen Wohnung aus – also hinten rechts von der Tür aus betrachtet – und was steht dort? Welche vielleicht unerwünschte Symbolik könnten die Dinge haben? Ein kaputter Spiegel? Eine tote Pflanze? Bilder mit negativen Motiven? Ein Bett oder eine Sitzgelegenheit für nur eine Person? Was steht im Schlafzimmer? Staubiger Heimtrainer, auf dem sich Klamotten türmen, Schreibtisch mit Papierchaos? Kisten, von denen man gar nicht genau weiß, was drin ist? Was sagt das über meine Bereitschaft aus, mich auf eine Partnerschaft einzulassen? Auch Farben und Elemente spielen eine Rolle, wenn man den Energiefluss in dem jeweiligen Bereich verstärken will.

Eines der größten Feng Shui Probleme ist aber Gerümpel. Es blockiert die Energien, sorgt für Chaos und Stillstand im Leben. Ihr habt hier auf Alinas Blog sicher schon den Leitfaden zum Minimalisieren entdeckt und hochmotiviert ausgemistet und aufgeräumt oder seid zumindest wild dazu entschlossen. Ich kann mich nur anschließen: weg mit dem Krempel: verkaufen, verschenken, entsorgen! Ihr werdet ihn nicht vermissen. Ihr werdet euch freuen über den Platz und die neuen Sachen, die dafür in euer Leben treten.
Oh, und was steht eigentlich im Keller? Laut dem Buch symbolisiert er Vergangenheit und Unterbewusstsein. Den sollte man sich vielleicht auch mal vorknöpfen.

So setze ich Feng Shui um

Als ich angefangen habe, mich mit dem Thema zu beschäftigen, hatte ich nicht mal ein Schlafzimmer. Ich hatte das Bett ins Wohnzimmer gestellt, weil das kleine Zimmer an der Hauptstraße zu laut war. Nicht, dass es bei mir extrem unordentlich oder schmutzig war, aber ich war etwas wischiwaschi und handwerklich nicht sehr geschickt, und was kaputt ging, war dann halt kaputt. Das Wohnzimmer sah ganz gemütlich aus, aber das kleine Zimmer stand voller Zeugs, inklusive altem kaputtem Fernseher, und der Wäscheständer immer mittendrin, voller Klamotten, die ich auch nie wegräumte, sondern irgendwann anzog. Sah ja keiner. In dem Bereich, der laut Bagua nicht nur der Beziehungsbereich des Zimmers, sondern auch der der ganzen Wohnung war, standen meine Koffer! Autsch. Dass meine Beziehungen nirgendwo hinführten, wundert jetzt wahrscheinlich niemanden, und ich fing endlich an, mich mit dieser Baustelle auseinanderzusetzen.

Schritt für Schritt ließ ich Lärmschutzfenster einbauen, einen schönen Boden verlegen, strich die Wände in einem beruhigenden hellgrau, kaufte einen schönen Teppich und Verdunkelungsvorhänge und stellte mein Bett in den Beziehungsbereich, mit zwei Kissen, guter Bettwäsche, schöner Tagesdecke, zwei Nachtschränkchen und zwei Lampen. Und ich mistete natürlich richtig aus und brachte endlich den kaputten Fernseher und eine Menge anderes Gerümpel zum Recyclinghof. Ausserdem kaufte ich mir einen riesigen Kleiderschrank, in dem jetzt alles seinen Platz hat. Für ein Ordnungssystem im Schrank empfehle ich übrigens die japanische Aufräumexpertin Marie Kondo. Sie hat auch einen Youtube-Kanal.

Nach und nach wurde meine ganze Wohnung „fengshuit“. Allein schon, dass ich so viel Zeit, Energie und Geld investierte, um ein schönes Zuhause zu erschaffen, führte mir vor Augen, dass ich wirklich keine Lust mehr hatte, ein chaotischer Teenager zu sein und andere chaotische Teenager zu daten. Zaubert ein einladendes Zuhause jetzt plötzlich einen passenden Partner herbei? Naja, die Augen aufsperren muss man schon noch selber. Aber die Chancen, diesem zu begegnen, steigen um einiges, wenn man ausstrahlt, dass man Platz für ihn hat, dass ein eigenes Kissen in einem schönen Zuhause auf ihn wartet. Bei mir hat es funktioniert.

Und was ist mit dem vielgelobten kreativen Chaos? Kreative Leute können auch im Chaos kreativ sein, aber ich bin in einer aufgeräumten Umgebung und mit einer abgehakten To-Do-Liste noch wesentlich kreativer, vor allem kann ich strukturierter denken und bin dadurch produktiver.

Heutzutage bin ich regelmäßig am aufräumen, ausmisten und putzen. Was kaputt geht, wird sofort repariert oder erneuert. Es ist mittlerweile eine sehr überschaubare Aufgabe, sogar eine Art Meditation. Und Bewegung hat man auch gleich noch. Putzen bringt gute Energie, sagte ein Freund, der in Indonesien aufgewachsen ist, neulich ganz selbstverständlich zu mir. Dort weiß das jeder.

Space Clearing befreit- auch, wenn ich mich dabei erst komisch fühle

Tatsächlich mache ich manchmal sogar ein Space Clearing nach der Anleitung in dem Buch von Karen Kingston, wenn ich mich in meinen Wohnräumen über irgendetwas aufgeregt habe, um die schlechte Energie zu vertreiben. Ich komme mir durchaus etwas komisch vor, überall zu klatschen, Glöckchen zu läuten, Blumen aufzustellen, Wasser zu sprenkeln und Schutzschilder aufzuziehen usw. aber wenn ich das nächste Mal in meine Wohnung komme, kann man hier plötzlich so tief durchatmen. Und alles wirkt irgendwie neu. Einigen ist das jetzt vielleicht jetzt zu abgehoben, aber mir gefällt das.

In meiner Wohnung und meinem Leben fühle ich mich jetzt sehr wohl. Ich weiß genau, was ich alles habe und wo die Sachen sind, und vor allem habe ich nur noch Sachen, die ich wirklich haben will. Was nicht mehr zu mir passt, kommt weg. Und genau so fühlt sich jetzt auch mein Kopf an: Aufgeräumt und mit Platz für Neues. Ein sehr gutes Gefühl.

Ich habe mich zwar viel mit dem Thema beschäftigt, bin aber keine ausgebildete Feng Shui Expertin. Wer sich dafür interessiert und tiefer in die Materie eintaucht, dem wird sich ein Riesenpanorama öffnen. Es gibt natürlich unzählige Bücher über das Thema, die teilweise sehr unterschiedliche Strömungen vertreten, aber ich persönlich empfehle Karen Kingstons Buch „Feng Shui gegen das Gerümpel des Alltags“ als guten Einstieg.


Nina- ich bin begeistert von diesem wunderbaren Artikel und dem Einblick, den du mir und meinen Leser*innen in Feng Shui gewährt hast. Von Feng Shui wusste ich bislang wirklich absolut nichts!

Wenn ihr, liebe Leser*innen, genauso wild auf Ninas Blog fly me to the vegan buffet seid, wie ich, dann schaut da unbedingt vorbei und lasst euch von ihrer veganen Kochkunst und ihren Reisetipps verzaubern! Kennengelernt habe ich Ninas Arbeit übrigens auf ihrem Instagramprofil, auf dem sie regelmäßig ihre neusten Kreationen präsentiert. Wenn ihr eher auf Facebook unterwegs seid; kein Problem- auch dort ist Nina mit ihrem Blog vetreten!

Nina hat bereits am Projekt: „Mein Veg- darum lebe ich vegan!“ teilgenommen, dort erzählt sie, warum und seit wann sie vegan lebt und was ihre allerbesten Tipps für vegane Neulinge sind!

Noch einmal vielen Dank, liebe Nina!

Seid gut zu euch!

~ Alina



Ninas Veg – Darum lebe ich vegan!

>>Dieses Interview ist Teil des Projekts Mein Veg

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Nina, Flugbegleiterin und Bloggerin

Warum hast du dich für ein veganes Leben entschieden? Gab es einen Auslöser?

Es gab ganz viele kleine Auslöser, und ich war lange Vegetarierin mit Tendenz zum Vegansein. Aber dann kam der Tag, als ich unterwegs unbedingt einen Kaffee brauchte, und es nur Kuhmilch gab, und ich nach einem Schluck dachte, bäh, das kann ich einfach nicht mehr trinken. Letztlich war es einfach die logische Konsequenz meiner Entwicklung.

Warst du vor der Umstellung auf eine vegane Ernährung Vegetarier*in?

Offiziell Vegetarierin bin ich mit 18 geworden. Das war 1996. Dann habe ich nach und nach auch die anderen Tierprodukte aus meinem Leben geworfen.

Auf welche Probleme bist du zu Beginn besonders gestoßen?

Ich hatte damals gerade angefangen als Flugbegleiterin zu arbeiten. In Berlin war schon viel passiert auf dem Gebiet und alles kein Problem, aber fand ich mich plötzlich in Ländern wieder, in denen dieses Konzept unbekannt war und in denen ich mich auch nicht verständigen konnte. Oder ich wollte mit Kollegen essen gehen, aber die wollten in die Churrascaria oder in ein Seafood-Lokal. Anfangs bin ich da noch mitgegangen und habe dann da an meinen Pommes und meinem Salat herumgeknabbert und mich oft für meinen Lebensstil rechtfertigen müssen. Heute suche ich mir ein schönes Restaurant bei HappyCow aus und ziehe alleine los. Dabei lande ich dann oft in interessanten Gegenden: da sind dann plötzlich Leute in schwarzen T-Shirts, die vegane Burger und Cupcakes essen wollen, es läuft Musik, die mir gefällt, nebenan ist ein Buchladen, und ich fühle mich wie zuhause am anderen Ende der Welt. Mittlerweile sind auch unter meinen Kollegen viele Veganer, Vegetarier oder einfach Interessierte, die mitkommen wollen. In Mexico City vor ein paar Monaten saß nachher tatsächlich die halbe Crew mit im veganen Restaurant „Forever“ und fand’s lecker und schön, darüber habe ich mich sehr gefreut. Auch die Versorgung unterwegs wird immer einfacher. Neulich habe ich ein Rom an einem Backstand am Flughafen ein leckeres veganes Baguette mit gegrilltem Gemüse und ein veganes Aprikosencroissant gefunden. Solche Sachen gibt es da auf einmal total selbstverständlich! Das hat mir so richtig den Tag versüßt.

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Wie kommt dein Umfeld mit deiner Entscheidung vegan zu leben zurecht?

Da habe ich viel Glück gehabt. Meine Freunde und meine Familie sind da total entspannt. Wenn wir essen gehen wollen, wird was gesucht, wo es ganz sicher was Veganes gibt. Meistens landen wir bei einem veganen oder vegan-freundlichen Vietnamesen. Davon gibt es in Berlin jede Menge. Wenn irgendwo zuhause gekocht wird, gibt es meistens ein veganes Grundgericht mit Käse extra oder so. Ich bringe auch gerne was mit. Fleisch isst sowieso kaum jemand in meinem Umfeld.

Was stört dich daran Veganer*in zu sein?

Mich stört oft, dass die Welt so unnötig unvegan ist. All die täglichen kleinen Stolpersteine. Warum müssen die in der Kantine Eiernudeln nehmen, welche aus Hartweizengrieß schmecken doch genauso? Warum muss in den Chips, die im Flugzeug verteilt werden, Molkenpulver drin sein? Warum muss die fair und nachhaltig produzierte Jeans ein Patch aus Leder haben? Ich freue mich aber darüber, dass diese Sachen in letzter Zeit immer mehr in Frage gestellt werden, weil viele Menschen inzwischen bewusster konsumieren.

Hat sich etwas für dich verändert, seit du vegan lebst?

Ich bin in allen Dingen viel reflektierter und achtsamer gewordene, vielleicht ist das aber auch auch das Älterwerden.

Und früher stand ich ständig unzufrieden vor dem Spiegel. Ich kann nur jedem, der mit Akne oder einem Muffintop kämpft, empfehlen, mal ein halbes Jahr die Milchprodukte wegzulassen und zu sehen, was passiert. Ich kenne solche Probleme nicht mehr.

Engagierst du dich über deine Lebensweise hinaus z.B. in Projekten oder Vereinen?

Ich habe Ende 2017 ebenfalls einen veganen Lifestyle-Blog ins Leben gerufen, Kochrezepte mit Video-Tutorials, vegane und faire Kleidung, die mir gefällt und Tips für Veganer auf Reisen. Ich will es anderen leichter machen, vegan zu leben, indem ich das teile, was ich gelernt habe. Das macht sehr viel Spaß, und wenn ich ein paar Leute inspirieren kann, dann freut mich das sehr.

Was sind deine besten Tipps für vegane Neulinge?

Manchmal erzählen mir Leute: ach ja, vegan habe ich auch mal versucht, aber das habe ich nicht durchgehalten…
Ich empfehle, sich nicht gleich ein Label aufzukleben und dann frustriert alles hinzuschmeißen, wenn man es nicht sofort perfekt durchzieht. Man muss sich da erst reinfinden, der Körper muss sich erst daran gewöhnen. Gebt euch Zeit, kleine Schritte führen auch zum Ziel.

Möchtest du zum Abschluss noch etwas sagen?

Das ist ein großartiger Blog, vieles spricht mir aus der Seele. Ich kann mir kaum vorstellen, dass jemand nicht sofort anfängt, sein Leben aufzuräumen, nachdem er oder sie ein paar Artikel gelesen hat. Ich freue mich, hier etwas beitragen zu dürfen!

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Tausend Dank für das tolle Interview, liebe Nina!

Vergiss nicht, unbedingt auf Ninas Blog www.flymetotheveganbuffet.com vorbeizuschauen! Hier findest du regelmäßig köstliche Rezepte und Empfehlungen für vegane Kosmetik, Kleidung und Reisen! Als Flugbegleiterin kommt Nina nämlich richtig rum und hat für dich die besten Tipps auf Lager!

 

Seit gut zu dir!

~ Alina



Warum vegan?

Die Gründe, sich für eine vegane Ernährung und vielleicht auch einen veganen Lebensstil zu entscheiden sind vielfältig und haben sicherlich alle ihre Berechtigung.

Meine persönliche zentrale Motivation stellt die größtmögliche Vermeidung von Tierleid dar. Vielen Menschen ist nach wie vor nicht bewusst, dass dieses nicht ausschließlich bei der Fleisch“produktion“ entsteht, sondern im gleichen Maße auch bei der Tierhaltung zur Gewinnung von Milch oder Eiern.

„Aber eine Kuh gibt doch sowieso Milch!“

Schon lange hat die Realität in Tierhaltungsbetrieben rund um die Welt nichts mehr mit dem verklärt-idyllischen Bild zu tun, das wir haben, wenn wir an glücklich grasende Kühe auf einer Alm denken, die morgens und abends jeweils per Hand gemolken werden. Tatsächlich muss eine Kuh, ebenso wie ein Mensch, Nachkommen zur Welt gebracht haben, damit sie Milch gibt.

Und da zeigt sich schon die erste Perversion: Der Mensch trinkt die Muttermilch einer anderen Spezies. Die Milch, die für das Kalb alle wichtigen Nährstoffe für ein gesundes Leben bereithält, wird ihm entrissen und stattdessen wird sie getrunken von erwachsenen Lebewesen einer anderen Art. Der Mensch ist das einzige Lebewesen, das ohne zu hinterfragen die Muttermilch einer anderen Spezies trinkt. Viel natürlicher wäre es da doch eigentlich, die Muttermilch einer Frau zu sich zu nehmen, immerhin gibt diese Milch, die optimal auf die Bedürfnisse eines menschlichen Babys ausgerichtet ist.

Nach dem Kalben gibt eine Kuh bis zu 350 Tage lang Milch um ihrem Kalb einen guten Start ins Leben zu ermöglichen. Mit der Zeit wird der Milchfluss allerdings weniger, immerhin ernährt sich das Kalb zunehmend selbstständig. Da dies für die Milchproduzent*innen aus kapitalistischen Gründen nicht hinzunehmen ist, wird die Kuh bereits 3 Monate nach der Geburt des Kalbs erneut künstlich besamt.

Das Kalb selbst wird der Mutter kurz nach der Geburt entrissen und erleidet je nach Geschlecht ein eigenes grausames Schicksal. Ist das Kalb männlich wird es wenige Wochen, in aller Regel in großen Betrieben auf Schlachtgewicht gemästet, getötet und landet als Kalbsfleisch in Supermarktregalen. Auch einem weiblichen Kalb kann dies passieren, wahrscheinlicher ist es allerdings, dass es sobald wie möglich selbst künstlich besamt und dann zur Milchproduktion gezwungen wird, wo es bald schon seine Mutter ersetzt.

Die durch die ständige Befruchtung künstlich beschleunigte Milchproduktion stellt für die Kühe im Bezug auf den Stoffwechsel eine enorme Belastung dar. Jährlich gibt sie immerhin das zehn- bis zwanzigfache ihres eigenen Körpergewichtes an Milch ab. Hinzu kommen die oftmals miserablen Haltungsbedingungen, das Stehen auf Metall, die Bewegungsarmut, überlastete Gelenke durch schwere Euter, Euterinfektionen durch die Sauganlagen und vieles weiteres. All das führt dazu, dass eine Kuh nach drei bis vier Jahren intensiver Milchgabe für die Milchproduzent*innen wirtschaftlich nicht mehr tragbar ist und geschlachtet wird.

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„…Aber Eier legen tut dem Huhn doch nicht weh!“

Damit ein Ei gelegt werden kann, braucht es bekanntermaßen erst die Henne. In modernen Anlagen legen tausende Hennen in engen Käfigen Eier, die auf Förderbändern abtransportiert werden. Zur „Produktion“ neuer Legehennen, werden diese Eier in großen Bebrütungsanlagen vollmaschinell ausgebrütet.

Da man das Geschlecht eines Kükens erst nach der Geburt feststellen kann, werden die frisch geschlüpften Küken auf Förderbändern an Menschen vorbeigefahren, die diese in männlich und weiblich einteilen. Beim sogenannten „Kloakensexen“ wird mit den Fingern Druck auf die Kloake ausgeübt, wodurch der Penis hervortritt. Mit dieser Methode kann ein geübter Mensch bis zu 2000 Küken pro Stunde mit einer sehr geringen Fehlerquote sortieren.

Die aussortierten männlichen Küken werden brutal getötet, finden entweder den Tod in einem Schredder oder werden mittels eines eingeleiteten Gases qualvoll erstickt. Jährlich finden allein in Deutschland 50 Millionen sogenannter „Eintagsküken“ (welch Spott) so ihr leidvolles Ende und zwar unabhängig davon, ob es sich um einen Bio-Betrieb handelt oder nicht. Die weiblichen Küken werden so schnell wie möglich selbst zur Eierproduktion genutzt, wo sie ihr kurzes Leben in Massentierhaltung verbringen, stehend auf Gittern, krank, ohne Sonne.

Ein Huhn wird unter natürlichen Bedingungen circa 9 Jahre alt – eine Legehenne nur etwa 15 Monate. Wusstest du schon, dass Hühner schon während ihr Nachwuchs noch im Ei ist, über Pieplaute Kontakt zu diesem aufnehmen? Die sensiblen Tiere schützen ihre Jungen verantwortungsvoll vor Gefahren und bringen ihnen alles für ein selbstständiges Leben bei. Bei Legehennen wird selbst der Bruttrieb genetisch manipuliert, sodass die Hühner ihre Eier unbebrütet liegen lassen. Mittels dieses Vorgehens kann eine einzige Legehenne bis zu 300 Eier jährlich legen, welches eine massive Belastung darstellt.

Hühner, die für die „Fleischproduktion“ gehalten werden, sind ebenfalls genetisch manipulierte Hybridhühner. Sie werden in Mastanlagen innerhalb weniger Wochen auf Schlachtgewicht gemästet, wodurch sie so schwer werden, dass ihre eigenen Füße sie oft nicht mehr tragen können. Durch ihre genetische Manipulation sind sie immer hungrig und setzen schnell Fett an. Ihr kurzes und trauriges Leben endet in einer vollautomatischen Tötungsanlage, in der die Tiere meistens mittels Elektroschock betäubt werden, einer Methode, die oft nicht funktioniert. Danach werden den Tieren, ebenfalls vollautomatisch, die Federn und der Kopf entfernt

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„Interessiert kein Schwein!“

Wie weitestgehend bekannt ergeht es Tieren, vornehmlich Schweinen, Rindern und Geflügel, welche zur Schlachtung gehalten werden, nicht besser als Legehennen oder Milchkühen. Die Tiere werden in Hallen ohne Tageslicht gehalten, stehen eng aneinander ohne ausreichend Bewegung oder sinnvolle Beschäftigung.

Intelligente Tiere, wie etwa das Schwein, sind in dieser Einöde absolut unterfordert und können ihren Gewohnheiten nicht nachgehen. In Freiheit sind Schweine sehr reinliche Tiere, sie würden niemals ihr Geschäft an dem gleichen Ort verrichten, an dem sie auch essen. Sie kümmern sich liebevoll um ihren Nachwuchs und haben ein reges Sozialleben. In der Intensivtierhaltung, wie es förmlich umschrieben wird, leben Sauen oftmals in Kastenständen. Die Tiere sind aufgrund der Langeweile aggressiv und legen aufgrund der miserablen Haltungsbedingungen und psychischem Stress sogar kannibalistisches Verhalten an den Tag. Damit die Schweine sich nicht gegenseitig decken, werden sie unbetäubt kastriert und zur Vermeidung von gegenseitigem Verletzen, werden ihnen Zähne gezogen und Schwänze abgeschnitten. Bei Kühen ist es ähnlich, es werden hier Hörner entfernt.

In Deutschland allein werden jedes Jahr 60 Millionen Schweine geschlachtet. Gleichzeitig landen jährlich 346 Millionen Kg Fleisch auf dem Müll! Das entspricht 45 Millionen Hühnern, 4 Millionen Schweinen und 200 000 Rindern.

„Na, wenns nur das ist!“

Außer den bisher aufgeführten katastrophalen Folgen des Konsums tierischer Produkte für die betroffenen Lebewesen, sprechen auch zahlreiche andere Gründe für einen Verzicht auf Lebensmittel mit tierischen Inhaltsstoffen. Tierhaltung im großen Stil ist maßgeblich beteiligt an der weltweiten Verschmutzung des Trinkwassers mit Nitraten und fördert den Welthunger durch den Verbrauch irrsinnig vieler kostbarer Ressourcen für die Fütterung der Tiere. Je nach Quelle werden zwischen 95-98% der weltweiten Soja-Ernte für die Massentierhaltung verwendet. Diese Menge an wertvollen Kalorien könnte einen großen Beitrag zur Beendigung des Welthungers beitragen.

Internationale Studien haben zudem den großen gesundheitlichen Nutzen einer pflanzlich basierten Ernährung gezeigt: Sie hilft beispielsweise Volkskrankheiten wie Diabetes vorzubeugen, führt aber auch zu einer geringeren Aufnahme von Antibiotikarückständen in der Nahrung und damit zu einer geringeren Ausbildung von Resistenzen.

Es gibt unzählige Gründe, auf den Konsum tierischer Lebensmittel zu verzichten!

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